Seit zehn Jahren organisiert der Verein„Zeitbank plus“ in Lörrach Nachbarschaftshilfe. Nun hat er diesen Geburtstag in der Kaltenbachstiftung gefeiert.
Das Fest ermöglichte den Zeitbank-Mitgliedern und ihren Gästen vielfältige Begegnungen bei einem Workshop, einer Führung über das Gelände der Kaltenbachstiftung und bei von „Luigis Kochstudio“ aus Maulburg zubereiteten Mahlzeiten.
„Aktivposten in unserer Gesellschaft“
Oberbürgermeister Jörg Lutz würdigte die Zeitbank plus beim offiziellen Festakt im Zirkuszelt der Stiftung als „Aktivposten in unserer Gesellschaft“. Die Zeitbank plus habe eine Methode gefunden, um Zeit zu speichern. Lutz spielte darauf an, dass der Verein die Nachbarschaftshilfe über Zeitkonten organisiert. Hilft ein Mitglied einem anderen, werden ihm Stunden auf seinem Zeitkonto gut geschrieben. Braucht die Person selbst einmal Hilfe, werden ihr die benötigten Stunden abgezogen. Ein RTL-Film, den die Vorsitzende Gabi Vögtlin einspielte, zeigte, wie das aussehen kann: Eine alleinerziehende Mutter fährt mit ihrem kleinen Sohn regelmäßig eine Seniorin im Rollstuhl spazieren. Sie selbst erhält von einem rüstigen Rentner Hilfe im Garten. Dieser wiederum freut sich über frisch gebackene Zwiebelwaie. Es gehe um „geben und nehmen“, betonte Gabi Vögtlin.
19 Frauen und Männer hätten die Zeitbank plus im September 2015 gegründet, erinnerte Gabi Vögtlin an die Anfänge. Heute habe der Verein „stolze 250 Mitglieder“.
In zehn Jahren 7000 Stunden Hilfe
In zehn Jahren hätten sie rund 7000 Stunden Hilfe geleistet, zählte die Vorsitzende auf, unter anderem 1563 Stunden im Haushalt, 678 Stunden im Garten, 276 Stunden beim Ausfüllen von Formularen und beim Umgang mit Behörden, 1042 Stunden mit Fahrdiensten, etwa zum Einkaufen oder zum Arzt.
Zeitbank-Mitglieder führten in Sketchen typische Situationen vor. Zu ihnen gehörte Peter Vögtlin, der eine Dame per Fahrradrikscha durch das Zirkuszelt fuhr. Von 2022 bis 2024 hätten die Rikscha-Piloten 878 mobilitätseingeschränkte Personen ausgefahren und dabei selbst mehr als 500 Stunden an der frischen Luft verbracht, warb Vögtlin. Man suche noch Verstärkung.
Die Vorsitzende dankte Ute Hammler, der früheren Seniorenbeauftragten der Stadt, und Angelika Mauch, der Geschäftsführerin des Familienzentrums, für Zusammenarbeit sowie dem Ehepaar Rexrodt, das an Ostern und Weihnachten kleine Geschenke für einsame Menschen spendet.
Jung und Alt kommen zusammen
Das Familienzentrum stellt dem Verein Räume für Veranstaltungen zur Verfügung. Im Gegenzug lesen Zeitbank-Mitglieder im Kindergarten vor und helfen beim Mittagstisch des Familienzentrums. So kämen Jung und Alt zusammen, nannte Vögtlin ein weiteres Anliegen. Aktuell gehören der Zeitbank plus zwar Mitglieder aller Altersstufen an, aber die meisten sind älter als 65.
Zum Jubiläum gratulierten Christine Putz und Birgit Meier von den Zeitbank-plus-Vereinen Mittleres Wiesental und Efringen-Kirchen. Ulrich Böll vom Dachverband „Spes“ gab in einem Workshop praktische Tipps für die Nachbarschaftshilfe. Sogar eine Delegation vom Dachverband der Zeitbank-Vereine aus Österreich war zum Jubiläum angereist.