Die Köpfe des Vereins „Hilfe mit Herz und Hand“ aus Bad Dürrheim engagieren sich gemeinsam: (von links) Ingrid Krickl, Barbara Durul, Marina Adam, Scarlet Dietrich. Foto: Lukas Podolski

Die Nachbarschaftshilfe „Hilfe mit Herz und Hand“ setzt sich für Menschen ein, die Hilfe benötigen. Das Motto „Generationen verbinden – Hilfe finden“ wird dabei aktiv vorgelebt.

Ein kurzer Anruf und schon steht Hilfe vor der Tür: Die Nachbarschaftshilfe unterstützt Menschen, die den Alltag nicht mehr alleine bewältigen können.

 

Der Verein „Hilfe mit Herz und Hand“ wurde im Februar 2018 gegründet. Schon ein Jahr zuvor hatte sich der damalige Vorsitzende Erwin Nopper mit dem Projekt beschäftigt, erklärt Ingrid Krickl, erste Vorsitzende des Vereins. Inspiriert wurden sie vom Verein „Hilfe von Haus zu Haus“ aus Höri am Bodensee.

Ziel des Vereins ist es, „Menschen die Chance zu geben, länger zu Hause bleiben zu können“, sagt Krickl. Einkaufen, Arztbesuche oder der Haushalt seien für viele Menschen alleine nicht zu schaffen – unabhängig vom Alter. Für diese Erledigungen bietet der Verein Betreuer an, die diesen Menschen helfen. In manchen Fällen gehe es dabei weniger um praktische Hilfe als um ein Gespräch und ein offenes Ohr. Laut Krickl gebe es in Bad Dürrheim besonders viel zu tun, da über 29 Prozent der Bewohner über 65 Jahre alt sind.

Dankbarkeit als Gegenleistung

Rund 180 Helfer betreuen regelmäßig bis zu 220 Menschen aus Bad Dürrheim und den umliegenden Ortsteilen. Sie erhalten eine Aufwandsentschädigung von 11,50 Euro pro Stunde, vielen ginge es aber um die Dankbarkeit der Betreuten, erklärt Krickl.

Verbesserung der Sprache

Jeder Betreute bekommt möglichst einen festen Helfer, damit sich beide aufeinander einlassen können. So entstehen laut Krickl auch oft Freundschaften. Scarlet Dietrich, zweite Vorsitzende des Vereins, berichtet, dass sich viele Ukrainer für das Ehrenamt begeistern können. Der Austausch mit den Betreuten helfe ihnen, ihre Deutschkenntnisse zu verbessern.

Wie viele Stunden die Helfer in der Woche mit der Nachbarschaftshilfe beschäftigt sind, variiere je nach Bedarf, so Dietrich. „Jede Einzelstunde ist eine Stunde mehr Zwischenmenschlichkeit“, betont Krickl. Entscheidend sei nicht die Zeit, sondern die Bereitschaft, etwas für andere zu tun.

Mehr als eine Begleitung

Bei den Terminen würden auch Situationen entstehen, die weit über Einkaufsfahrten oder Arztbegleitungen hinausgehen. Barbara Durul, Kassiererin und Koordinatorin, erzählt von Geschichten, in denen Betreute nicht zur Tür kamen und die Helfer die Polizei alarmieren mussten. In manchen Fällen rettete ihre Aufmerksamkeit den Menschen sogar das Leben, da ihnen etwas im Haus passiert war.

Der Verein bietet den Helfern regelmäßig Angebote an. Dazu zählen unter anderem Helfertreffen, die zweimal jährlich stattfinden, sowie Seminare und Schulungen, damit die Helfer die Betreuten bestmöglich unterstützen.

Eingespieltes Team

Laut Durul gab es zu den Anfangszeiten des Vereins auch stressige Momente. Inzwischen sei der Verein jedoch gut organisiert. Enge Kontakte bestehen vor allem zu Pflegediensten, da viele Betreute das Angebot als letzte Unterstützung vor einer Pflege in Anspruch nehmen würden.

Konkrete Zukunftspläne würde es nicht geben, erklärt Krickl. Der Fokus liege darauf, die Nachbarschaftshilfe in ihrer bekannten Form weiterzuführen. Durul betont, dass jeder willkommen sei, ob als Mitglied (18 Euro Jahresbeitrag) oder als Helfer. Voraussetzung sei vor allem eines: „Das Herz zu haben, für andere da zu sein“.