Pfarrer Steffen Jelic (links) erhielt auch vom evangelischen Pfarrer Rainer Janus ein Abschiedsgeschenk – in Erinnerung an die gemeinsam gelebte Ökumene. Foto: Bohnert-Seidel

Emotional sagte die Katholische Kirchengemeinde Friesenheim Lebewohl zu ihrem Pfarrer. Auch außerhalb der katholischen Kirche wird man ihn vermissen.

Beide Kirchturmglocken haben am Sonntagmorgen geläutet und zum Gottesdienst in die Katholische Kirche St. Laurentius eingeladen. Bewegend feierten hunderte Menschen die Verabschiedung von Pfarrer Steffen Jelic, der die Kirchengemeinde nach zwölf Jahren verlässt. Der Kinderchor der Kirchengemeinde sang und alle Ministranten versammelten sich um den Altar.

Pfarrer appelliert an Gläubige, sich aktiv einzubringen

Pfarrer Jelic sprach in seiner Predigt von Zuversicht und Mut für die kommenden Jahre, in denen es an jedem Einzelnen liege, das Wir-Gefühl von Kirche und Gemeinschaft lebendig zu halten. Dazu brauche es Menschen, die sich aktiv einbringen. Dank galt allen Wegbegleitern. Pfarrer Jelic richtete sich aber auch an jene Menschen, die keinen Beifall mehr geklatscht haben und die sich von den Gottesdiensten enttäuscht zeigten, weil sie zu lange dauerten, nicht ihren Vorstellungen entsprochen hätten. Die zwar von Eigenverantwortlichkeit, Gleichheit und Gleichberechtigung gesprochen hätten, aber diese in der gelebten Praxis vermissen ließen. „Ich ermutige Sie, die Kritik offen auszusprechen und Mut für Ihren Standpunkt zu beziehen“, so Jelic. Den Mitläufern erteilte er eine Absage. „Sagen Sie denen, die es angeht, Ihre Meinung“, so Jelic. Nur im Dialog im aktiven Miteinander gelinge Kirche.

Der Kinderchor der Kirchengemeinde nahm musikalisch von Pfarrer Steffen Jelic Abschied Foto: Bohnert-Seidel

Keinen hat Pfarrer Steffen Jelic in seinem Dank vergessen und erinnerte an die vergangenen Jahre. „Auch uns als Evangelische Kirchengemeinde schmerzt es, mit Pfarrer Steffen Jelic einen guten Hirten und treuen Freund zu verlieren“, betont Pfarrer Rainer Janus. Gern erinnerte Janus an eine kluge Festpredigt am 31. Oktober 2017, die Pfarrer Steffen Jelic anlässlich 500 Jahre Reformation gehalten habe. Noch nie habe ein katholischer Priester in der Evangelischen Kirche von der Kanzel gesprochen. Mit Pfarrer Jelic verliere die Gemeinde einen selbstkritischen, kritischen und fairen Partner, erklärte Janus.

Dekan Johannes Mette dankte Pfarrer Jelic für das Übermaß an Engagement, das er in zwölf Jahren auch im Dekanat praktiziert habe. Mit Leidenschaft, Kraft und Menschlichkeit habe Pfarrer Jelic alle seine Aufgaben getragen. Seine Leidenschaft für die Liturgie und das pastorale Denken und Handeln seien in jeder Predigt spürbar und erfahrbar gewesen

Dank für Wertschätzung, Augenhöhe und Gemeinschaftsgefühl

Auf Augenhöhe und mit größter Wertschätzung sei Jelic den Menschen begegnet, betonte Martina Hamm, Pfarrgemeinderatsvorsitzende. Die vergangenen zwölf Jahre hätten sich bespickt mit Veränderungen gezeigt und seien eine Zeit der Kompromisse gewesen. Auf Veränderungen, die der Pfarrgemeinderat beschlossen habe, seien unberechtigte Vorwürfe gefolgt, die Pfarrer Jelic auch zu schaffen machten. Dennoch habe er immer versucht, den für die Kirchengemeinde hoffnungsvoll besten Weg zu gehen, so Hamm. Voll Zuversicht und Gottvertrauen zeigte sich Pfarrer Jelic auch als Brückenbauer, der sechs Pfarreien zusammengeführt habe. Jetzt verliere die Kirchengemeinde eine Konstante in einer gegenwärtigen Umbruchsituation.

Hunderte waren am Sonntag in die Kirche gekommen, um sich von Pfarrer Steffen Jelic zu verabschieden. Foto: Bohnert-Seidel

Bürgermeister Erik Weide sprach den Dank für die Gemeinden Friesenheim und Meißenheim aus: „Mit Pfarrer Steffen Jelic verlieren wir einen Menschen, der christliche Nächstenliebe vorlebt und in der Gemeinde in allen sozialen Verflechtungen und menschlichen Problemen präsent war.“ Sein Wirken werde präsent bleiben. Nie habe sich Pfarrer Jelic in den Vordergrund gehoben. Immer habe das Wir gezählt.

Genug der Worte dachten sich die Hauptamtlichen und haben für Pfarrer Jelic einen humorvollen Rückblick intoniert. Aber sie haben auch an ein Motto von Jelic erinnert: „Ein Pfarrer geht, aber die Kirche mit allen ihren Menschen, ihren Ängsten und Nöten, Hoffnung und Zuversicht bleibt.“

So geht es mit der Kirchengemeinde weiter

Offiziell bleibt Pfarrer Steffen Jelic bis Ende Oktober. Ab 1. November übernehmen Pfarrer Josef Rösch aus Rust und Dekan Johannes Mette gemeinsam die Leitung der Katholischen Kirchengemeinde Friesenheim. Die befristete Beauftragung von Dekan Mette und Pfarrer Rösch steht im Zusammenhang mit der Bildung der großen Pfarrei, wenn aus 36 bereits bestehenden Pfarreien zum 1. Januar 2026 eine große Pfarrei wird. Pfarrer Bernhard Dorner wird außerdem die Aufgabe des Kooperators übernehmen und künftig im Pfarrhaus in Friesenheim wohnen. Er wird zu 100 Prozent in der Kirchengemeinde tätig sein, zusammen mit Gemeindereferentin Bettina Richter-Klahs, Gemeindereferent Michael Merz, Ständigen Diakon Thomas Schneeberger sowie Vikar Yesudas Kochupurackal (50 Prozent).