Der BUND Lahr-Schuttertal spricht sich weiter weiter für Erhalt und Weiterentwicklung des Klinikums Lahr am bestehenden Standort am Altvater in öffentlicher Hand aus. Foto: Meier

Die Naturschützer erneuern ihre Ablehnung des Großprojekts. Die Mitglieder sehen erhebliche Belastungen für Natur, Klima und öffentliche Finanzen.

Nach der Zusage von Fördermitteln für die Planung des Lahrer Klinik-Neubaus durch die Landesregierung weist der BUND Lahr-Schuttertal in einer Mitteilung nochmals auf seine Position hin: So spreche sich der Ortsverband weiter für Erhalt und Weiterentwicklung des Klinikums Lahr am bestehenden Standort am Altvater in öffentlicher Hand aus. Aus Sicht des Umwelt- und Naturschutzes stelle die Sanierung und Anpassung des bestehenden Klinikums gegenüber einem Neubau auf der „grünen Wiese“ die deutlich verträglichere Alternative dar, heißt es im von Pressesprecher Bertram Bliss verschickten Schreiben.

 

In der Sitzung des Technischen Ausschusses im vergangenen November sei bekannt geworden, dass am vorgesehenen Neubaustandort geschützte Arten vorkommen: der Wiesenknopf-Ameisenbläuling, der zum „Schmetterling des Jahres 2026“ gewählt wurde, sowie Haselmaus und Zauneidechse. „Alle diese Arten unterliegen strengen naturschutzrechtlichen Schutzbestimmungen“, heißt es in der Mitteilung.

Insbesondere beim Wiesenknopf-Ameisenbläuling sei eine erfolgreiche Umsiedlung höchst problematisch. Er sei nicht nur auf den Großen Wiesenknopf als Wirtspflanze angewiesen, sondern auch auf das gleichzeitig ortsnahe Vorkommen bestimmter Ameisenarten. Da der Schmetterling sehr standorttreu sei, müsste die Umsiedlungsfläche in unmittelbare Nähe liegen. Nur unter diesen spezifischen Bedingungen könne der Schmetterling überleben. Eine kurzfristige Umsiedlung bis zum geplanten Baubeginn sei aus fachlicher Sicht kaum realistisch. Das lasse erhebliche Zweifel an der Genehmigungsfähigkeit des Projekts bestehen.

Ein Neubau am Standort bei Langenwinkel würde zudem mit einem erheblichen zusätzlichen Flächenverbrauch einhergehen. Die Versiegelung bislang unbebauter Flächen verschärfe bestehende Probleme wie den Verlust von Biodiversität, die Zunahme von Hitzeinseln sowie steigende Risiken bei Starkregenereignissen und Hochwasser.

Großprojekte mit hohen Folgekosten sollen kritisch überprüft werden

Gerade vor dem Hintergrund des fortschreitenden Klimawandels seien unversiegelte Flächen, Grünzüge und funktionierende Gewässer von zentraler Bedeutung für Klimaanpassung und natürlichen Wasserrückhalt.

Die vorgesehenen Bau- und Erschließungsmaßnahmen – einschließlich neuer Zufahrtsstraßen – stehen laut Mitteilung im Widerspruch zu den Anforderungen eines zukunftsfähigen Hochwasserschutzes. Natürliche Retentionsflächen, Auen, Wiesen und Wälder seien unverzichtbar, um Niederschlagswasser aufzunehmen und Hochwasserspitzen abzuflachen. Hochwasserschutzmaßnahmen seien daher unabdingbar.

Außerdem betonen die Naturschützer, dass die öffentlichen Haushalte von Stadt, Kreis und Land unter erheblichem Druck stehen. „In jüngster Zeit mussten nicht nur in Lahr Projekte aufgrund finanzieller Engpässe zurückgestellt oder in Frage gestellt werden“, heißt es. Daher sei es aus Sicht des BUND geboten, insbesondere Großprojekte mit hohen Folgekosten kritisch zu überprüfen. Ein Klinikneubau würde demnach hohe Baukosten sowie zusätzliche Ausgaben für Infrastruktur, Ausgleichsmaßnahmen für Naturschutz sowie Hochwasserschutz nach sich ziehen. „Schulden belasten künftige Generationen. Finanzielle Schulden können zumindest theoretisch zurückgezahlt werden können, verlorene Naturflächen, zerstörte Lebensräume und beeinträchtigte Ökosysteme sind nur mit immensem Aufwand oder gar nicht wiederherstellbar“, heißt es im Schreiben weiter.

Die Ortsgruppe sieht im Neubau am Standort Langenwinkel eine erhebliche Belastung für Natur, Klima und öffentliche Finanzen. Er fordert eine Neubewertung der bisherigen Planung und eine „ernsthafte Prüfung der zukunftsfähigen Weiterentwicklung des in den letzten Jahren laufend modernisierten Klinikums am Standort Altvater“.