Nach der Zerstörungsfahrt: Das Dorfkreuz in Nordstetten steht wieder. Steinmetz Aubry restaurierte das historische Kleindenkmal – und erzählt, wie bedeutungsvoll es ist.
Das historische Dorfkreuz an der Ecke Empfinger Straße/Bruckstraße in Nordstetten steht wieder. Rund zehn Monate nach der nächtlichen Trunkenheitsfahrt, bei der das über 100 Jahre alte Denkmal zerstört worden war, hat Steinmetz Alexandre Aubry aus Horb-Betra das Kreuz restauriert und wieder aufgestellt.
„Die Arbeiten waren ziemlich anspruchsvoll“, sagt Aubry. Gefertigt ist das Denkmal aus Renfrizhausener Schilfsandstein. Aubry: „Nach der Restaurierung wirkt das Kreuz deutlich heller, da zuvor starke Witterungsspuren zu erkennen waren.“ Etwa 100 Arbeitsstunden hat Steinmetz Aubry in die Wiederherstellung investiert.
Echte Handwerkskunst
Das Ergebnis kann sich sehen lassen. „Das Kreuz war absolut erhaltungswürdig und ein Stück Handwerkskunst. Eine super Arbeit des Künstlers Staib im Jahr 1883“, so Aubry. Die Schrift wurde, soweit sie noch lesbar war, neu lasiert. Das Kleindenkmal besteht aus Sockel und Kreuz – und wie schon bei einer früheren Erneuerung wurde diesmal ebenfalls nur das Kreuz selbst ersetzt.
Das Nordstetter Kreuz selbst hat eine lange Geschichte vorzuweisen. Wie ein Blick ins Ortsarchiv zeigt, wurde der obere Teil bereits früher einmal ersetzt und nun originalgetreuer angepasst. Das stellte auch Aubry bei der Restaurierung fest. Der Sockel war dagegen noch im Originalzustand.
Blick in das Ortsarchiv
Alfred Jung erfasste das Kreuz 1992 neu. Auf der linken Seite ist beispielsweise die Inschrift zu lesen: „Was will das Kreuz, das hier am Wege steht? Es will dem Wanderer, der hier vorübergeht, das große Wort des Trostes sagen: Der Herr hat deine Schuld getragen.“
Auf der Vorderseite steht: „O Kreuz durch das uns Hoffnung sprießt. In deinem Sieg sei uns gegrüßt. Vermehr den Frommen Gottes Gnad und tilg der Sünder Missethat.“ Gestiftet wurde das Dorfkreuz 1883 von „R. Brendle und Schultheiß“.
Der Steinmetz hat sich auf historische Bausubstanz spezialisiert: „Ich kümmere mich nur um Altes. Ich versuche, die Tradition des Handwerks sichtbar zu machen.“ Neuanfertigungen übernimmt er nicht. Aktuell arbeitet er am Dominikaner-Terziarinnen-Kloster in Binsdorf im Zollernalbkreis, das 2021 zum Kulturdenkmal von nationaler Bedeutung erklärt wurde. Als nächstes steht für ihn Restaurierungsarbeiten in der Johanneskirche in Horb an. Rund 15 Feldkreuze hat Aubry nach eigenen Angaben bereits bearbeitet.
Trunkenheitsfahrt und Gerichtsurteil
Im Januar 2025 war das Denkmal bei einem Unfall völlig zerstört worden. Ein 23-jähriger Autofahrer war mit knapp zwei Promille Alkohol im Blut mit einem Mercedes von der Empfinger Straße abgekommen, hatte ein Verkehrsschild, ein parkendes Auto, zwei Findlinge und schließlich das Kreuz gerammt. Der Sachschaden lag bei fast 60.000 Euro.
Vor dem Amtsgericht Horb wurde der Mann vor knapp einem Monat wegen fahrlässiger Gefährdung des Straßenverkehrs verurteilt. Die Richterin verhängte eine Geldstrafe von 8.400 Euro. Hinzu kommen die Gerichtskosten sowie der Regress der Versicherung für den Schaden am geparkten Auto. Laut Nordstettens Ortsvorsteher Markus Bok muss der Unfallverursacher auch die Kosten für die Restaurierung des Feldkreuzes tragen.
Das Kreuz steht nun wieder – heller, stabiler und mit sichtbaren Spuren handwerklicher Sorgfalt. Ein Stück Nordstetter Geschichte, das nach seiner Zerstörung nicht verloren ging, sondern in alter Form zurückgekehrt ist. Und mit einer Inschrift mehr, denn Künstler Aubry hat sich eine Erwähnung auf der Rückseite des Kreuzes erlaubt.