Im Nordschwarzwald wird bald das erste Wolfsrudel erwartet. Nach dem Hamburger Vorfall stellt sich die Frage, wie gefährlich Wölfe für uns sind. Das sagen Experten.
Ein Wolf hat am Montagabend eine Frau in Hamburg-Altona angefallen. Nach Medienberichten war das verwirrte Tier in einer Einkaufsmeile mehrfach gegen eine Glasscheibe gelaufen. Die Frau hatte dann versucht, den Wolf aus der Einkaufsmeile zu führen und wurde dabei ins Gesicht gebissen.
Der Wolf wurde schließlich in der Binnenalster schwimmend entdeckt. Dort konnte er von der Polizei mit einer Schlinge eingefangen und vorübergehend in einen Wildpark gebracht werden.
Nach Behördenangaben ist erstmals ein Mensch von einem Wolf angegriffen worden, seit dieser sich wieder in Deutschland ausgebreitet hat. „Es gab noch keinen solchen Fall seit der Wiederansiedlung seit 1998“, sagt eine Sprecherin des Bundesamts für Naturschutz der Deutschen Presseagentur.
Gibt es schon im Frühjahr ein Rudel?
Auch im Nordschwarzwald breitet sich der Wolf weiter aus. Seit acht Jahren ist etwa „GW852m“ auch immer wieder in der Gegend um Bad Wildbad unterwegs. Der erregte 2018 Aufsehen, als bei einer Attacke mehr als 40 Schafe starben. Auch „Grindi“, der Hornisgrinde-Wolf, sorgte für Aufmerksamkeit. Der löste einen wahren Wolfstourismus aus, näherte sich Menschen und sollte sogar abgeschossen werden.
Zudem gibt es offenbar eine Wolfsfähe in der Region. Dieser weibliche Wolf hat sich wohl „GW852m“ angeschlossen. Experten rechnen bereits im Frühjahr 2026 mit Nachwuchs und damit einem ersten Rudel im Nordschwarzwald.
Nach dem Angriff stellt sich die Frage, ob sich auch hier in der Region durch die steigende Zahl an Wölfen die Gefahr für einen Wolfsangriff erhöht. Die Experten der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt (FVA) in Freiburg verweisen auf Anfrage unserer Redaktion darauf, dass ihnen bislang keine Informationen dazu vorliegen, wie es zu der genannten Verletzung kam. Hier seien verifizierte Informationen durch die zuständige Behörde in Hamburg sehr wichtig, bevor über mögliche Ursachen spekuliert werde. „Denn es gibt Hinweise darauf, dass es sich um einen jungen Wolf handelt, der in Panik geraten ist“, so die FVA weiter.
Autos und Häuser nicht automatisch eine Gefahr
Generell komme es immer wieder vor, dass sich größere Wildtiere in Siedlungsstrukturen verlaufen. „Autos und Häuser werden auch von scheuen Wildtieren nicht per se als Gefahr interpretiert und so kann es gerade in den Nachstunden dazu kommen, dass sich Tiere in diese Strukturen hineinbegeben“, teilen die Wissenschaftler mit.
Komme es dann zum Kontakt mit Menschen, „steigt der Stresspegel, was wiederum eine gezielte Orientierung erschwert“. Den Fachleuten sei nicht bekannt, ob das Tier in Hamburg etwa durch Verletzungen oder Krankheit beeinträchtigt war.
Für Wölfe sei es nicht ungewöhnlich, dass sie kleinere Siedlungsstrukturen queren, um einen Weg abzukürzen, wenn sie sich sicher fühlen. Das könne in den Nachstunden, aber gelegentlich auch am Tag vorkommen. Diese Querungen würden häufig nicht bemerkt. Die Nähe zu Siedlungen könne auch dadurch entstehen, dass Beutetiere des Wolfes, wie zum Beispiel Reh- oder Rotwild, in den Nachstunden siedlungsnah grasen.
„Auch in Baden-Württemberg gab es schon sehr nahe an Siedlungen Risse von Wild- oder Nutztieren“, so die Experten.
Generell Abstand von Wildtieren halten
Die Frau in Hamburg wollte dem Tier offenbar helfen. Doch davon raten die FVA-Experten dringend ab: „Generell sollte man Abstand von Wildtieren halten. Insbesondere, wenn diese aufgrund der Umstände selbst in einer hochstressigen Situation sind. Ein Eingriff muss den Fachleuten oder der Polizei überlassen werden.“
Auch wenn sich in der Region nun das erste Rudel anbahnt und auch „Grindi“ immer wieder gesichtet wird, sehen die Freiburger Forscher kein großes Risiko: „Grundsätzlich stellen Wölfe keine Gefahr für den Menschen dar. Wölfe kommen nur in sehr geringen Dichten vor und vermeiden als vorsichtige Tiere gewöhnlich eine direkte Begegnung mit Menschen. Da sie Menschen bereits über große Distanzen wahrnehmen, ist eine Begegnung zwischen Mensch und Wolf daher auch in Wolfsgebieten eine Seltenheit.“
Abschließend schätzen die Experten der FVA die Gefahr ein: „Das Risiko eines Unfalls ist sehr gering. Entscheidend ist, dass verhaltensauffällige Wölfe frühzeitig im Monitoring erkannt werden.“