In Oberndorf brennt eine Wohnung, in Rottweil muss die Feuerwehr mit 70 Mann eingreifen, ein Haus in Renfrizhausen wird zum Raub der Flammen. Drei Wohnungsbrände an einem Tag, ein Zufall? Der stellvertretende Kreisbrandmeister Manuel Suhr gibt Antworten – und spricht eine eindringliche Warnung aus.
Ist das denn noch normal, wenn die Feuerwehr im Landkreis innerhalb von 24 Stunden gleich dreimal zu einem Großeinsatz ausrücken muss? Der stellvertretende Kreisbrandmeister Manuel Suhr hat für alle Verbraucher eine eindringliche Warnung parat.
Herr Suhr, drei Großeinsätze innerhalb von 24 Stunden hat die Feuerwehr im Kreis am Dienstag bewältigt. Kommen Sie da nicht an Ihre Grenzen?
Nein, würde ich nicht sagen. Die Feuerwehr im Kreis ist gut aufgestellt und erreicht ihre Leistungsgrenze nicht so bald. Zudem funktioniert im Ernstfall auch die Zusammenarbeit über die Kreisgrenzen hinweg hervorragend. Das haben wir ja gerade am Dienstag beim Einsatz in Renfrizhausen gesehen, wo uns die Kameraden aus Horb unterstützten.
Aber dass sich die Wohnungsbrände am Dienstag so gehäuft haben, muss Ihnen doch auch etwas seltsam vorkommen.
Ach, eigentlich gar nicht. Das gibt es einfach immer wieder mal, dass sich bestimmte Vorkommnisse an einem Tag wiederholen. Eine Tendenz, dass die Zahl der Wohnungsbrände zunehmen würde, können wir im Landkreis jedenfalls nicht beobachten. Was zugenommen hat, sind Alarmierungen, bei denen sich am Ende herausstellt, dass ein Essen auf dem Herd anbrennt.
Sind daran Rauchmelder schuld? Bedeuten die am Ende mehr Fluch als Segen für die Feuerwehr?
Absolut nicht. Man muss sich klar machen: Auch anbrennendes Essen auf dem Herd kann sich leicht zu einem Wohnungsbrand ausweiten. Die Rauchmelder-Pflicht hat sich aus unserer Sicht bewährt. Alarmieren Sie die Feuerwehr, wenn Sie aus der Nachbarwohnung einen Rauchmelder hören. Schlagen Sie lieber einmal zu oft Alarm als einmal zu wenig. Jeder sollte wissen: Man wird nicht belangt, wenn sich ein Notruf am Ende als Fehlalarm herausstellt. Da muss man sich keine Sorgen machen.
Der Brand in Sulz-Renfrizhausen wurde anscheinend von einem Handy-Akku ausgelöst. Den hat doch jeder zuhause. Muss ich auch Angst vor einem Wohnungsbrand haben?
Aus meiner Sicht sind Lithium-Ionen-Akkus tickende Zeitbomben! Wenn man fühlt, wie sich manche Akkus beim Laden erwärmen, lässt sich nachvollziehen, dass das unter Umständen gefährlich werden kann. Sorgsamer Umgang mit Akkus ist Pflicht. Aber darüber hinaus ist wirklicher Schutz vor den lauernden Gefahren schwierig. Insbesondere sollte man Handys oder andere Geräte mit Akku auf keinen Fall über Nacht auf dem Nachttisch laden – sondern besser in einem Vorraum, der durch einen Rauchmelder geschützt ist. So hört man im Brandfall den Alarm und hat ausreichend Zeit, sich noch in Sicherheit zu bringen.
Kommt es im Sommer öfter zu Wohnungsbränden? Oder passiert das eher im Winter, wenn Kerzen und Kamine entzündet werden?
Weder noch. Wohnungsbrände registrieren wir das ganze Jahr über. Auch die Ursachen für Wohnungsbrände sind ganz unterschiedlich. Mal ist es leichtsinniges Verhalten, mal ein technischer Defekt.
Drei Großeinsätze der Feuerwehr im Landkreis innerhalb eines Tages
Oberndorf
In einer Küche eines Mehrfamilienhauses gerät in der Nacht zu Dienstag ein Toaster in Brand. Die Feuerwehr rückt mit acht Fahrzeugen und 34 Einsatzkräften an und kann das Feuer schnell löschen. Bereits vor dem Eintreffen der Rettungskräfte hatten alle Bewohner das Haus verlassen. Sie mussten zur vorsorglichen Untersuchung vom Rettungsdienst ins Krankenhaus gebracht werden. Die 44-jährige Frau und ihr 20 Monate altes Kind , in deren Wohnung das Feuer ausgebrochen war, mussten in einer Notunterkunft übernachten.
Rottweil
Auf dem Balkon einer Wohnung im obersten Stockwerk in der Innenstadt bricht am Dienstagmittag ein Feuer aus und greift auf den Dachstuhl über. Eine Rauchsäule über Rottweil ist weithin zu sehen. Insgesamt 70 Feuerwehrleute bekämpfen den Brand unter Zuhilfenahme von Drehleiter und Hubbühne. Der Brand kommt schnell unter Kontrolle, der Sachschaden beträgt 150 000 Euro.
Sulz-Renfrizhausen
Ein Mehrfamilienhaus wird am Dienstagabend durch einen Brand komplett zerstört. Offenbar hatte ein Handy-Akku das Feuer ausgelöst. Weil durch den Brand eine Gasflasche explodierte, erfassten die Flammen sehr schnell das ganze Haus. Eine Frau muss mit Verbrennungen ins Krankenhaus, die sie sich bei einem Löschversuch zugezogen hatte. 75 Feuerwehrkameraden mit 20 Fahrzeugen, darunter auch Kräfte aus Horb sind im Einsatz.