Nach der Holzernteaktion bei Unterreichenbach liegen an den teils steilen des Nagoldtals neben der B 463 Bäume kreuz und quer herum. Das erinnert an das Spiel Mikado. Foto: Verena Parage

Wegen einer Mammut-Holzernte-Aktion von ForstBW war die B 463 bei Unterreichenbach wochenlang gesperrt. Jetzt warten die Stämme auf den Abtransport. Doch offenbar nicht alle: Warum?

Fast sechs Wochen lang dauerte die Sperrung der Bundesstraße 463 zwischen Unterreichenbach und Pforzheim-Dillweißenstein. Zwischen Ende Oktober und Anfang Dezember 2025 fand dort die größte Holzerntemaßnahme seit etwa 25 Jahren statt. Auch wenn die Aktion längst vorbei ist, sind die Spuren noch deutlich zu sehen.

 

Entlang der Strecke sitzen immer wieder große Stapel mit Holzstämmen. Vor allem aber: An den steilen Hängen des Nagoldtals liegen viele gefällte Bäume kreuz und quer im Wald, fast wie bei dem Spiel Mikado. Da stellt sich die Frage: Bleibt das so? Und besteht keine Gefahr, dass sie auf die Bundesstraße stürzen? Denn Anlass für die Mammut-Aktion war ja gerade die Verkehrssicherheit.

Entlang der B 463 hatten sich zahlreiche Bäume in Richtung Straße geneigt und drohten, umzufallen. Die Trockenheit der vergangenen Jahre hatte ihnen zu schaffen gemacht. Vor allem Buchen wiesen Trockenschäden auf. So bestand auch die Gefahr, dass Totholz aus den Baumkronen auf die Straße stürzen könnten.

Holzeinschlag beläuft sich auf 10 000 Festmeter

10 000 Festmeter Holz wurden bei der Holzernte-Aktion in Summe geerntet, berichtet Carina Deuble nun auf Nachfrage. Sie ist für Forst Baden-Württemberg im Forstbezirk Nordschwarzwald tätig und unter anderem für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Verantwortlich für die Holzernte entlang der B 463 und im angrenzenden Staatswald ist ForstBW.

Vieles von dem Holz, das geerntet wurde, wird verkauft – „an Kunden in Deutschland, überwiegend jedoch an regionale Sägewerke“, erklärt Deuble. Der Parkplatz an der Nagoldbrücke – kurz nach Unterreichenbach, in Fahrtrichtung Pforzheim – ist voll mit dem geernteten Holz.

Das im Nagoldtal zwischen Unterreichenbach und Pforzheim-Dillweißenstein gefällte Holz wartet auf den Abtransport. Foto: Thomas Fritsch

„Wie lange das Holz liegt, hängt auch immer vom aktuellen Bedarf des Kunden und vom Holzsortiment ab“, erklärt Deuble. Wobei die Kunden demnach darauf bedacht sind, das Holz nach Kauf zügig abzutransportieren.

„Unser Ziel ist es, dass bis zum Frühjahr das Holz abgefahren ist.“ Das meiste Holz sei Bauholz/Baumarktware gewesen sowie Industrieholz für Spannplatten-, Paletten- oder Papierherstellung.

Manche Bäume müssen im Wald bleiben

Allerdings werden nicht die gesamten 10 000 Festmeter Holz verkauft und damit abgefahren. Ein Teil der gefällten Bäume verbleibt laut Deuble im Wald als Totholz. Das sind die Stämme, die mikadomäßig kreuz und quer im Wald entlang der Bundesstraße liegen – auch an steilen Hängen. Dazu erklärt Carina Deuble, dass dieses Holz vor allem in sogenannten Waldrefugien, aus denen Holz nicht entnommen werden darf, liegen.

„Falls Bäume in diesen Waldrefugien die Verkehrssicherheit der Straße gefährden, werden diese Bäume in den Wald gefällt und bleiben dort als ökologisch wertvolles Totholz liegen.“ Gleichzeitig hätten die liegenden Stämme eine weitere Funktion: Sie sollen herabrollende Steine auffangen.

Dass die gefällten Bäume selbst eine Gefahr für den Verkehr auf der B 463 darstellen könnten, ist laut ForstBW nicht der Fall. „Die Stämme wurden so gefällt und liegengelassen, dass keine Gefahr besteht“, erklärt Carina Deuble. Das erklärt das Mikadospiel im Nagoldtal.