Wer wird als Ortschaftsrat ins Dettinger Rathaus einziehen? Noch ist diese Frage nicht eindeutig geklärt. Foto: Florian Ganswind

Wird die mangels Kandidaten „Wilde Wahl“ des Dettenseer Ortschaftsrats letztlich ein Erfolg für den Ort? Der noch amtierende Ortsvorsteher Tobias Hellstern sieht viele gute Vorschläge auf der vorläufigen Liste der zukünftigen Ortschaftsräte.

Es ist eine Wahl, die sogar deutschlandweit Beachtung gefunden hat. Die Ortschaftsratswahl in Horb-Dettensee war ein Thema für Tagesschau.de.

 

SWR-Fernsehen schaute in Dettensee am Wahlsonntag vorbei. So viel Aufsehen hatte der kleine Stadtteil von Horb wohl noch nie.

Insgesamt 152 Personen haben die Wähler in dem knapp 600 Einwohner kleinen Horber Ortsteil Dettensee auf ihre leeren Wahlzettel geschrieben. Grund für die leeren Wahlzettel war, dass es keine Kandidaten gab, die sich in den Ortschaftsrat wählen lassen wollten.

Wieso keine Kandidaten auf der Liste standen Aktuell ist Tobias Hellstern Ortsvorsteher in Dettensee. Er erklärt den Grund für das mangelnde Interesse und die fehlenden Kandidaten: „Wenn etwas schlecht läuft, bekommt es immer der Ortschaftsrat und der Ortsvorsteher ab.“ Für viele Aufgaben habe der Ortschaftsrat aber einfach nicht die Möglichkeiten. Auch fehle die Unterstützung aus Horb. So warte der Dettenseer Ortschaftsrat beispielsweise seit einem Jahr vergeblich auf eine Antwort der Stadt bezüglich der Finanzierbarkeit einer Wegesanierung.

Tobias Hellstern zeigt sich optimistisch, aber ist gibt noch Unsicherheiten Trotz des Frusts in Dettensee gibt es Hoffnung auf einen engagierten Ortschaftsrat. Hellstern berichtet, wie es ihm selbst mit der Wahl ging: „Es war gut, sich darüber Gedanken zu machen, wen man für den Ortschaftsrat vorschlagen könnte. Unter den Top 20 auf der Liste sehe ich keinen, bei dem ich sagen würde, dass das gar nicht gehen würde.“

Gewählt sind aber nicht automatisch die ersten sieben Kandidaten, die nach der Auszählung oben auf der vorläufigen Liste stehen. „Zwei von ihnen waren schon zehn Jahre im Ortschaftsrat“, nennt Hellstern ein Beispiel. Dieser Umstand wird als Grund anerkannt, die Wahl nicht mehr annehmen zu müssen. Ansonsten gebe es allerdings nur wenige Gründe, die Wahl nicht annehmen zu müssen. Dazu gehören laut Hellstern eine Anstellung bei der Stadt, längere berufliche Abwesenheiten, die Pflege von Angehörigen oder ein Alter von über 62 Jahren.

Selbst familiäre oder verwandtschaftliche Beziehungen seien im Ortschaftsrat kein Problem mehr. „Auch Geschwister oder Vater und Sohn dürfen gemeinsam im Ortschaftsrat sein“, sagt Hellstern.

Aktuell kläre die Stadt ab, welche Kandidaten wählbar sind und die Wahl annehmen. „Ich gehe davon aus, dass wir bis Ende nächster Woche über das endgültige Ergebnis Bescheid wissen“, sagt Hellstern.

So hat Dettensee gewählt Die vorläufig gewählten sieben Kandidaten mit den meisten Stimmen sind laut Auszählung der Stadt (Stimmenzahl in Klammern): Tobias Hellstern (154), Simon Ruben Kreidler (131), Frank Bernhardt (99), Markus Hübl (73), Axel Hoffmann (46), Thomas Schlotter (41) und Marian Luis Kreidler (40). Von diesen sieben sind bereits fünf vorher im Ortschaftsrat gewesen. Ein klares Signal der Bevölkerung, dass sie mit dem Engagement ihres Orts-Gremiums einverstanden sind. Neue Ortschaftsräte wären nach dieser Liste Axel Hoffmann und Marian Kreidler, der schon ein gutes Ergebnis für die Gemeinderatswahl erzielen konnte, allerdings dann nicht für die OGL einzog.

Doch wer könnte folgen, wenn einer oder mehrere Gewählte berechtigte Gründe haben, die Wahl abzulehnen? Ein Problemfall ist schon der folgende Name: Thomas Fischer (37 Stimmen). Denn in Dettensee gibt es zwei Thomas Fischer – und nicht jeder Wähler hat die Wohnadresse aufgeschrieben, um eine klare Zuordnung möglich zu machen. Der eine Thomas Fischer ist bereits im Ortschaftsrat. Doch er könnte Pech haben, dass sein Ergebnis nicht gezählt werden kann. Die nächste Kandidatin wäre dann Silke Traub (35), gefolgt von Tim Brendle (31) und Jochen Fischer (27). Oder rückt doch sogar noch derjenige mit den nächsthöchsten Stimmen auf: AfD-Mann Uwe Hellstern mit 23 Stimmen? Er wohnt ebenfalls in Dettensee.

Hohe Wahlbeteiligung spricht für eine „wilde Wahl“ Übrigens: Die Wahlbeteiligung für die Wahl zum Dettenseer Ortschaftsrat lag bei 68,4 Prozent, was 312 Wählern entspricht. Sie lag also höher als die Wahlbeteiligung bei der Gemeinderatswahl mit 61, 3 Prozent. Gültig waren in Dettensee 252 Stimmzettel, 60 Zettel waren ungültig.