Den Fischmarkt wird es auf dem Karlsplatz wohl weiter geben Foto: Leif Piechowski

Vielleicht kann Fischmarkt-Original Aale-Dieter die Streithähne mit seinem Organ disziplinieren. Denn der schwäbisch-hanseatische Zwist um das Stuttgarter Weindorf in Hamburg spitzt sich zu.

Stuttgart - Vielleicht muss mal einer laut dazwischengehen. Vielleicht kann Fischmarkt-Original Aale-Dieter die Streithähne mit seinem Organ disziplinieren. Denn der schwäbisch-hanseatische Zwist um das Stuttgarter Weindorf in Hamburg spitzt sich zu und bleibt nicht ohne Folgen für den Hamburger Fischmarkt in Stuttgart. Finanzbürgermeister Michael Föll dreht nach der Absage der Viertelessause an der Waterkant an der Gebührenschraube. Schon für die nächste Auflage im Juli will die Stadt der Fischmarkt-Veranstalterin WAGS Hamburg Events GmbH eine entsprechende Rechnung präsentieren. Als Reaktion auf die massive Mieteforderung an die Weindorf-Wirte für die Nutzung des Rathausmarkts?

Dass Stuttgart Hamburg die Freundschaft aufkündigt, wie gestern der Boulevard titelte, ist wohl übertrieben. Die Bezeichnung atmosphärische Störungen trifft den Zustand der Beziehung der beiden Städte wohl eher, wenn eine 30 Jahre währende Partnerschaft Risse bekommt. Das Weindorf in Hamburg ist vorerst Geschichte, weil die Hansestadt künftig für die komplette Spielzeit 125 000 Euro statt 46 000 Euro Nutzungsentgelt für den Rathausmarkt verlangt.

Gebühren sollen sachlich geprüft werden

Der Fischmarkt wird in Stuttgart wohl weiter stattfinden, aber eben zu anderen ­Bedingungen. Genauer: Aale-Dieter und Co. müssen für ihre Fischverkaufsshow auf dem Karlsplatz künftig Miete bezahlen. Bürgermeister Föll werde „sachlich durchrechnen, was für die Sondernutzung zu bezahlen ist“, so ein Sprecher der Stadt. Dem WAGS-Geschäftsführer Wilfried Thal werde voraussichtlich Mitte März ein Vorschlag unterbreitet. Auch wenn es für manche so wirken mag, will die Stadt dies nicht als Retourkutsche verstanden wissen.

Stuttgarts Fischmarkt-Fans dürfen zumindest hoffen, dass auf dem Karlsplatz weiterhin Nordlichter hanseatische Lebensart zelebrieren. Wilfried Thal rechnet damit, „dass die Kosten angemessen sein werden“. Aufgebracht über das Behördenverhalten in seiner Heimatstadt, sieht er den Fischmarkt im Schwäbischen nicht in Gefahr.

Eigentümer des Karlsplatzes ist das Land Baden-Württemberg, der Stadt ist der Platz neben dem Alten Schloss per Vertrag zur ­Bewirtschaftung und Pflege überlassen. Verantwortlich ist die städtische Tochtergesellschaft Märkte Stuttgart. Angaben darüber, was Nutzer wie etwa die Flohmarktveranstalter als Platzmiete bezahlen, wollte die Stadt am Donnerstag nicht machen. Die Weindorf-Veranstalter wiederum bezahlen für die Nutzung des Markt- und Schillerplatzes „3,30 Euro pro Quadratmeter beanspruchter Straßenfläche“, so der Stadtsprecher. In Hamburg zahlen Nutzer des Rathausmarkts 1,70 Euro pro Quadratmeter.

Der Abgang der Stuttgarter Wengerter und Wirte hat in Hamburg derweil eine politische Debatte entfacht. Das „Hamburger Abendblatt“ zitiert einen Grünen-Vertreter aus dem Stadtparlament, der Hamburger Bürgerschaft, mit den Worten: „Eigentlich schulden uns die Schwaben sogar noch was“ – dafür nämlich, dass das Weindorf den Rathausmarkt 30 Jahre lang zu vergünstigten Bedingungen habe nutzen dürfen. Die Hamburger FDP sprach sich hingegen dafür aus, der Regierende Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) möge den Streit schlichten. Aale-Dieter würde sicher mithelfen.