Gibt es eine weitere Coronaschule im Landkreis Rottweil? Foto: imago images/ZUMA Wire/Luka Dakskobler

Nachdem Anfang Dezember bekannt wurde, dass die Eltern von fünf Zweitklässlern in Waldmössingen ihre Kinder Zuhause unterrichten, weil sie die Maskenpflicht ablehnen, war der Aufschrei groß. Jetzt gibt es Hinweise auf einen ähnlichen Fall einer solchen "Corona-Schule" im Neckartal in Rottweil

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Rottweil - Ein Informant, der nicht genannt werden möchte, erzählt unserer Redaktion von Beobachtungen, die Hinweise auf eine weitere "Corona-Schule" im Landkreis geben. Seit längerer Zeit – mindestens vier Wochen – sollen regelmäßig gegen 12.30 Uhr Kinder im Grundschulalter aus einem Gebäude am Ende des Rottweiler Gewerbegebietes Neckartal von ihren Eltern abgeholt werden. Den Verdacht erhärtet die Tatsache, dass die Kinder bepackt mit Schulranzen das Haus verlassen und sich anschließend auf den Weg zur nahegelegenen Bushaltestelle machen. Ein typischer Schulalltag – auch in Corona-Zeiten. Die Uhrzeit passt ebenfalls mit denen des üblichen Glockenschlags überein.

Klassenraum-Atmosphäre

Weiteres Indiz: An den Fenstern – aber nur an denen, die nicht zur Straße gerichtet sind – sollen bunte Bilder für eine Schulatmosphäre sorgen. Wie in einem typischen Klassenzimmer einer Grundschule. Der Informant möchte auch gesehen haben, wie eine Frau durch den Raum geht und spricht. Ein weiterer Hinweis, dass tatsächlich Unterricht in dem Gebäude gegeben wird.

Viele dieser geschilderten Umstände zeigen Parallelen zu der deutschlandweit bekannten "Corona-Schule" in Waldmössingen auf. Sogar die "Taz" aus Berlin hat mittlerweile über den Aufreger berichtet. Der Auslöser dort: Eltern, die sich weigern, dass ihre Kinder in der Schule einen Mund-Nase-Schutz tragen und sich regelmäßig auf das Coronavirus testen lassen müssen. Bereits seit Schuljahresbeginn bleiben die fünf Zweitklässler deshalb vom Schulbetrieb fern und werden isoliert von ihrer Klasse von ihren Eltern unterrichtet. Ein Bußgeldverfahren wegen der Verletzung der Schulpflicht läuft. Die Kinder gehen laut dem Regierungspräsidium Freiburg aber weiter nicht zur Schule.

Landratsamt weiß von nichts

Was sagen die Behörden zum Rottweiler Fall? Brigitte Stein, Pressesprecherin des Landratamtes, weiß nichts von einer Corona-Schule und spielt den Ball an die Stadtverwaltung in Rottweil weiter. "Wir sind nur für die beruflichen und sonderpädagogischen Schulen verantwortlich", erklärt Stein. Bei den beschriebenen Kindern handele es sich höchstwahrscheinlich aber um Grundschüler. Für diese sei die Stadt als Schulträger verantwortlich.

Ebenfalls unwissend ist Susanne Cortinovis-Piel vom Staatlichen Schulamt in Donaueschingen. Auf Nachfrage unserer Redaktion heißt es: "Ein Antrag auf Einrichtung einer Ersatzschule wurde gegenüber der Schulaufsichtsbehörde weder gestellt noch genehmigt." Sie regt an, dass die Schule, bei denen die Kinder im Unterricht erscheinen müssten, überprüfen sollte, ob ein Attest vorliegt oder ob die Kinder unentschuldigt fehlen. Schließlich müsse es der entsprechenden Bildungseinrichtung auffallen, sollten über Wochen oder gar Monate hinweg, Kinder nicht am Unterricht teilnehmen. "Dann müsste die Schulleitung Kontakt mit den Eltern aufnehmen", berichtet Cortinovis-Piel weiter.

Lassen die Eltern mit sich reden?

Fraglich ist aber, ob die Eltern überhaupt mit sich reden lassen – sollte es sich um Corona-Leugner oder gar Querdenker handeln. Der Tonfall vor der potenziellen "Corona-Schule" in Rottweil soll äußerst rau sein, so der Informant weiter.

Bei der Stadtverwaltung ist der Fall seit Montag bekannt. Bürgermeister Christian Ruf bestätigt auf Anfrage, dass mehrere Kinder in einem Gebäude im Gewerbegebiet Neckartal unterrichtet werden. Wie ist der Fall zu ahnden? "Wenn Kinder die Schule nicht besuchen, liegt ein Verstoß gegen die Schulpflicht vor. Gleichzeitig wäre auch das Staatliche Schulamt, also das Regierungspräsidium Freiburg zu informieren; ebenso das Jugendamt." Zum weiteren Vorgehen der Stadtverwaltung äußert sich Ruf nicht.

Keine Auffälligkeiten

Aufgefallen sei das permanente Schulschwänzen aber noch nicht. Ruf verweist auf die hohe Anzahl an Schülern in Rottweil – Summa Summarum 8000 Kinder. Weiter erklärt der Bürgermeister: "Naturgemäß gibt es bei Schülern auch Fehlzeiten aufgrund von Krankheit. Ob in Einzelfällen ein Zusammenhang besteht, kann nicht beurteilt werden." Den Schulleitern sei nichts aufgefallen.

Es bleibt spannend, ob sich der Verdacht bestätigt. Unsere Redaktion bleibt an dem Fall dran.