Ein Wolf soll einen Mann und dessen Hund beim Spaziergang in der Nähe von Bühl (Kreis Rastatt) verfolgt haben. Ein Experte erklärt, wie sich Spaziergänger in so einer Situation verhalten sollten.
Etwa eine Viertelstunde habe der Wolf den Mann und seinen Hund verfolgt - immer mit einem Abstand von 100 bis 150 Metern. So berichtet es der Radiosender SWR3 auf seiner Webseite.
Als der Spaziergänger auf das Tier zulief, drehte es um, blieb aber in Sichtweite, heißt es weiter in dem Bericht. Doch ist dieses Verhalten für Wölfe typisch? Müssen Spaziergänger vorsichtig sein? Und wie sollten sie sich verhalten, wenn sie tatsächlich einem Wolf begegnen?
Alle Antworten auf diese Fragen kennt Christopher Schmidt. Er ist der Pressesprecher der Stiftung für Bären im Alternativen Wolf- und Bärenpark in Worbis (Thüringen) und Bad Rippoldsau-Schapbach.
„In der Regel meidet der Wolf den Menschen. Aber einen Hund könnte er durchaus als Eindringling in seinem Revier wahrnehmen“, erklärt Schmidt. Natürlich sei es da nachvollziehbar, dass sich das Wildtier das genauer ansieht. „Wenn bei uns jemand vor dem Haus auf unserem Hof steht, gucken wir ja auch“, vergleicht der Pressesprecher die Situation.
Hund könnte als Eindringling und Konkurrent wahrgenommen werden
Der Wolf wisse außerdem ja nicht, dass der Hund im Wald im Gegensatz zu ihm keine Nahrung sucht und könne ihn auch in Bezug darauf als Konkurrenten wahrnehmen, erklärt Schmidt weiter. Vor allem junge Wölfe, die alleine unterwegs sind und sich neue Reviere suchen, seien natürlich neugierig.
Dennoch seien die Tiere von Natur aus eher scheu und zurückhaltend. Es gebe sogar Studien, die belegen, dass Wölfe selbst in für sie extremen Momenten lieber Abstand halten. Für Menschen stellen sie laut Schmidt keine Bedrohung dar: „Ein Wolf würde sich nie grundlos in irgendeinen Konflikt stürzen. Wir Menschen sind für ihn auch einfach riesengroß. Auch das schreckt ihn ab.“
So sollte man sich bei einer Wolfsbegegnung verhalten
Deshalb sollten Spaziergänger, die einem Wolf begegnen, Ruhe bewahren. Hunde sollten angeleint und abrufbar sein. Außerdem sollen sich Spaziergänger bemerkbar machen - ein lautes Pfeifen oder Klatschen sorge in der Regel auch dafür, dass sich das Wildtier eher zurückzieht, weiß Schmidt. Unter keinen Umständen solle man den Wolf mit Futter anlocken. Vor allem im Zusammenspiel mit einem Hund könne das gefährlich werden. Auch wegrennen sei nicht ratsam, weil das den Jagdtrieb des Wolfes entfachen könne.
Sichtet man einen Wolf, empfiehlt er dies unbedingt zu melden. „So können die Behörden einfach nachvollziehen, wo ein Wolf gerade ist und möglicherweise sein neues Revier bezieht.“ Auch wenn man sich nicht sicher sei, hält Schmidt dies für sinnvoll.
Übrigens sei es nicht untypisch, einen Wolf eher auf einem Feldweg anzutreffen, als im Gebüsch. Dort verstecke er sich vielleicht zwar, aber auch er wähle eher den angenehmeren Weg: „Durch das Gebüsch zu kriechen, ist auch für einen Wolf anstrengend. Er muss seine Energie sparen, weil er ja auch nicht weiß, wann er das nächste Mal etwas zum Fressen bekommt.
Läufige Hündinnen können das Interesse des Wolfes wecken
Dass auch eine läufige Hündin das Interesse eines Wolfes auf sich ziehen könnte, sei nicht unwahrscheinlich. „Es gab schon Verpaarungen zwischen Wölfen und Hunden“, weiß der Sprecher der Stiftung für Bären. „In der Regel ist es allerdings andersrum: Hunde haben eher Interesse an einer Wölfin, weil die Rüden das ganze Jahr über aktiv sind.“ Wolfs-Rüden seien hingegen nur in der Ranzzeit aktiv - das ist die Paarungszeit bei Wölfen. „Aber in dieser Zeit kann man es auch nicht ausschließen, dass sich ein männlicher Wolf für eine Hündin interessiert“, meint Schmidt.
Grundsätzlich dürfe man nicht vergessen, dass der Wald schlichtweg der Lebensraum der Wölfe und vieler anderer Tiere ist. „Wir teilen uns ihn mit diesen Tieren. Und auch der Wolf ist einfach sehr wichtig für unser Ökosystem und für den Ausgleich zwischen Greifern und Beutetieren“, sagt Schmidt. So werden Populationsgrößen reguliert und ein ökologisches Gleichgewicht aufrechterhalten. „Der Wolf hätte nie ausgerottet werden sollen und dass er jetzt wieder zurück ist, ist etwas Positives. Wir müssen lernen, mit diesen Wildtieren zusammenzuleben - wie wir auch mit Gewitter und Regen leben müssen, ohne das würde unsere Welt auch nicht funktionieren.“
Weitere Informationen
Wer einen Wolf sichtet, sollte das der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt (FVA) in Freiburg melden. Das geht telefonisch unter 0761/4018-274 (täglich von 8 bis 18 Uhr, auch am Wochenende und an Feiertagen) oder per E-Mail an info@wildtiermonitoring.de.