Zahlreiche Stadträte und die gesamte Verwaltungsspitze waren am Dienstagabend beim Infoabend in der Walther-Groz-Schule gewesen – und schockiert über die Störer der Veranstaltung. Foto: Eyrich

Geschlossen hat der Gemeinderat die rechten Hassparolen gegen die geplante Unterbringung von Geflüchteten in Ebingen verurteilt.

In schockierte Gesichter hat Oberbürgermeister Roland Tralmer geblickt, als er den Stadträten am Donnerstag vom Anschlag auf die Kreissporthalle berichtete und ihnen für die Präsenz am Infoabend dankte, an dem er und Landrat Günther-Martin Pauli Anwohner und die Schulfamilie der Walther-Groz-Schule über die eventuelle Unterbringung Geflüchteter dort informiert hatten.

„Ich freue mich, dass der Aufruf, Albstadt zu einem ‘Killer II‘ zu machen, gescheitert ist“, sagte Tralmer mit Blick auf die Weigerung in Burladingen, im Stadtteil Flüchtlinge unterzubringen. Dass auch die Störer gescheitert seien, sei das Verdienst all jener, „die nach wie vor erreichbar sind für sachliche Argumente“. Dass Albstadt Flüchtlinge aufnehmen werde, sei sicher, auch wenn er zuversichtlich sei, die Inanspruchnahme der Halle noch abwenden zu können.

„Sie kommen aus Not und haben offene Ohren und Herzen verdient.“

„Das unterscheidet uns von der Burladinger Politik“, sagte Tralmer und forderte erneut die Solidarität aller Gemeinden im Zollernalbkreis, sich „im Rahmen der bestehenden Rechtsordnung“ dieser Aufgabe zu stellen. An die Stadträte appellierte er, sich den Flüchtlingen vorurteilsfrei zu nähern: „Sie kommen aus Not und haben offene Ohren und Herzen verdient.“ Die Migrationspolitik des Bundes sei keine Ausrede dafür, „menschenverachtende Parolen zu verbreiten“. Rechtswidriges Verhalten von Extremisten gegen Geflüchtete werde er nicht dulden.

Baldauf: Das Feld nicht den Extremisten überlassen

Die Diskussion nicht Extremisten zu überlassen, forderte Olaf Baldauf (CDU) und dankte den Meßstettern, die „diese Last für uns gepuffert haben“: Die dortige Kaserne war drei Jahre lang Landeserstaufnahmestelle und ist derzeit ein Ankunftszentrum Ukraine, wodurch lange nur wenige Flüchtlinge in den Gemeinden untergebracht werden mussten.

Manuela Heider, Fraktionschefin der Freien Wähler, zeigte sich „erschrocken, wie schnell nach den Corona-Einschränkungen“ nun das Flüchtlingsthema „instrumentalisiert wird“, sagte sie mit Blick auf die Kundgebung der „Sonntagsspaziergänger“ und den Infoabend, der gezeigt habe, wie viele falsche Informationen im Vorfeld gestreut worden seien.

Sabrina Hipp: „Wir müssen Netzwerke bilden“

Sabrina Hipp (Bündnis ’90/Die Grünen) betonte, dass es angesichts der vielen Engagierten – Arbeitskreis Asyl, Integrationsbüro und Vereine – möglich sein müsse, 100 Flüchtlinge in einer 46 000-Einwohner-Stadt unterzubringen. Ziel sei es, Netzwerke zu bilden aus Haupt- und Ehrenamtlichen, auch damit die Ankommenden schnell die Sprache lernten. Stellen im Integrations- und Migrationsbereich bei der Verwaltung dürften „nicht immer befristet“ werden. Pauli und Tralmer dankte sie, dass sie „dezentrale Unterbringung befürworten“.

„Nicht die Albstädter, sondern die Flüchtlinge müssen Angst haben“

Martin Frohme (SPD) zitierte aus einer Nachricht einer Infoabend-Teilnehmerin, die sich für einige ihrer Albstädter Mitbürger geschämt habe und betont hatte, nicht sie müssten Angst vor Flüchtlingen haben – vielmehr sei es umgekehrt.

Elke Rapthel (Z.U.G.) unterstrich das durch ihre Erfahrungen als Teilnehmerin der Gegendemonstration am Sonntag: „Es war hartes Brot“, sagte sie und sprach davon, dass Ängste geschürt würden. Den Infoabend hätten „viele Burladinger und überörtliche AfDler“ genutzt, um zu hetzen – und vielleicht „perspektivisch eine Liste für die Kommunalwahl zusammenzustellen“.