Die Nerven lagen am Montag komplett blank: Die neue Ampel, die den Verkehr über die Autobahnbrücke zwischen Schuttern und Kürzell regeln soll, war ausgefallen. Das Regierungspräsidium teilte mit, dass eine unbekannte Person ein Kabel durchtrennt wurde. Sollte dies erneut passieren, müsste die Landstraße 118 aus Gründen der Verkehrssicherheit komplett gesperrt werden. Foto: Bohnert-Seidel

Das Verkehrschaos, das sich seit Einrichtung der neuen Wegeführung über die Brücke bei der L118, ereignete, hat unzählige Bürger verärgert. Das Regierungspräsidium reagierte – Unmut besteht bei Bürgern aber noch immer.

Schuttern/Kürzell - Es war das Chaos schlechthin: Bereits am ersten Tag, an dem die Ampel bei der Autobahnbrücke zwischen Schuttern und Kürzell neu eingerichtet wurde, hatte diese zu Rückstau bis zum Teil in die Dörfer hinein geführt. Verärgerte Bürger meldeten sich umgehend bei der Gemeinde, beim Regierungspräsidium (RP) und auch bei unserer Redaktion. Umgehend reagierte die zuständige Behörde: Am Folgetag wurde eine Nachjustierung der Ampel sowie eine Sperrung der Ein- und Ausfahrt für jeden Verkehr auf das Flughafengelände an der L 118 in die Wege geleitet.

Dann kam es noch dicker: Am Feiertag, 3. Oktober, ist die Ampel komplett ausgefallen. Losfahren war demnach mit einem großen Risiko verbunden, Gegenverkehr zu begegnen – und das war auch oft der Fall. Ausweichen war nur schwer möglich, Autos mussten zum Teil den Rückwärtsgang einlegen. Auf der Brücke standen sich immer wieder Fahrzeuge gegenüber – die Nerven lagen blank.

Die Anlaufschwierigkeiten seien nun weitgehend behoben, so das RP in einer Mitteilung. Außerdem gibt die Behörde bekannt, dass die Ampelsteuerung am Montag ausgefallen ist, "da von einer unbekannten Person ein Kabel abgetrennt wurde". Im Rahmen der Reparatur konnte ein bis dahin fehlender Verkehrsdetektor nachgerüstet werden.

Sollte Ampel erneut beschädigt werden, wird Straße voll gesperrt

Damit sei das Programm zur Steuerung des Verkehrs am Montag wie ursprünglich vorgesehen in Betrieb gegangen. "Jetzt ist sichergestellt, dass im Regelfall alle wartenden Fahrzeuge während einer Grünphase die Brücke über die Autobahn passieren können", heißt es aus dem RP. Die Wartezeiten hätten sich dadurch erheblich verkürzt.

Darüber hinaus habe die beauftragte Firma am Donnerstag bislang fehlende Markierungen aufgebracht. Die Ampelanlage würde regelmäßig von der Baufirma auf Vollständigkeit und Funktionsfähigkeit überprüft. "Sollte es erneut zu Beschädigungen kommen und die Anlage wieder ausfallen, werde aus Gründen der Verkehrssicherheit eine Vollsperrung der Straße notwendig", appelliert die Behörde.

Erneut waren beteiligte Vertreter am Donnerstag vor Ort und haben die Situation für landwirtschaftliche Fahrzeuge an der Einmündung auf Höhe des Sportplatzes in Kürzell begutachtet. "Ein Test mit einem großen landwirtschaftlichen Fahrzeug brachte das Ergebnis, dass in diesem Kreuzungsbereich noch ein Ampelmast versetzt werden muss, der derzeit den Fahrtweg großer Fahrzeuge behindert". Darüber hinaus soll die Passage für Fußgänger und Radfahrer besser markiert werden. Diese Arbeiten sollen im Laufe der nächsten Woche erfolgen. Bis dahin muss die Zufahrt des landwirtschaftlichen Weges aus Sicherheitsgründen gesperrt werden.

Was gilt für Rechts- und was für Linksabbieger?

Wie das RP weiter mitteilt, bestehe offenbar bei manchen Verkehrsteilnehmern, die vom Sportplatz Kürzell her kommend nach rechts in Richtung Kürzell abbiegen wollen, Unsicherheit bezüglich des korrekten Verkehrsverhaltens. "An dieser Stelle ist das Rechtsabbiegen erlaubt", so die Behörde. Die rote Ampel mit dem Pfeil in Fahrtrichtung Meißenheim gelte nur für Linksabbieger. Diese dürfen erst fahren, wenn der Signalgeber auf dunkel stellt.

Das RP bedauert erneut den unglücklichen Start des Verkehrsversuchs und bedankt sich für die Geduld der Verkehrsteilnehmer. Erfreulicherweise habe sich beim Vor-Ort-Termin am Donnerstag gezeigt, dass sich Radfahrer und Fußgänger über den neuen sicheren Weg freuten. Mit den Gemeinden Friesenheim und Meißenheim vereinbarte das RP eine Zwischenevaluation des Verkehrsversuchs mit allen beteiligten Behörden.

Beim Verkehrsversuch wurde auf der Brücke zwischen Schuttern und Kürzell eine Spur der L 118 für den Kfz-Verkehr gesperrt und für den Fußgänger- und Radverkehr freigegeben. Ziel des Verkehrsversuchs ist es, kurzfristig einen Lückenschluss für die regionale Radverbindung zwischen Meißenheim und Friesenheim herzustellen und den Radfahrern mehr Sicherheit bieten.

Bürger weiterhin verärgert

"So plant man keinen Radweg über eine Autobahnbrücke zu Lasten des Kfz-Verkehrs mit einer Ampelregelung. Man kann als Verkehrsteilnehmer nur den Kopf schütteln und es nicht länger hinnehmen", macht Meinrad Maier, Hoch-und Tiefbautechniker aus Meißenheim gegenüber unserer Redaktion seinem Ärger Luft. Er hat nun einen Brief an das Regierungspräsidium versandt, er sei ein Mann der Taten. "Muss ein Radfahrer oder Fußgänger plötzlich ausweichen, befindet er sich in der Fahrbahn für alle Kfz-Fahrzeuge oder wird an die aufgestellten Betontrennteile der Fahrbahn gedrückt", moniert er unter anderem im Schreiben. Die Verkehrsführung verstoße grob fahrlässig gegen die Straßenverkehrsordnung. Bedenken habe Maier auch hinsichtlich der Absturzsicherung im Verlauf zum Geh- und Radweg und er fordert das RP auf, einen Prüfstatiker zu beauftragen, der die einseitige Belastung der Brücke nochmals unter die Lupe nimmt.