Im Lahrer Stadtteil wird weiter gekickt – unter neuem Namen: Auf den Fußballverein soll der Fußballclub folgen. Eine Neugründung ist bereits terminiert. Wie es mit dem insolventen Verein weitergeht, ist offen.
„Das sind sehr gute Nachrichten für unser Dorf“, erklärte eine hörbar erleichterte Ortsvorsteherin Annerose Deusch am Montag im Gespräch mit der LZ. Sie selbst trägt keinen kleinen Anteil daran, dass das moderne Sportgelände in den Limbruchmatten nicht verwaist. „Frau Deusch hat sich zusammen mit Harry Ott, unserem Abteilungsleiter Bildung und Sport, zuletzt stark engagiert. Die Stadt Lahr ist froh, dass die Jugendarbeit in Langenwinkel weitergeht“, sagt der zuständige Bürgermeister Guido Schöneboom.
Bekannte Kandidaten für neuen Vorstand
Laut Deusch hat sich „eine Gruppe von sieben bis zehn Personen“ gefunden, die sich bereit erklärt habe, einen neuen Verein aus der Taufe zu heben. Künftig soll unter dem Namen FC Langenwinkel gekickt werden, der FV Langenwinkel wäre damit zumindest auf den Sportplätzen der Region passé. Die Kandidaten für den Vorstand, der am 7. Mai gewählt werden soll, sind keine unbekannten. „Viele sind schon seit Jahren bei uns im Nachwuchsbereich engagiert“, sagt Deusch.
Die jetzt angepeilte Neugründung hat eine lange, unschöne Vorgeschichte. Wie mehrfach berichtet, hatte sich der FV Langenwinkel um dessen damaligen Vorsitzenden Anton Dahinten in den vergangenen Jahren heftig mit dem Rathaus verkracht. Im Fokus stand die Frage, wer die Mehrkosten, die beim Bau des 2020 eingeweihten neuen Sportplatzes entstanden waren, übernimmt; rund 140 000 Euro forderte der FVL als Bauherr von der Stadt als Eigentümerin. Zwischenzeitlich kündigte Dahinten sogar eine Klage an. Tatsächlich erklärte er den Verein für pleite und trat zurück.
Nichts Neues zur Insolvenz
Zum Stand der Insolvenz, die seit dem 5. Februar diesen Jahres am Offenburger Amtsgericht anhängig ist, wissen weder Deusch noch Schöneboom etwas Neues zu berichten. „Offenbar fehlen noch Unterlagen, weshalb das Verfahren noch nicht eröffnet ist. Wir hätten sehr gerne einen Ansprechpartner in Person eines Insolvenzverwalters, um die vielen offenen Fragen zu klären“, sagt der Bürgermeister. Während immer mehr Forderungen aufliefen, etwa von Strom- und Wasserversorgern, liege die finanzielle Situation des Vereins völlig im Dunkeln. Auch bei der Stadt selbst soll der FVL noch Schulden im mittleren fünfstelligen Bereich haben. Ob diese noch beglichen werden? „Wissen wir nicht, wir geben das Geld aber noch nicht auf“, so Schöneboom.
„Die Ungewissheit ist nicht gut, wir wollen mit der Gründung eines neuen Vereins einen Schnitt machen und insbesondere ein Zeichen an die Jugend senden“, erklärt Annerose Deusch. Denn während die beiden Seniorenmannschaften des FVL bereits Anfang Februar vom Spielbetrieb abgemeldet wurden, ist der Nachwuchs noch immer am Ball. Rund 50 Mädchen und Jungen zählen die Teams in den verschiedenen Altersklassen. Sie wolle man im Ort halten, sagt Deusch, die perspektivisch auch eine Seniorenmannschaft beim FC Langenwinkel für möglich hält.
Ansage im Internet
Auf der Homepage des FV Langenwinkel gab es schon Ende Februar einen kämpferischen, mutmachenden Eintrag. Demnach hatte sich die Jugendabteilung mit Ortsvorsteherin Deusch und Eltern der Nachwuchskicker getroffen, um offene Fragen zu beantworten. „Wenn auch nicht alles auf Anhieb geklärt werden konnte, waren sich doch alle in einem Punkt einig: Die Jugend muss und wird weitergehen!“, heißt es auf der Internetseite.