Nach dem schweren Schaden in einer Sturmnacht am 11. Juli 2023 ist es um die Heiligkreuzkapelle in Gruol ruhig geworden. Das soll aber nicht so bleiben.
Nach dem Unwetter vor drei Jahren ist nicht sehr viel passiert. Seitdem in jener Nacht von einer Linde vor der Kirche in Gruol ein Hauptast abbrach, mit voller Wucht auf das ziegelgedeckte Dach der Kapelle krachte und dabei auch den Glockenreiter ins Innere der Kirche stürzen ließ, ist es relativ still um die Kapelle geworden. Die Linde wurde zwar später gefällt – aus deren Holz wurden kleine Kunstwerke und auch eine Sitzbank angefertigt – und das Dach mit einer Plane abgedeckt, aber das war es dann auch.
Gibt es aktuell Pläne für eine mögliche Instandsetzung der Heiligkreuzkapelle?, wollte Ortschaftsrat Jochen Wiest deshalb in der jüngsten Sitzung des Gruoler Ortschaftsrates wissen. Seine Befürchtung ist, dass sich durch Nichtstun ein weiterer „Schandfleck“ in der Gruoler Ortsmitte entwickelt. „Es gibt leider momentan nix Neues“, musste ihn Ortsvorsteher Reiner Schullian enttäuschen. Immerhin konnte er Wiest soweit trösten, dass die Plastikplane, die nach dem Sturmschaden über die Hälfte des Kapellendachs gezogen wurde, immer noch dichthält und kein Wasser in das Kirchlein durchlässt. „Die Frage ist aber, wie lange noch“, sorgt sich auch Schullian. Er schätzt, dass die Plane maximal noch zwei Winter hält und es dann „vorbei ist“.
Gruoler stehen parat
Was aber könnte man tun, um die Heiligkreuzkapelle vor dem endgültigen Verfall zu retten? An der Bereitschaft der Gruoler bei einer „Kirchen-Rettung“ mitanzupacken, scheint es allem Anschein nach nicht zu liegen. „Es dürfte kein Problem sein, Leute zu finden, die dabei mithelfen, die Kirche wieder zu richten“, meint der Ortsvorsteher voller Überzeugung. Einige Gruoler, so bestätigt Reiner Schullian im Gespräch mit unserer Zeitung, seien schon auf ihn zugekommen, hätten ihre Hilfe angeboten oder zumindest Spendenbereitschaft signalisiert.
Das Problem, das sich in den Weg stellt, ist vermutlich der Denkmalschutz, unter dem die Kapelle steht. Zwar ist noch niemand von der am Tübinger Regierungspräsidium angesiedelten Dienststelle der Landesdenkmalpflege ins Stunzachtal gekommen, um sich den Schaden genauer anzusehen, Schullian rechnet aber damit, dass eine Instandsetzung der Heiligkreuzkapelle nach Denkmal-Standards so teuer werden könnte, dass sie nahezu utopisch wird.
Kostenschätzungen sehr hoch
Mit dieser Einschätzung steht er nicht alleine da. Schon Bürgermeister Heiko Lebherz und auch Vertreter der katholischen Kirchengemeinde hatte wenige Tage nach dem Unwetter die Instandsetzungskosten auf gut eine halbe Million Euro geschätzt, weil eben Spezialfirmen ranmüssen. Und dann wird’s meist teuer.
Dabei geht es dem Ortsvorsteher – und vermutlich auch den allermeisten Gruolern – gar nicht mal um eine denkmalgerechte Sanierung der Kapelle, sondern lediglich um eine Instandsetzung mit überschaubaren Mitteln, damit das Dach wieder dicht ist und die Kirche an exponierter Lage in der Ortsdurchfahrt nicht am Ende noch baufällig dasteht. Niemand habe die Absicht, die Kirche wieder zu nutzen, betont Reiner Schullian. Aus seiner Sicht müsste das auch machbar sein: Im Innern der Kapelle befindet sich seinem Urteil nach nichts, was unter Denkmalschutz stehen könnte, und auch die Fenster, so schätzt er, seien eher aus den 1950er Jahren.
Unglück zur Unzeit
Das Pech, das man in Gruol möglicherweise hatte, war, dass das Wetter zur völligen Unzeit die Kapelle beschädigt hat. Das Unglück geschah in einer Phase, in der die katholische Kirche im Dekanat Zollern im Umbruch stand und man weit größere Sorgen als kleine ungenutzte Kapellen hatte. Schon 2023 waren der damals noch aktive Pfarrgemeinderat und der Stiftungsrat der Seelsorgeeinheit Eyachtal-Haigerloch St. Anna zu der Entscheidung gekommen, die Kapelle nicht mehr zu renovieren. „Wir schaffen es nicht, alle 17 Kirchen und Kapellen sowie elf profane Gebäude wie Pfarrhäuser beziehungsweise Pfarrheime und Kindergärten in unserer Seelsorgeeinheit zu erhalten“, wurde die Entscheidung begründet.
Die Geschichte der Heiligkreuzkapelle
Geschichte
Sie wurde im 13. Jahrhundert erbaut und ist eines der ältesten Gebäude in Gruol. Laut Walther Gezmer („Die Kunstdenkmäler in Hohenzollern“) wurde die Kapelle 1480 in westliche Richtung erweitert und erhielt ihre heutige Gestalt. 1685 wurde sie erstmals restauriert. Der ursprüngliche Altar aus jenem Jahr wurde 1964 entfernt, stattdessen kam ein kleiner Hausaltar von Pfarrer Brandhuber nach dessen Ableben in die Kapelle. Aus dem Jahr 1480 stammt zudem eine Darstellung des Heiligen Vitus im Kessel („Vitus im Häfele“), die sich anscheinend immer noch in der Kapelle befindet. 1867, 1927, 1953 und 1979 erfolgten weitere Sanierungsmaßnahmen. Quelle: Heimatbuch „900 Jahre Gruol“.