Bei einem Busunfall in Weil am Rhein kam am Samstag eine 34-jährige Frau ums Leben. Menschen haben Blumen und Kerzen an der Unfallstelle abgelegt. Foto: Beatrice Ehrlich

Was macht eigentlich das Kriseninterventionsteam des DRK? Beim Busunfall am Samstag war es mit sieben Personen im Einsatz. Rettungsdienst-Leiter Simon Redling berichtet.

Bei dem folgenschweren Busunfall in Weil am Rhein waren auch Einsatzkräfte des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) und des DRK-Kriseninterventionsteams im Einsatz. Was sie geleistet haben, und wie es ihnen jetzt geht, berichtet Simon Redling, der den DRK-Rettungsdienst in Lörrach leitet.

 

Am Samstag ging es Schlag auf Schlag. Wann ging der Alarm beim DRK ein?

Der Alarm ging um 13.30 Uhr bei uns ein.

Auf was waren Sie gefasst, was fanden Sie vor?

Das Alarmierungsstichwort hat uns bereits mitgeteilt, dass es sich um einen sogenannten „Massenanfall von Verletzten“ handelte. Ebenfalls war in der Meldung enthalten, dass ein Bus in eine Menschenmenge gefahren sei. Eine meiner ersten Rückfragen war, ob es sich auch um eine Amok- oder Terror-Tat handeln könnte. Wäre dies der Fall gewesen, hätten wir erst nach Freigabe durch die Polizei im direkten Bereich des Ereignisses tätig werden können. Dies wurde jedoch relativ schnell durch die Polizei ausgeschlossen.

Mit vielen Kräften und Fahrzeugen waren Sie im Einsatz? Mussten Sie Verstärkung hinzuziehen?

Seitens des DRK waren wir mit 80 Einsatzkräften und 30 Fahrzeugen vor Ort. Beim Stichwort „Massenanfall von Verletzten“ werden gleich mehrere ehren- und hauptamtliche Einheiten alarmiert, um schnell agieren zu können.

Simon Redling ist Geschäftsführer des DRK-Rettungsdiensts in Lörrach. Foto: DRK-Rettungsdienst Lörrach

Im Hintergrund werden weitere Rettungsmittel aus Nachbar-Landkreisen nach ihrer Verfügbarkeit gefragt und gegebenenfalls alarmiert. Auch die Kliniken werden verständigt und deren Kapazitäten abgefragt.

Wie viele Menschen mussten Sie versorgen? Und wie?

Insgesamt waren 45 Menschen an dem Ereignis beteiligt. Im Nachgang kann man sagen, dass vier Personen verletzt waren – drei leicht und eine mittelschwer. Einer Person konnte leider nicht mehr geholfen werden. Die weiteren 40 Betroffenen waren teilweise Augenzeugen oder Personen aus den Unfall-Autos. Hier lag unser Fokus auf der Psycho-Sozialen Notfall-Versorgung (PSNV).

Was gab es für Verletzungen?

Dadurch, dass der Bus in eine Personengruppe und Fahrzeuge gefahren ist, kam es vor allem zu chirurgischen Verletzungen.

Wann zogen Sie das Kriseninterventionsteam hinzu? Ist dieses stets vertreten bei Unfällen?

Das Kriseninterventionsteam des DRK wird beim Stichwort „Massenanfall von Verletzten“ stets gleich zu Beginn mit alarmiert. Gerade bei solchen Einsätzen ist eine Betreuung der Unverletzten sehr wichtig.

Was macht das Kriseninterventionsteam?

Das Kriseninterventionsteam des DRK wird eingesetzt, um Betroffene, Angehörige, Augenzeugen oder Einsatzkräfte nach plötzlich auftretenden, belastenden Ereignissen zu betreuen. Ziel ist es, emotionale Erste Hilfe zu leisten und die Menschen in der akuten Phase nach einem Schock oder Trauma zu stabilisieren.

Wie viele Einsatzkräfte umfasst es? Wie viele waren am Samstag dabei?

Am Samstag waren sieben Kräfte des Kriseninterventionsteams vor Ort.

Wie geht es den Einsatzkräften jetzt? Wie verarbeiten sie das Geschehene?

Gerade die Einsatzkräfte, welche direkt mit den Verletzten oder der Toten in Kontakt waren, werden nochmals gesondert in den Fokus genommen. Jede Einsatzkraft hat auch die Möglichkeit, Supervision in Anspruch zu nehmen oder sich an geschultes Personal zu wenden.

Zur Person:

Simon Redling (31) ist seit Januar dieses Jahres Geschäftsführer des DRK-Rettungsdienstes in Lörrach. Er hat nach dem Freiwilligen Sozialen Jahr als Rettungshelfer und Rettungssanitäter ein Duales Studium der Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Health Care Management absolviert und war danach in verschiedenen Funktionen beim DRK-Rettungsdienst Lörrach und beim DRK-Kreisverband Lörrach tätig. Er ist in Maulburg aufgewachsen. Mit seiner Familie wohnt der zweifache, verheiratete Familienvater in Utzenfeld.