Als "Vorbild" nehmen die Rinelen-Anwohner die Kreuzung mit Fußgängerüberweg zwischen August-Bebel- und Schopfelenstraße. Foto: Kratt

Ein vierjähriger Junge wird im Wohngebiet Rinelen von einem Auto erfasst und schwer verletzt, die Fahrerin flüchtet: Der tragische Unfall vor rund drei Wochen in der Stormstraße hat die Bewohner rundherum aufgeschreckt: Sie rufen die Stadt zur Verbesserung der Verkehrssituation auf.

VS-Schwenningen - Es war am frühen Nachmittag des 29. Oktober, als ein vierjähriger Junge und sein zwölfjähriger Bruder auf dem linken Gehweg der Stormstraße in der Nähe ihres Wohnhauses spazierengingen. Zu diesem Zeitpunkt fuhr eine unbekannte Autofahrerin die Stormstraße entlang, wie die Pressestelle des Polizeipräsidiums in Konstanz auf Nachfrage unserer Redaktion mitteilt.

Fahrerin macht sich mit schwarzem Auto aus dem Staub

Dann sei sie nach links in die Zufahrt zu einer Gebäuderückseite abgebogen, als der Vierjährige unvermittelt losgerannt ist und vom fahrenden Auto zunächst mit der vorderen linken Fahrzeugseite erfasst und dann mit dem linken Hinterrad überrollt wurde. Der Zwölfjährige habe die Autofahrerin darauf aufmerksam machen müssen, dass sein Bruder unter dem Auto eingeklemmt wurde. Nachdem das Auto bewegt worden war, sei es dem Jungen gelungen, seinen verletzte Bruder unter dem Auto hervorzuziehen, er habe ihn sofort nach Hause zu den Eltern gebracht, heißt es vom Polizeipräsidium weiter. Doch währenddessen sei die Autofahrerin unerlaubt vom Unfallort abgehauen. Sie sei als dunkelhäutig, mit braunen Haaren und dunklen Warzen im Gesicht beschrieben worden. Es soll sich um ein schwarzes Auto (ähnlich Audi A4) handeln.

Junge muss notoperiert werden

Der Junge sei infolge des Unfalls schwer verletzt von den Eltern ins Klinikum gebracht worden und befinde sich nach einer Not-OP außer Lebensgefahr, so die Polizei, die nach Zeugenbefragungen aus der Nachbarschaft immer noch auf der Suche nach der Unfallflüchtigen ist.

Anwohnerin nimmt Unfall als Anlass, um an Öffentlichkeit zu gehen

Stephanie Rodriguez, die zusammen mit ihrem Mann und ihren sechsjährigen Zwillingen nur unweit von der Unfallstelle, in der Eschachstraße wohnt, hatte von dem Unfall erfahren und sich prompt an den Schwarzwälder Boten gewandt. Sie ist nicht nur fassungslos und wütend, weil sich die Unfallverursacherin aus der Verantwortung gezogen hat, sie ist vor allem wütend, weil sie schon seit langem die heikle Verkehrssituation rund um das Rinelen-Viertel, in dem überwiegend Tempo 30 gilt, bemängelt und dies in mehreren Telefonaten mit dem Ordnungsamt deutlich gemacht hat – bisher ohne Erfolg.

Kinder von Rinelen-Schule und St. Hubertus-Kindergarten betroffen

Viele Autofahrer würden sich nicht an die Termpoeinschränkung halten und donnerten die Eschachstraße ins Wohngebiet Rinelen ohne Rücksicht auf Verluste hoch und herunter. Vor allem in den Kreuzungsbereichen mit der August-Bebel-Straße, Auf Rinelen und betreffender Stormstraße sei die Situation unübersichtlich und für Fußgänger zu Stoßzeiten manchmal unzumutbar, berichtet sie mit Blick auf die vielen Kinder, die hier wohnten beziehungsweise die Rinelen-Schule oder den St. Hubertus-Kindergarten besuchten. Auch Senioren seien betroffen.

Denn Stephanie Rodriguez weiß, wovon sie spricht: Von ihrem Haus aus hat einen guten Blick auf die untere Kreuzung mit der August-Bebel-Straße und beobachtet tagtäglich das Verkehrsaufkommen. An der Kreuzung wartende Senioren etwa würden erst gar nicht mehr von den Autofahrern über die Straße gelassen. Vor sieben Jahren habe genau sich hier im Übrigen ein Unfall zwischen Kleinlaster und Moped ereignet, der für den Mopedfahrer tödlich ausging.

Mutter lässt ihre Kinder nicht allein zur Schule gehen

Zudem erinnert sich die Mutter an zahlreiche Situationen, wenn sie gemeinsam mit ihren Töchtern im Viertel unterwegs war und mit wachem Auge auf ihre Zwillinge aufpassen musste. Ihre daraus resultierende Angst geht soweit, dass sie die beiden Erstklässlerinnen nicht guten Gewissens alleine in die nur in zwei Minuten Fußweg erreichbare Rinelen-Schule gehen lässt: Jeden Morgen bringt sie sie hin, jeden Mittag holt sie sie wieder ab. Und das Tragische: Rodriguez weiß von eigenen Kindern ohne Eltern-Begleitung, die extra, um von der unteren Eschachstraße kommend zur Rinelen-Schule zu gelangen, einen Umweg in Kauf nehmen und die etwas weniger befahrene Stormstraße entlang liefen – eben dort, wo sich der Unfall ereignet hatte. Die Stormstraße ist eine Sackgasse und mündet in einen Fußgängerweg, der Auf Rinelen hinauskommt.

Zebrastreifen oder Ampelregelung

"Jetzt musste erst etwas passieren", sagt sie erzürnt. Mit ihren Emotionen und ihrem dringenden Bedürfnis an die Öffentlichkeit zu gehen, ist sie nicht allein: Sie habe schon viele Gespräche mit anderen betroffenen Eltern geführt. "Jeder sagt, dass hier Zebrastreifen hingehören", berichtet Stephanie Rodriguez. Die Notwendigkeit nach einer gesicherten Verkehrsführung – sei es mit Zebrastreifen oder Ampel – bringe sie bereits seit zwei Jahren immer wieder beim Ordnungsamt an. Dabei verweise sie stets auf die Kreuzung zwischen August-Bebel- und Dauchinger Straße, die von einer Fußgängerampel gesteuert wird, sowie auf die Kreuzung zwischen August-Bebel- und Schopfelenstraße, wo ein Zebrastreifen den Verkehr regelt. Doch richtig Gehör habe sie bisher keins gefunden, meint Rodriguez. "Es fühlt sich keiner wirklich zuständig."

Geblitzt wird an falscher Stelle

Geblitzt werde vom Ordnungsamt bisher nur im unteren Bereich der Eschachstraße Richtung Schopfelenstraße sowie in zwei Bereichen der August-Bebel-Straße. Das bringe für das obere Rinelen-Viertel gar nichts. "Es ist schlimm, dass sich vonseiten der Stadt nichts tut", sagt die Anwohnerin. Das Einzige, was gemacht worden sei, sei im vergangenen Sommer eine Verkehrszählung im steilen Anstieg der Eschachstraße gewesen. Diese habe ergeben, dass nur drei Prozent der erfassten Autos schneller als 30 Stundenkilometer gefahren sein sollen. Doch Stephanie Rodriguez ist fest davon überzeugt, dass es eigentlich mehr sind. Erst in der vergangenen Woche habe ihr Mann einen Kleintransporter angehalten, der mit seinen sieben Sachen die Eschachstraße hochgeprescht sei – und sei durch sein Ermahnen beinahe Opfer einer Schlägerei geworden.

Eine Unterschriftenaktion als letztes Mittel

"Langsam weiß ich wirklich nicht mehr, was wir noch machen sollen", sagt die Mutter schier verzweifelt. Ein letztes Mittel habe sie noch, wenn die Stadt sich auch weiterhin nicht veranlasst sieht, zu reagieren und die Verkehrssituation auf Rinelen nochmals unter die Lupe zu nehmen: "Wenn nötig, dann müssen wir eine Unterschriftenaktion starten", blickt Stephanie Rodriguez voraus. Dass diese von vielen weiteren betroffenen Anwohnern unterschrieben wird, ist sie sich sicher.

Info: Der Zeugenaufruf für den Unfall

Die Ermittlungen für den Unfall am Samstag, 29. Oktober, gegen 14 Uhr, in der Stormstraße, bei dem eine Autofahrerin einen vierjährigen Jungen mit einem schwarzen Auto angefahren, überrollt und Fahrerflucht begangen hat, durch das Polizeirevier Schwenningen dauern noch an. Zeugenhinweise werden unter der Telefonnummer 07720/8 50 00 erbeten.