In der Vakanzzeit freut sich Administrator Albrecht Zepf (von links), über die Unterstützung durch Josip Jelic, John Kannu Musa, Lucia Feuerstein und Christian Feuerstein. Foto: Jochen Schwillo

Seit die beiden Pfarrer Schuhmacher und Schulz nach Waiblingen gewechselt sind, sind ihre beiden Pfarrstellen in Schwenningen unbesetzt. Für die Seelsorgeeinheit Neckar-Baar bedeutet dies eine Herausforderung – denn so einiges muss gestemmt werden.

Erstmals in der über 130-jährigen Geschichte der katholischen Kirche in Schwenningen hat die Gemeinde und Seelsorgeeinheit Neckar-Baar keinen Pfarrer. In den Gemeinden St. Franziskus-Mariä Himmelfahrt in Schwenningen, St. Otmar in Weigheim, St. Georg in Mühlhausen und St. Anna in Tuningen werden derzeit rund 10 600 Christen gezählt.

 

Als nach knapp zehn Jahren die beiden Pfarrer Michael Schuhmacher und Andreas Schulz Schwenningen verließen, um ab September die Seelsorgeeinheit in Waiblingen zu übernehmen, hat man Vorbereitungen getroffen, wie man die Zeit der Vakanz mit zwei unbesetzten Pfarrstellen am besten übersteht – eine Herausforderung für das Pastoralteam. Denn die Posten zu besetzen, die für zwei Pfarrstellen ausgeschrieben sind, ist nicht einfach. So gebe es Gemeinden, die in fünf Jahren noch keine neuen Priester finden konnten, weiß Pfarrer im Ruhestand Albrecht Zepf.

20 Seelsorgeeinheiten ohne Pfarrer

Er hat sich auf Anfrage von Dekan Rüdiger Kocholl bereiterklärt als Administrator die kirchenrechtlichen Pflichten und Rechte des Pfarrers zu übernehmen. „In meinen früheren Wirkungsorten habe ich über 50 Jahre hinweg 14 Vakanzen bedient“, sagt Zepf, der aus Dürbheim stammt und regelmäßig zu Dienstbesprechungen ins Schwenninger Gemeindehaus kommt.

In der Diözese Rottenburg-Stuttgart sei die Vakanz der Seelsorgeeinheit Neckar-Baar übrigens kein Einzelfall. „Von den 240 Seelsorgeeinheiten in der Diözese, sind über 20 Seelsorgeeinheiten auch in der Vakanz“, so Zepf über den deutlichen Priestermangel.

Diakon Christian Feuerstein ist weiter involviert

Froh zeigt sich Albrecht Zepf darüber, dass er in der Seelsorgeeinheit Neckar-Baar auf engagierte Leute zählen kann. Hierzu gehören die drei Vorsitzenden aus den Kirchengemeinden, Stefan Erchinger für Schwenningen, Ulrike Bogenschütz für Weigheim und Isolde Bieberstein für Mühlhausen und Tuningen und auch die Gemeindereferentin Lucia Feuerstein. Sie ist mit der Aufgabe als Vakanzbegleiterin beauftragt und hält die nötigen Kontakte zum Administrator und den Gemeinden.

Weiterhin ist Diakon Christian Feuerstein involviert, der unter anderem für Beerdigungen, Hochzeiten und Taufen zuständig ist. Zum weiteren Pastoralteam gehören Gemeindereferentin Christel Stöffelmaier, Pastoralreferent Uli Viereck und für die kroatische Gemeinde Pfarrer Josip Jelic.

180 Beerdigungen im vergangenen Jahr

Unterstützung erhält die Seelsorgeeinheit Neckar-Baar auch durch Pfarrer John Kannu Musa, der Anfang Juni seinen Dienst begann und auch die priesterliche Versorgung übernimmt. Pfarrer Musa kam 2017 nach Deutschland, war 2018 in Stuttgart-Möhringen als Pfarrvikar eingesetzt und zuletzt in der Seelsorgeeinheit Steinachtal tätig, berichtet er. In Schwenningen freut er sich auf weitere Arbeitserfahrung.

Es gelte, die Vielzahl der Aufgaben auf viele Schultern zu verteilen, betont Diakon Christian Feuerstein. Er selbst freut sich auf Unterstützung bei den priesterlichen Diensten und berichtet, dass es im vergangenen Jahr 180 Beerdigungen gab, 60 Taufen und zwölf Hochzeiten.

Kirchengemeinderatswahl als Herausforderung

Doch nicht nur die beiden Pfarrer fehlen in Schwenningen, auch die Stelle des Jugend- und Familienreferenten ist bis dato noch nicht besetzt. Da das Gemeindeleben weitergehe, baue man auf die Ehrenamtlichen und auch auf die Unterstützung der Pfarramtssekretärinnen und der Kirchenpflege, freut sich Christian Feuerstein.

Eine besondere Herausforderung für die katholische Kirchengemeinde in Schwenningen sind die im März anstehende Kirchengemeinderatswahl und die Bauvorhaben in der Gemeinde, die von einem engagierten Bauausschuss des Kirchengemeinderates begleitet werden.

Im Bau sind zur Zeit die neuen Pfarrerwohnungen, die bei der Kirche Mariä-Himmelfahrt entstehen. „Wenn das Gebäude fertig ist, dann könnten bald neue Pfarrer einziehen“, wagt Vakanzbegleiterin Lucia Feuerstein einen Blick in die Zukunft.