Vor dem Freiburger Landgericht wird derzeit ein Banküberfall aus dem Jahr 2017 verhandelt. Foto: Alexander Blessing

Ein 56-Jähriger muss sich vor dem Freiburger Landgericht verantworten. Er hat mit einem Komplizen 2017 eine Bank in Günterstal überfallen und 123 000 Euro erbeutet.

Als der Richter ihn fragt, warum er denn eine Bank überfallen habe, wo doch solche Delikte kaum noch vorkommen, zuckt der 56-jährige Angeklagte grinsend die Achseln: „Ich habe das Geld gebraucht“, sagt der Bosnier. Er hat vor sieben Jahren in Freiburg eine kleine Sparkassenfiliale überfallen und zusammen mit einem bis heute flüchtigen Komplizen mehr als 123 000 Euro erbeutet.

 

Die Tat von 2017 hat er zum Prozessbeginn in Freiburg in vollem umfang gestanden. Und bei dem Bankangestellten, den er mit einer Soft-Air-Pistole bedroht und nach dem Raub mit Kabelbindern gefesselt hat, hat er sich entschuldigt: „Es tut mir sehr leid. Ich hatte keine Ahnung, dass sie das so belasten würde“, so der gelernte Koch vor dem Landgericht.

Seine Worte klingen ehrlich. Wie überhaupt der vierfache Familienvater vor Gericht nicht wie ein Schwerverbrecher wirkt. Im Gegenteil: Fast schon fürsorglich sei der Räuber bei dem Überfall mit ihm umgegangen, berichtet der Filialleiter. „Ich habe schon gemerkt, der will mir keine Gewalt antun, der will nur das Geld. Als er mich gefesselt hat, meinte er, ich soll mir keine Sorgen machen. Meine Kollegin würde mich ja gleich befreien.“

Bankräuber kommt als Polizist verkleidet in Filiale

Todesangst habe er dennoch gehabt, so der Zeuge, der als Nebenkläger in dem Verfahren auftritt und der nach dem Überfall lange mit psychischen Problemen zu kämpfen hatte.

Bei der Tat, die sich 2017 im Stadtteil Günterstal ereignete, hatte sich der Angeklagte mit Warnweste und Mütze als Polizist verkleidet: Er klopfte frühmorgens vor Öffnung der Bank an die Tür. Der Filialleiter öffnete, um zu fragen, was los sei. Dann drängte der Räuber den Bankangestellten mit vorgehaltener – angeblich nicht geladenen Spielzeugwaffe seines Sohns – in die Bank, hielt ihn fest und verlangte, dass der Filialleiter den Safe öffnen soll. Nach der Flucht des Bosniers lag der Filialleiter rund 40 Minuten gefesselt auf dem Boden, bis eine Kollegin ihn befreite und die Polizei alarmierte.

Den Überfall habe er begangen, weil er Spielschulden hatte, so der Angeklagte nach seinem Geständnis. Daheim in Bosnien habe er jedes Wochenende gepokert. Und Kokain konsumiert, um das ganze Wochenende durchspielen zu können. „Alle haben das gemacht“, erklärt er.

Angeklagter hat zwei Banküberfälle begangen

Als seine Gläubiger damit gedroht hätten, ihm und seiner Familie seine Wohnung abzunehmen, habe er zusammen mit Boris, den er von einem früheren Gefängnisaufenthalt kannte und dem Freiburger Mittäter Andric zwei Banküberfälle begangen. Eine der Taten ereignete sich in Österreich. Sein dortiger Komplize und Fahrer Boris ist bis heute auf der Flucht.

„Die Tat in Freiburg hat Andric vorbereitet. Ich bin nur angereist und direkt danach wieder abgereist“, so der Angeklagte. „Danach haben wir zuhause Fifty-Fifty das Geld geteilt“, berichtet der 56-Jährige. Freiburg habe er von früher gekannt, weil er dort vor 30 Jahren als Koch gearbeitet habe.

Der Angeklagte wurde mit internationalem Haftbefehl gesucht und 2018 bei der Einreise nach Kroatien festgenommen. In Freiburg hatte er vor lauter Aufregung mehrere Gegenstände am Tatort zurückgelassen, so dass seine DNA gesichert werden konnte.

2019 wurde er in Linz (Österreich) für die Tat dort zu sieben Jahren Haft verurteilt. 112 000 Euro erbeuteten er und sein Komplize Boris. Die Haft hatte er fast abgesessen, als er nun für seinen zweiten Prozess nach Deutschland überstellt wurde. Für den schweren Raub in Freiburg drohen ihm mindestens fünf Jahre Haft. Das Urteil wird am Donnerstag, 12. September, erwartet.