Der Vorsitzende des SC Lahr spricht über den Wirbel um die zweite Mannschaft und die Gründe, warum es zuletzt gleich zwei Wechsel an der Seitenlinie gab. Von den Nachwuchsspielern fordert Frank Müller Geduld und Durchsetzungswillen.
Marco Romano hat sein Amt als U 23-Coach beim SC Lahr abgegeben, sein Co-Trainer Dennis Schrempp wurde vom Verein beurlaubt. Gegenüber unserer Redaktion stellten beide vergangene Woche ihre Sicht der Dinge dar. Dabei gab es auch Kritik an der sportlichen Leitung. Nun antwortet der Vorsitzende Frank Müller – und widerspricht. Zudem blickt der 60-Jährige auf seine eigene und die Zukunft des Vereins.
Herr Müller, der Trainer der U 23 hat hingeschmissen, seinen Assistenten hat der Verein vor die Tür gesetzt. Solch heftige Turbulenzen können Ihnen als Vorsitzendem nicht gefallen, oder?
Nein, das gefällt mir ganz und gar nicht, der Bericht in der LZ hat für einige Unruhe im und um den Verein gesorgt. Aber ich will klarstellen: Der Trainer hat nicht hingeschmissen. Es gab eine Einigung zwischen ihm und der sportlichen Leitung. Sein Abschied hatte gesundheitliche Gründe, es gab schon zuvor Gespräche.
Marco Romano hat seinen Rücktritt aber unter anderem damit begründet, dass ihm die sportliche Leitung immer wieder in die Mannschaftsaufstellung reingeredet habe. Was sagen Sie zu diesem Vorwurf?
Es ist wie in einer Firma: Da sagt der Chef oder der Abteilungsleiter auch mal, dass man sich bei bestimmten Personalthemen über Änderungen Gedanken machen könnte. So war das auch bei uns. Ich habe Rücksprache mit den Verantwortlichen gehalten. Da hieß es unisono, dass den Trainern nicht reingeredet wurde. Die Trainer sind hauptverantwortlich. Gleichzeitig sind sie Angestellte des Vereins und werden bezahlt. Dann darf ein Spielausschuss im Trainergespräch auch mal bestimmte Themen ansprechen. Aber noch mal: Einen direkten Eingriff in die Arbeit gab es definitiv nicht.
Es wird gemunkelt, Co-Trainer Dennis Schrempp sei geschasst worden, weil er Lahrer Spieler zu seinem künftigen Verein, dem SV Rust, gelockt haben soll. Stimmt das?
Nein. Die sportliche Leitung hörte aus Gesprächen immer wieder unterschiedliche Meinungen und Ansichten der beiden Trainer heraus. Daraus resultierende Interna wurden an die Mannschaft weitergetragen. Das war letztendlich der Grund für die Trennung. Und ich weiß bislang auch offiziell nur von Nando Schoner, der von Lahr nach Rust wechselt. Es ist ja auch noch gar nicht sicher, dass Dennis Schrempp selbst wirklich dort hingeht.
Mit Nando Schoner und Tim Eichhorn verlassen zwei Leistungsträger sicher die U 23, weitere könnten folgen. Bleibt das Team – auch bei einem möglichen Landesliga-Aufstieg – konkurrenzfähig?
Das ist Kaffeesatzleserei. Aber ein Umbruch steht in jedem Fall bevor, das ist kein Geheimnis. Den Abgängen stehen elf Neuzugänge aus der U 19 gegenüber, die sich sicher sehr gut in der U 23 integrieren werden. Deshalb ist die sportliche Leitung davon überzeugt, in der kommenden Saison wieder eine schlagkräftige Mannschaft auf den Platz zu bringen. Auch bei einem Aufstieg.
Immer wieder ist die Kritik zu hören, der Verein hole regelmäßig „fertige“ Spieler von auswärts, statt eigenen Talenten die Chance zu geben, im Verbandsliga-Kader Fuß zu fassen. Was sagen Sie dazu?
In der Verbandsliga kann man nicht nur mit eigenen Spieler bestehen. In den vergangenen zehn Jahren haben wir als SC Lahr genügend Spieler aus der U 23 und U19 in die erste Mannschaft gebracht. Spieler wie Johannes Wirth, Dennis Häusermann, Simon Lehmann, Mick Keita, Daniel Monga, Dominik Kaufmann, Lasse Wagenmann oder Konstantin Fries haben den Schritt geschafft.
Aber es wurden auch Spieler von anderen Vereinen geholt...
Ja, und das hat seine Gründe. Natürlich hatten und haben wir in der U 23 gute Spieler mit Chancen auf die erste Mannschaft. Doch nicht immer hat es auch gepasst. Ich will da keine Interna ausplaudern, nur so viel: Wenn Spieler in der ersten Mannschaft sind und dann nur eine Trainingsbeteiligung von 60 Prozent haben, wird es schwierig. Zudem muss man als junger Spieler auch mal Willen zeigen und nicht gleich auf die erste Mannschaft pochen. Es ist völlig okay, wenn Spieler nach vier oder fünf Jahren den Verein verlassen, weil sie den Sprung in die erste Mannschaft nicht schaffen. Aber man darf dann nicht beleidigt sein. Zudem gab es auch Spieler, die das Angebot hatten, in der ersten Mannschaft zu spielen und abgelehnt haben.
Sie selbst haben angekündigt, im Herbst nach 22 Jahren aus dem Vorstand auszuscheiden. Ist dieser Plan noch aktuell?
Bis jetzt ist er das noch, ja. Aber es gibt verschiedene denkbare Konstrukte, über die ich in einer anderen Funktion weitermachen könnte. Ich bin im Alter von sechs Jahren zur damaligen Spielvereinigung gekommen. Da kann man nicht von heute auf morgen alle Türen verschließen. Aus gesundheitlichen Gründen will ich nicht mehr an der vordersten Front stehen. Vielleicht gibt es eine Funktion, in der ich dem Vorstand weiterhelfen und auch weiter Ansprechpartner für Sponsoren sein kann.
Gibt es einen Nachfolger?
Bis jetzt nicht. Es laufen aber Gespräche. Vielleicht wird der Verein für den künftigen Vorstand auch auf ein Zweier- oder Dreier-Team zurückgreifen.
Ihr großer Wunsch war es immer, an der Dammenmühle Oberliga-Fußball zu sehen und den südbadischen Pokal nach Lahr zu holen. Wie stehen die Chancen, dass es damit in den kommenden Jahren etwas wird?
Ich weiß nicht, was in zwei oder drei Jahren sein wird. Ich kann nur sagen, dass für die kommende Saison wieder eine schlagkräftige Truppe auf dem Platz stehen wird. Die haben wir auch schon diese Saison, leider hat es in der Vorrunde sportlich gehapert. Ich denke, dass wir in der kommenden Saison zumindest wieder im ersten Drittel angreifen können. Bei der U 23 werden wir nicht den Weggang aller Spieler auffangen können, aber doch einen Großteil.
Wäre der SC Lahr finanziell für Oberliga-Fußball bereit?
Nein, das würde wahrscheinlich nicht klappen. Lahr hat eine große Industrie- und Geschäftswelt, die wir über verschiedene Kanäle anzuzapfen versuchen. Aber wenn du in der Oberliga eine gute Rolle spielen willst, musst du locker 150 000 Euro zusätzlich investieren, was unseren aktuellen Etat mehr als verdoppeln würde. Wo soll das herkommen?
Der SC Lahr ist für seine Jugendarbeit bekannt. Dafür braucht es eine gute Infrastruktur. Der Kunstrasenplatz an der Dammenmühle ist in die Jahre gekommen...
Eigentlich sollte das Projekt Sportpark an der Dammenmühle schon in der Umsetzung sein. Jetzt gibt es erstmal die Sportkita. In diesem Zuge gibt es Veränderungen, von denen zunächst Tennis- und Hockeyclub profitieren werden. Das ist in Ordnung für uns. Wichtig ist, dass das ganze Konzept irgendwann umgesetzt wird, das soll Stand jetzt 2030 oder 2032 sein. Aber klar: Unser Kunstrasenplatz ist 15 Jahre alt, auf ihm wird permanent trainiert. Bei der Stadt sind keine Gelder da. Daher wollen wir nun Quellen wie den Badischen Sportbund oder das Land anzapfen. Ob und wann das klappt, ist offen.
So stehen die Teams
Die Reserve des SCL steht mit 38 Punkten auf dem dritten Rang der Bezirksliga, direkt hinter dem SV Haslach (ebenfalls 38 Punkte). Auf Platz Eins steht der SV Schapbach mit 51 Punkten. Am Sonntag geht’s auswärts gegen den SV Mühlenbach (Platz 13) Die erste Mannschaft steht in der Verbandsliga mit 31 Punkten auf Rang Neun. Am Samstag spielt das Team beim SV Linx.