Nach dem Fund eines Toten am Montag im Ristorante „La Piazzetta“ ermittelt die Polizei wegen eines Gewaltverbrechens. Am Tag danach liegt das Geschehen wie Mehltau über der Stadt.
Der Brunnen in der Mitte des Kastanienparks vor dem Rheinfelder Rathaus ist schon in der Winterpause. Wasser führt er keines mehr. Stattdessen spielen ein paar Kinder im leeren Trog. Ihr Lachen und Giksen bilden einen scharfen Kontrast zu der trostlosen Stimmung, die dort am späten Dienstagvormittag herrscht. Kaum Passanten sind unterwegs, obwohl die Sonne durch die dicken Regenwolken hindurchblitzt, die sich kurz zuvor ausgeschüttet haben. Das Straßenpflaster ist nass. Die Bäume, die dem Platz ihren Namen gegeben haben, sind schon fast kahl.
Nur wenige Passanten sind unterwegs
Nur vereinzelt huschen Passanten über diesen Platz im Herzen der Fußgängerzone der Löwenstadt. Etwas versteckt in einem Eck parkt ein blauer SUV mit Karlsruher Kennzeichen. Auf dem Dach hat das Auto ein Blaulicht. Vermutlich ein Zivilfahrzeug der Polizei. Beamte sind jedoch nirgends auszumachen.
Nur das rot-weiße Flatterband mit den Aufschriften „Sperrzone“ und „Polizeiabsperrung“ ist überall zu sehen. Fast das halbe Rathausgebäude in Richtung Christuskirche ist damit abgesperrt, denn die Gaststätte, in der sich das mutmaßliche Gewaltverbrechen ereignet hat, befindet sich im Parterre eines Flügels des Verwaltungsgebäudes. Immer wieder bleiben Passanten stehen, die zwischen Kirche und Rathaus hindurchgehen. Ihr Blick fällt dabei auf das Flatterband und blaue Sichtschutzwände vor den Fenstern der „La Piazzetta“. Ein junger Mann zückt sein Handy, macht ein Foto und sagt: „Genau da haben sie gestern Nachmittag den Toten rausgetragen.“ Dann geht er weiter. Mehr sagen möchte er nicht.
Viele Platzanrainer wollen nichts sagen
Überhaupt ist die Atmosphäre zunächst sehr abweisend. Nachfragen in einigen Gastrobetrieben und Geschäften am Platz enden an einer regelrechten Mauer des Schweigens beziehungsweise schon im ersten Anlauf nach wenigen Sekunden mit einem deutlichen Fingerzeig in Richtung Tür („Ruf die 110 an. Frag die Polizei. Tschüss.“). Andernorts hört der Reporter ein „Was soll ich sagen? Ich mach’ hier meine Arbeit und habe die viele Polizei gesehen gestern. Wie alle hier halt.“ Mit Journalisten über das sprechen, was sich hier ereignet haben soll, möchte augenscheinlich niemand.
„Sowas kennt man nur aus Großstädten“
Ein anderer Gastronom ein paar Häuser weiter sagt, er sei „noch völlig schockiert“ von den Ereignissen. Und so viel: „Hier kennt doch jeder jeden. In so einer kleinen Stadt wie Rheinfelden erwartet man so etwas nicht. In Großstädten schon eher, Berlin, Frankfurt – aber hier? Was soll ich sagen?“
Marktbeschicker sind völlig entsetzt
Während kurz vor 12 Uhr immer noch – zumindest gefühlt – viel weniger Menschen als sonst über den Platz am Rathaus schlendern, herrscht an den Wochenmarktständen am Rand wenigstens ein bisschen Betrieb. Jutta Krafft-Wick, die mit ihrem Marktwagen seit mehr als 20 Jahren zweimal wöchentlich im Kastanienpark ihre Waren feilbietet, ist das Entsetzen anzumerken. „Die Stimmung heute ist komisch, einfach nur furchtbar“, sagt sie. Mit Kunden gebe es natürlich nur dieses eine Gesprächsthema. Sie habe das Opfer des mutmaßlichen Gewaltverbrechens schon lange gekannt, sagt Krafft-Wick. Vor Ort hört man es immer wieder: Bei dem Toten soll es sich um den Wirt der Gaststätte handeln. „Er war immer nett und höflich. Und wenn er mal aus der Pizzeria herausgekommen oder bei uns am Stand vorbeigegangen ist, hat er gegrüßt und nett gewunken. Er war total aufgeschlossen, hat auch mal etwas bei uns gekauft“, berichtet die Efringen-Kirchenerin sichtlich schockiert.
Frust wegen herumwabernder Gerüchte
„Einfach nur schrecklich“ findet Rainer Wenzelmann, was sich in der nahen Gaststätte zugetragen haben soll. Der Imker aus Minseln verkauft sonst selbst Honig auf dem Rheinfelder Markt, ist dort heute aber als Passant und Kunde unterwegs. „Es gibt einfach keine Grenzen mehr. Man merkt diese Aggressivität im Alltag in vielen Bereichen“, sagt Wenzelmann, und Krafft-Wick pflichtet ihm bei. Dabei beklagt sie wilde Gerüchte, die nun ins Kraut schießen und die sie an ihrem Verkaufsstand hört. „Da erzählt dann einer was von einem Mann mit Machete, der hier gesehen worden sein soll, und ein anderer erzählt das dann auch – und so wandert das dann herum. Ganz furchtbar“, sagt sie. Man höre viel über das mutmaßliche Opfer und seine Lebensumstände. „Aber wer weiß sowas schon? Wer weiß überhaupt etwas? Jetzt reden alle“, sagt Krafft-Wick. „Ja, es wird arg viel geschwätzt“, murmelt Rainer Wenzelmann zustimmend, ehe er sich von seiner Marktkollegin verabschiedet und seines Weges geht.
Auf dem Platz herrscht trostlose Stimmung
Das Zivilfahrzeug mit Blaulicht rollt derweil über den Platz. Ganz langsam nur. Passanten sind kaum unterwegs. Die Stimmung ist trostlos.
Auch im Rathaus selbst sitzt der Schock über das Geschehen tief. Oberbürgermeister Klaus Eberhardt zeigt sich in einer schriftlichen Stellungnahme fassungslos: „Mein Mitgefühl gilt in dieser schweren Stunde der Familie und allen Angehörigen und Freunden.“ Durch die unmittelbare Nähe des Betriebes bestünden schon seit vielen Jahren enge Beziehungen zur Verwaltung, so das Stadtoberhaupt. Eberhardt bittet alle Menschen darum, „die Privatsphäre der Familie zu respektieren und die laufenden Ermittlungen der Polizei nicht zu erschweren“. Für die Bevölkerung bestehe keine Gefahr, versichert das Stadtoberhaupt nach Rücksprache mit der Polizei.
Polizei bestätigt Identität des Toten nicht
Diese hält sich mit Verweis auf laufende Ermittlungen weiterhin bedeckt. Dass es sich bei dem am Montag gefundenen Toten um den Betreiber der „La Piazzetta“ handeln soll, will die Behörde ebenfalls nicht bestätigen.