Die Anteilnahme in der Bevölkerung am tragischen Unglück in Tailfingen ist groß. Vor der Pauluskirche wurde nun eine Gedenkstätte eingerichtet.
Die Anteilnahme der Albstädter Bevölkerung am Schicksal der dreiköpfigen Familie, die bei einer Gasexplosion in einem Gebäude in der Tailfinger Josefstraße am vergangenen Donnerstagmorgen ihr Leben verloren hat, reißt nicht ab. Bereits am Tag nach dem Unglück wurden Kerzen und Stofftiere nahe der Unglücksstelle abgelegt; inzwischen erinnert ein Holzkreuz vor der Pauluskirche an die Verstorbenen.
An der Gedenkstätte sind mittlerweile einige Kerzen, Blumen, Plüschtiere und Fotos dazugekommen. Auf den Kerzen sind teilweise Engel abgebildet, Gedenksprüche machen die Szenerie komplett.
Am Holzkreuz haftet ein Zettel mit den Worten: „Wir beten für die Toten, wir denken an die Trauernden, wir danken für den Einsatz der Rettungskräfte, wir wollen zusammenhalten, wir bitten um Trost.“ Darunter ist ein Foto der Familie angebracht, verbunden mit dem Hinweis, gerne weitere Karten, Fotos, Blumen oder Kerzen anzubringen.
Auf diesen Hinweis macht Johannes Hartmann, Geschäftsführender Pfarrer in der evangelischen Kirchengemeinde Tailfingen, im Gespräch mit unserer Redaktion nochmals aufmerksam: „Angehörige, Nachbarn, die gesamte Bevölkerung ist eingeladen, an der Gedenkstätte öffentlich zu trauern.“ Pfarrer Hartmann hat in Absprache mit Stadtbrandmeister Thomas Daus und der Stadtverwaltung den Ort der Trauer vor der Pauluskirche eingerichtet. „Uns war schnell klar, dass wir eine solchen Ort des Gedenkens organisieren müssen“, erläutert Hartmann.
Ermittler an Unglücksstelle aktiv
An der Unglücksstelle selbst sind nach wie vor Handwerker, die Ermittler der Polizei und die Spurensicherung im Einsatz. Die Trauerstätte dort zu belassen, sei praktisch und emotional unpassend gewesen. Besonders für Angehörige sei eine Trauerstätte an der Unglücksstelle doppelt belastend. „So sind wir auf die Idee gekommen, den Strom der Trauerbekundungen vor die Pauluskirche umzulenken.“
Gedanken hat sich Hartmann bezüglich des exakten Standorts der Gedenkstelle gemacht. Zwar befindet sich diese auf dem Grund der evangelischen Kirchengemeinde, sei aber bewusst mit einem entsprechenden Abstand zum Kirchengebäude eingerichtet worden. Hartmann spricht von einem „halböffentlichen Platz, der nicht zu sehr von der Kirche vereinnahmt wird“.
Aufgebaut wurde das Kreuz vor der Pauluskirche am Samstagnachmittag. Hartmann selbst hat bisher wenige Trauernde selbst beobachtet, die Anzahl an Kerzen, Plüschbären und persönlichen Erinnerungen spricht jedoch ihre eigene Sprache: „Vielen Menschen in Trauer tut eine solche Gedenkstätte gut. Es braucht Mittel und Wege, um das Geschehene zu verarbeiten“, sagt Johannes Hartmann, der nach dem Unglück selbst seine Dienste als Notfallseelsorger anbietet.
Konfessionsübergreifende Angebot
Dieses Angebot bestehe nach wie vor. Konfessionsübergreifend, betont der evangelische Pfarrer, biete er ein offenes Ohr für Menschen an, die das Bedürfnis zum Reden haben. Hartmann unterliegt der Verschwiegenheitspflicht. „Ihre Anliegen sind bei mir sicher“, spricht Hartmann Trauernde an, das Angebot wahrzunehmen.
Mit dem Gesprächsangebot, aber auch der Trauerstätte soll Angehörigen, Nachbarn und allen weiteren Trauernden die Möglichkeit gegeben werden, ihre Betroffenheit zum Ausdruck zu bringen. „Rituale wie eine Kerze abstellen kann zu einer psychischen Entlastung beitragen“, ordnet Hartmann ein. Dazu sei ein Gedenkort wie vor der Tailfinger Pauluskirche ein Ort des Zusammenhalts, ein Ort, an dem Menschen ihre Gedanken besser sortiert bekommen – abseits des Alltags. „Trauer braucht einen Ort“, führt Hartmann weiter aus.
Aus diesem soll, wenn es zum jetzigen Zeitpunkt den Angehörigen auch schwer fallen dürfte, Zuversicht geschöpft werden. Johannes Hartmann wünscht sich, dass er dazu beitragen kann, der Trauergemeinschaft einen gemeinsamen Weg aufzeigen kann, der miteinander in die Zukunft führt. Verschwörungen, Wut und Schuldzuweisungen, wie sie durch unseriöse Berichte besonders in den sozialen Netzwerken geschürt werden, seien hingegen gesellschaftliches Gift.
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