Eng geparkte Lkw auf einem Autobahnparkplatz. Beim Rangieren können schnell gefährliche Situationen entstehen, vor allem auf dem Betriebsgelände. (Symbolfoto) Foto: Arnulf Stoffel/dpa

Kürzlich ist auf einem Firmengelände in Rottenburg ein tödlicher Lkw-Unfall passiert. Ist die Gefahr beim Rangieren mit den Fahrzeugen groß? Ein Experte der BG Verkehr gibt Aufschluss.

Tragische Szenen spielten sich kürzlich auf einem Firmengelände in Rottenburg ab: Laut Ermittlungen der Polizei hat ein Lkw-Fahrer auf einem Firmengelände beim Rangieren einen Kollegen erfasst. Der Mann war zu Fuß vor dem Laster vorbeigelaufen, als der Fahrer vorwärtsfahren wollte.

 

Der 57-jährige Kollege erlag noch am Unfallort seine Verletzung. Neben Rettungsdiensten und Polizei waren auch mehrere Mitarbeiter des psychosozialen Notfallversorgung vor Ort.

War das Unglück vermeidbar? Ein Sprecher der Berufsgenossenschaft für Verkehrswirtschaft, Post-Logistik und Telekommunikation, die BG Verkehr, fasst auf Anfrage unserer Redaktion zusammen: „Das Rangieren, Rückwärtsfahren und Einweisen sind komplexe und gefährliche Vorgänge, die immer wieder zu schweren und tödlichen Unfällen führen.“

Vorsicht mit Namensschildern in der Fahrerkabine

Selbst die besten Fahrer könnten weder tote Winkel einsehen noch den Bereich hinter ihrem Fahrzeug vollständig überblicken, so der Sprecher weiter. Die Ursachen für mögliche Unfälle seien dabei äußerst vielfältig.

Wimpel und Namensschilder, die im Führerhaus angebracht sind, könnten die Sicht einschränken, ebenso wie falsch eingestellte Seitenspiegel oder Wettersituationen wie dichter Nebel und starke Regenfälle. Auch unzureichende Sicherheitsabstände zu Gebäuden, Fahrzeugen und Wechselbehältern seien immer wieder Grund für Unfälle, erklärt der Sprecher.

Falsches Einweisen durch mangelnde Abstimmung oder fehlende Kenntnis sei ebenfalls problematisch. Hinzu komme, dass sich die Einweiser oft in Gefahrenbereichen aufhalten würden. Sollten Fahrer die Zuggabel zu stark einschlagen, könne es zudem passieren, dass die Anhänger umkippen.

Immer weniger Arbeitsunfälle

Die aktuellen Zahlen zu Unfällen im Güterverkehr stammen aus dem Jahr 2024. Damals verzeichnete die BG Verkehr 21.975 Unfälle – bei 78.605 Unternehmen, die Mitglied in der Berufsgenossenschaft sind.

Rund zehn Prozent dieser Unfälle passierten im Verkehr – also auf öffentlichen Straßen. Das sei die niedrigste Zahl der letzten zehn Jahre, erklärt der Sprecher. Der Durchschnitt in dieser Zeit lag bei 28.641 Arbeitsunfällen. Die Tendenz weiter sinkend.

Tödlich verliefen 2024 genau 39 Unfälle, der Zehn-Jahres-Schnitt lag bei 55. 24 dieser 39 tödlichen Arbeitsunfälle waren Verkehrsunfälle – ein Anteil von 62 Prozent. Die Zahl der Arbeitsunfälle im Güterverkehr beinhalte aber auch solche, an denen an Betriebshöfen oder Logistikzentren kein Lkw beteiligt war. Auf den Kreis Freudenstadt ließen sich die Zahlen nicht herunterbrechen, so der Sprecher.

Zeitdruck belastet Fahrer zusätzlich

Welche Sicherheitsmaßnahmen können Mitarbeiter und Unternehmen ergreifen? Es gebe Kamera-Monitor-Systeme (KMS) und Rückfahr-Assistenten, die eine gute Hilfe seien, aber nicht in allen Fällen das Einweisen ersetzen könnten, erklärt der Sprecher. Die BG Verkehr bietet online daher Hilfsunterlagen für das Rückwärtsfahren und Einweisen an.

Unternehmen könnten unter anderem Bereiche für Fußgänger und Fahrzeuge trennen. „Fußgänger sollten Rangierbereiche nicht betreten.“ Außerdem sollten sie für ausreichend Beleuchtung sorgen. Und Touren so planen, dass ein Rückwärtsfahren möglichst vermieden werde.

Was nach Einschätzung der BG Verkehr auch immer eine Rolle spielt, sei der Zeitdruck. „Enge Taktungen, organisatorischer Druck und lange monotone Fahrsituationen können die psychische Belastung von Berufskraftfahrerinnen und Berufskraftfahrern erhöhen.“ Eine direkte Ursache einzelner Unfälle lasse sich in der Regel nicht alleine auf den Zeitdruck zurückführen.