Der junge Geschäftsführer Nico Schwarzwälder mit seinem Gesellenbrief. Foto: Hoffmann

22-Jähriger bereitet sich auf Meisterprüfung vor und übernimmt Firmen-Leitung.

Nico Schwarzwälder hat nach dem plötzlichen Tod seines Vaters die Schreinerei Schwarzwälder in Burgberg übernommen. Jetzt bereitet sich der junge Mann auf die Meisterprüfung vor. Mehr dazu in unserem (SB+)-Bericht.

 

Königsfeld-Burgberg - In sechs Wochen wird Nico Schwarzwälder für vier Monate die Meisterschule in Bad Wildungen bei Kassel besuchen. Auch aus der Ferne will der 22-jährige Geschäftsführer die Firma unterstützen und abends nach dem Unterricht Angebote erstellen und Kundentermine fürs Wochenende vereinbaren.

Er stellt sich dieser Doppelbelastung gerne

Für ihn ist diese Doppelbelastung eine Herausforderung, der er sich gerne stellt. Denn durch den überraschenden Tod seines Vaters Frank im vergangenen Februar musste er viel früher als geplant die Leitung der Firma übernehmen. Das war nicht einfach, zumal die Corona-Pandemie begann. Zu der Zeit war er noch nicht einmal mit seiner Schreinerausbildung fertig. Für vier Monate war er tagsüber Geschäftsführer, um sich dann abends und an den Wochenenden auf die Gesellenprüfung vorzubereiten. Als Innungssieger legte er diese dann ab. Die vorgesehene Freisprechungsfeier der Schreiner im Schwarzwald-Baar-Kreis fiel Corona zum Opfer.

Flexibles Bildungsangebot

Für ihn sehr unpersönlich, was er sehr bedauert, kam die Urkunde auf dem Postweg. Weiterhin galt es für den Gesellen, Hürden zu überwinden. Zur Führung eines Schreinereibetriebs mit Lehrlingsausbildung benötigt man einen Meistertitel. So wollte der Burgberger ab November vergangenen Jahres für ein halbes Jahr die Meisterschule in Waldshut besuchen, um die Teile 1 (Praxis) und 2 (Fachtheorie) zu erwerben. Daraus wurde nichts, weil der Kurs mangels Teilnehmern abgesagt wurde. Für einen neuen Termin, welcher erst im September 2021 stattfinden sollte, wäre wertvolle Zeit verloren gegangen. Nico Schwarzwälder plante kurzerhand um und begann noch im August 2020 an der Bildungsakademie Rottweil mit den Teilen 3 (BWL-) und 4 (Ausbildereignungsprüfung), die er gesondert absolvieren konnte, die seit Anfang Dezember abgeschlossen sind.

So hieß es für vier Monate tagsüber die Schulbank drücken. Abends und an den Wochenenden konnte er in der Schreinerei seinen Mann stehen. "Es ist ein großer Vorteil für mich, dass ich die vier Teile für die Meisterprüfung unabhängig voneinander und in beliebiger Reihenfolge machen kann. Da hält die Handwerkskammer ein äußerst flexibles Bildungsangebot bereit", lobt der angehende Schreinermeister. Auf der Meisterschule in Bad Wildungen wird er die Teile 1 und 2 bewältigen. Gegenüber Waldshut benötigt er zwei Monate weniger Ausbildungszeit. Das rührt von unterschiedlichen Bildungsorten her. Für vier Monate heißt es dann Führung der Firma aus der Ferne. An den Wochenenden wird er aber vor Ort sein.

Bisher keine negativen Auswirkungen auf Grund von Corona

Bisher seien keine negativen Auswirkungen auf Grund von Corona in der Firma bemerkbar. "Die Auftragslage ist immer noch gut", versichert der Geschäftsführer. Die Herausforderung Schule und Betrieb erfüllt er gerne. "Da gibt es nur die Devise ganz oder gar nicht", sagt er.

Seinem Hobby, dem Musizieren beim Musik- und Trachtenverein Neuhausen, könnte er derzeit nicht nachkommen. Doch durch die Corona-Pandemie steht das Vereinsleben sowieso still. Für Abwechslung an den Wochenenden könnten Treffen mit Freunden sorgen. "Dies ist aber leider auf Grund der Beschränkungen nicht möglich", bedauert Nico Schwarzwälder.

Doch etwas mehr Freizeit wird er in einigen Jahren wieder haben. In rund vier Jahren wird die Firma mit Bruder Tom nach dessen Schreiner-Ausbildung einen zweiten gleichberechtigten Geschäftsführer erhalten.