Eine traurige Nachricht ereilte zahlreiche Eltern: Der einzige Kinderarzt der Stadt, Reinhard Wartha, ist verstorben. Seit mehr als 30 Jahren hatte er seine Praxis in Oberndorf. Er bleibt vielen aktuellen und ehemaligen Patienten in Erinnerung. Derweil versuchen Ärzte in der Region, die medizinische Versorgung aufrecht zu erhalten.
Es war ein Schock für viele Eltern, Ärzte-Kollegen und die Mitarbeiterinnen der Praxis. Reinhard Wartha ist verstorben – „plötzlich und unerwartet“, heißt es auf der Bandansage des Telefons der Praxis. Er hinterlässt in Oberndorf eine große Lücke.
Der Notstand bei den Kinderärzten in der Region verschärft sich dadurch zunehmend. Einen Vertretungsarzt gebe es nicht, und auch die langjährige Suche nach einem Nachfolger für die Praxis sei erfolglos geblieben, heißt es weiter am Telefon.
„Wir versuchen unser Bestes, die Eltern nicht im Regen stehen zu lassen“, sagt Gottfried Widmann, Sprecher der Oberndorfer Ärzte. Die Versorgung mit Kinderärzten im Kreis sei nach dem Weggang von Rolf Heppler aus Sulz Ende 2016 bereits kritisch gewesen. Wartha selbst war mehr als 30 Jahre als Kinderarzt in Oberndorf tätig.
Weitere Wege, hohe Auslastung
Eltern müssen für einen Besuch beim Kinderarzt nun nach Schramberg, Rottweil, Freudenstadt, Balingen oder Horb. Die Entfernungen seien dabei allerdings nicht das größte Problem, erklärt Widmann. Denn auch diese Kinderärzte seien in aller Regel ausgelastet.
Hausärzte können nicht alles abfangen
Als Sprecher der Oberndorfer Ärzte befinde sich Widmann derzeit mit weiteren Kollegen in Kontakt. Die Mediziner suchen nach Wegen, um die kinderärztliche Versorgung aufrechtzuerhalten. So hätten bereits viele Hausärzte zugesagt, die Kinder ihrer Patienten mit zu versorgen – sofern es denn ihnen möglich ist. Denn auch die Hausarztpraxen sind landauf und landab ausgelastet. „Unsere Hausärzte können nicht alles abfangen“, sagt Widmann. Sollten Eltern von ihrem Hausarzt an eine Kinderarztpraxis verwiesen werden, wäre die Stadt Horb, die, was die kinderärztliche Versorgung angeht, noch vergleichsweise gut dastehe, eine weitere Option, so der Sprecher der Oberndorfer Ärzte.
Seit Jahren eine prekäre Lage
Die prekäre Lage habe sich bereits seit Jahren abgezeichnet. Die Kosten, eine Praxis zu betreiben steigen, währenddessen ändere sich an der Vergütung der Ärzte nichts. „Warum soll man sich da noch als Arzt niederlassen?“, fragt Widmann. „Die Politik reagiert einfach nicht.“ Der Ärztemangel sei ein „Systemproblem“, sagt der Oberndorfer Mediziner.
Das von der Stadt geplante Ärztehaus könnte womöglich den einen oder anderen Arzt dazu bewegen, sich in Oberndorf niederzulassen. Für manchen sei es dann sicherlich attraktiver, wenn etwas von den „bürokratischen Bergen“, die den Ärzten aufgeladen werden, wegfalle. Dennoch stehe Widmann der Idee etwas skeptisch gegenüber. Seine Forderung: Das ambulante System müsse für Ärzte attraktiver werden. „Wir tun was wir können. Der Ball liegt bei der Politik.“