Nach dem Tod des dreijährigen Alessio steht vor allem das Jugendamt unter Druck. Foto: dpa

Im Fall des zu Tode geprügelten dreijährigen Alessio aus Lenzkirch im Schwarzwald hat die Aufarbeitung begonnen. In der Kritik stehen das Jugendamt und die Betreuer des Jungen. Diese weisen Vorwürfe zurück.

Freiburg - Rund zwei Wochen nach dem gewaltsamen Tod des dreijährigen Alessio in Lenzkirch im Schwarzwald nehmen die Betreuer des Jungen ihre Arbeit kritisch unter die Lupe. Der Fall werde intern aufgearbeitet, sagte die Geschäftsführerin des zuständigen Dorfhelferinnenwerks, Elisabeth Groß, am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur. Zudem würden die Strukturen insgesamt überprüft. Das Werk hatte den Jungen und die Familie im Auftrag des Jugendamtes jahrelang betreut. Alessio war Mitte Januar zu Tode geprügelt worden. In Untersuchungshaft sitzt der 32 Jahre alte Stiefvater. Gegen ihn gab es bereits seit Sommer 2013 den Verdacht der Kindesmisshandlung.

„Der Fall hat bei den von uns eingesetzten Mitarbeiterinnen zu einer großen Unsicherheit geführt“, sagte Groß. Ziel sei es, ähnliche Fälle in Zukunft zu verhindern. „Wir sprechen darüber, was verbessert werden muss - aber auch darüber, wo die Grenzen unserer Arbeit sind.“

Vorwürfe wies sie zurück. Hinweise auf ein Fehlverhalten gebe es nicht. Zuvor hatte das Jugendamt bestätigt, dass als Betreuerin eine Cousine des Stiefvaters eingesetzt wurde. Auf die Auswahl der Betreuungskräfte habe die Behörde keinen Einfluss, hatte Sozialdezernentin Eva-Maria Münzer gesagt. Dies liege in der alleinigen Verantwortung des Dorfhelferinnenwerks.

Nach dem Tod des Jungen steht vor allem das Jugendamt unter Druck

Nach dem Tod des Jungen steht vor allem das Jugendamt unter Druck. Es hatte Alessio nach zwei stationären Klinikaufenthalten zurück in die Familie gebracht, obwohl Mediziner und die Staatsanwaltschaft eindrücklich davor gewarnt hatten. Zuvor war, 2013 und im Sommer 2014, von den Ärzten eine schwere Kindesmisshandlung festgestellt worden. Das Jugendamt ordnete eine Familientherapie an sowie 14-tägige Kontrollbesuche beim Kinderarzt und die Betreuung durch das Dorfhelferinnenwerk. Weil dem Stiefvater damals nichts nachgewiesen werden konnte, wurden die Ermittlungen eingestellt.

Die Dorfhelferin hatte am Tattag den Stiefvater und den Jungen den Angaben zufolge gegen 12.00 Uhr verlassen. Als sie gegen 16.00 Uhr zurückkehrte, war der Junge tot. Die 24 Jahre alte Mutter sowie die zehn Monate alte gemeinsame Tochter des Paars waren an dem Tag nicht im Haus. Die Frau war laut Amt bereits betreut worden, als sie noch alleinerziehend war. Die Tochter ist nun bei einer Pflegefamilie.

Das Sozialministerium in Stuttgart hat das Jugendamt nach Bekanntwerden des Falls kritisiert und eine Überprüfung angeordnet. Das als Aufsichtsbehörde zuständige Regierungspräsidium in Freiburg teilte am Donnerstag mit, es habe vom zuständigen Landkreis einen ausführlichen Bericht erhalten. Dieser werde nun ausgewertet. Untersucht werde, ob das Jugendamt rechtmäßig gehandelt habe. Wann Ergebnisse vorliegen, könne nicht gesagt werden. Zudem soll im Auftrag des Landkreises eine Expertenkommission den Fall untersuchen.

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