Beim „River Spring Open Air“ wurde fröhlich gefeiert. Eine Formulierung in der Berichterstattung wird jedoch kritisiert. Foto: Thomas Fritsch

Nach der Techno-Party auf der Burg Hohennagold kritisiert die Influencerin Lisa Kauff aus Nagold eine ihrer Ansicht nach diskriminierende Formulierung. Es geht um Mütter, die die frühe Tageszeit für die Party lobten, da sie abends wieder bei ihren Kindern sein könnten. Das verfestige Stereotype, meint Kauff. Was ihre Follower und der Veranstalter dazu sagen.

Eine kritische Formulierung über das „River Spring Open Air“ auf der Burg Hohennagold sorgt derzeit für Verärgerung im Internet. Unsere Redaktion hatte auf den Veranstalter im Nachgang mit den Worten Bezug genommen: „Und sogar auf die Mamis unter den Musikbegeisterten hatten die Organisatoren Rücksicht genommen: Der Zeitplan mit einem Start um 13 Uhr und einem offiziellen Ende um 19.30 Uhr sei so getaktet gewesen, dass die Mütter mittags ihre Kinder abgeben und abends auch ins Bett bringen konnten.“

 

Das hat die Influencerin Lisa Kauff, auf Instagram monkey.yoga.lisa, aus Nagold als „diskriminierend“ kritisiert. Unserer Redaktion schreibt sie: „ Es scheint, als wäre es selbstverständlich, dass nur die ,Mamis’ eine besondere Rücksicht benötigen, während die Väter, ebenfalls Elternteile, hierbei völlig unerwähnt bleiben.“

Sie fährt fort: „Solche Formulierungen verdeutlichen, wie tief verwurzelte Rollenvorstellungen auch heute noch unser Bild von Elternschaft und Gleichberechtigung prägen.“

Dabei gehe es ihr nicht darum, die Rolle der Mutter für Frauen abzuwerten, sondern „um die Anerkennung, dass sowohl Mütter als auch Väter gleichberechtigt die Verantwortung für ihre Familien tragen. Aussagen wie diese tragen dazu bei, Frauen weiterhin in traditionelle Rollenbilder zu drängen, während die Erwartung an Väter als gleichberechtigte Erziehende kaum berücksichtigt wird.“

Followerinnen sehen die Sache ähnlich

In ihrer Instagramstory fragt sie ihre 288 000 Follower , laut Instagram-Statistik die meisten Frauen zwischen 25 und 65: „Macht euch das genauso wütend wie mich?“

Eine Userin schreibt: „Ich bin zwar keine Mami, aber als Frau und Mensch der heutigen Zeit macht mich so etwas auch total wütend und ich frage mich, wie lange dieses Ewig-Gestrigkeit uns noch erhalten bleibt.“ Mehrere kritisieren das Wort „Mami“, etwa als „verniedlichend“ und „abwertend“.

Zwei andere sehen ein grundsätzliches Problem. „Leider ist dieses Denken noch immer in ganz vielen Menschen drin... egal ob bewusst oder unbewusst“, schreibt eine Person aus dem Ruhrgebiet und verweist auf Veranstaltungen unter Titeln wie „Mami geht tanzen“: „Auch, wenn es ein cooles Konzept ist, wird damit automatisch nur die ,Mami’ angesprochen, dass sie sonst keine Zeit zum Feiern hat und damit wird Kohle gemacht!“

Eine andere: „Hier auf der schwäbischen Alb auch. Hier erzählen mir Mütter auch regelmäßig: ,mein Man hilft mir schon mit den Kindern’. What??? Es sind auch seine Kinder, da gibt’s nix zu helfen. Es ist noch ein laaaaaanger Weg...“

Was der Veranstalter der Party sagt

Patrick Walz, einer der Veranstalter der Party, erklärt im Namen des Organisations-Teams: „Das Zitat im Schwarzwälder Boten ist leider falsch dargestellt. Es handelt sich um die gesammelten Rückmeldungen mehrerer Mütter, die die Veranstaltungszeit begrüßt haben.“ Und weiter: „Die Aussage kommt nicht von uns, sondern von den Gästen.“ Die Veranstaltung habe sich an alle Alters- und Gesellschaftsgruppen gerichtet.

Er erläutert, dass jedoch gerade junge Eltern häufig Schwierigkeiten hätten, auf Veranstaltungen am Abend zu gehen. Es brauche Betreuung für die Kinder, manche könnten ohne die Eltern nicht einschlafen. Deshalb wurde die Tageszeit von Gästen gelobt.

„Auch wenn die Formulierung unglücklich und falsch dargestellt war, muss man nicht immer alles negativ auffassen und öffentlichkeitswirksam in Social Media ausschlachten. Wer uns kennt und zumindest einmal auf einer unserer Veranstaltungen war, weiß dass wir uns sehr für Toleranz und Offenheit einsetzen“, bedauern die Veranstalter außerdem.

Zudem habe es viele positive Rückmeldungen zur Party an sich gegeben. Darunter: „Wir brauchen solche junge Köpfe mit vielen kreativen Ideen“, „Bitte wiederholt das Event im Sommer – das war für mich ein Highlight des Jahres“ und „Toll, dass ihr ehrenamtlich so was Aufwendiges für kranke Kinder auf die Beine stellt.“