Zu dem Brandanschlag auf das Stromnetz in Berlin haben sich Linksextremisten bekannt. Auch im Südwesten kommt es zu Sabotageaktionen – einer aus der Region Stuttgart sticht hervor.
Tagelang mussten Zehntausende Menschen in Berlin ohne Strom auskommen – und das bei klirrender Kälte mit Eis und Schnee. An diesem Mittwoch können die Betroffenen des längsten Berliner Stromausfalls der Nachkriegsgeschichte aufatmen: Im Laufe des Tages soll die Versorgung wieder in allen betroffenen Gebieten im Südwesten der Hauptstadt anlaufen.
Zu dem Brandanschlag auf wichtige Kabel hat sich eine der linksextremistischen sogenannten „Vulkangruppen“ bekannt, die vor allem in Berlin und Brandenburg aktiv sind und für mehrere Anschläge auf Bahnanlagen oder die Stromversorgung verantwortlich sein sollen. Direkte Verbindungen der Gruppen nach Baden-Württemberg gibt es nicht.
In Baden-Württemberg keine vergleichbaren Linksextremisten wie in Berlin
Doch auch im Südwesten begehen Linksextremisten „immer wieder Sabotageaktionen, bei denen teils ein beträchtlicher Sachschaden entsteht“, teilt der Landesverfassungsschutz auf Anfrage unserer Redaktion mit. Ganz so radikal wie in Berlin mit Auswirkungen auf Zehntausende Menschen wie beim jüngsten verursachten Stromausfall agierten sie jedoch nicht.
Den Verfassungsschützern seien zwar für Baden-Württemberg „bislang keine linksextremistischen Akteure im Land bekannt, die im Hinblick auf ihr Aktivitätsniveau und ihren Wirkungskreis mit den linksextremistischen Gruppenstrukturen in Berlin vergleichbar sind“, heißt es. Doch Beispiele von Sabotageaktionen zeigten, dass die Extremisten auch im Ländle nicht zu unterschätzen sind.
Linksextremistische Anschläge verursachen Millionen-Schäden
Besonders ein Fall aus der Region Stuttgart im vergangenen Jahr sticht hervor: Ende April 2025 brannten auf einem Gelände des US-Autoherstellers Tesla in Holzgerlingen im Kreis Böblingen mehrere Neuwagen vollständig aus – es entstand ein Sachschaden von etwa einer halben Million Euro. Tesla befand sich auch bereits im Fadenkreuz der linksextremistischen „Vulkangruppen“, wie die Angriffe auf die Stromversorgung der Baustelle der „Tesla Gigafactory Berlin-Brandenburg“ aus den Jahren 2021 und 2024 zeigten.
Brandanschläge wie der in Holzgerlingen im vergangenen Jahr oder der auf das Berliner Stromnetz sind offenbar Teil der militanten linksextremistischen Kampagne „Switch off – the system of destruction“, in deren Rahmen seit 2023 bundesweit mehrere Brandstiftungen und Sachbeschädigungen stattfanden – mit Schäden in Höhe von mehreren Millionen Euro. Angriffsziele waren die Deutsche Bahn, Rüstungsunternehmen oder Auto-Konzerne.
850 „gewaltorientierte“ Linksextremisten in Baden-Württemberg
Die Extremisten sehen sich als Teil der Klimabewegung: In Blogeinträgen der Kampagne nennen sie die Infrastruktur des Kapitalismus und das aktuelle politische System als ihre Feinde, die für die Zerstörung der Natur verantwortlich seien. Auch ein Farbanschlag auf ein Karlsruher Grünen-Büro im Jahr 2023 passt in diese Logik: Die Schmierereien bezogen sich auf die Lützerath-Räumung für die Erweiterung des Braunkohleabbaus. Und auch weitere Sachbeschädigungen werden mit ökologischen Argumenten gerechtfertigt.
Im Jahr 2024 wurden in Freiburg mehrere Dienstfahrzeuge der Stadt angezündet und E-Ladesäulen zerstört, was einen Sachschaden im unteren sechsstelligen Bereich verursachte. Die Brandstiftung fand sich anschließend ebenfalls als Blogbeitrag auf der Website der Kampagne „Switch off“, einer von insgesamt sieben Beiträgen mit direktem Bezug nach Baden-Württemberg. Etwa 2700 Personen rechnet der Landesverfassungsschutz der linksextremistischen Szene in Baden-Württemberg zu, davon gelten 850 als „gewaltorientiert“.