Berliner Haushalte tagelang ohne Strom – was wäre, wenn es Villingen-Schwenningen träfe? Ist die Doppelstadt auf ein solches Szenario vorbereitet? SVS und Stadt geben Antworten.
Alle Augen richteten sich zum Jahresbeginn auf die Hauptstadt: Nach einem mutmaßlich linksterroristischen Brandanschlag auf Stromleitungen kam es im Südwesten der Stadt zu einem großflächigen Stromausfall. Rund 100 000 Menschen in 45 000 Haushalten waren zeitweise ohne Strom. Erst nach fünf Tagen konnte am Mittwoch, 7. Januar, die Stromversorgung wiederhergestellt werden.
Wie gut ist Villingen-Schwenningen auf einen großflächigen Stromausfall vorbereitet? Wir haben bei der Stadtverwaltung der Doppelstadt und den Stadtwerken Villingen-Schwenningen (SVS) nachgefragt.
Unterschiedliche Szenarien wurden geprobt
Krisenmanagement „Jüngste Ereignisse zeigen, wie wichtig es ist, dass sich Städte für Ernstfälle wappnen und sich auf die Bewältigung von außergewöhnlichen Lagen vorbereiten“, sagt Madlen Falke, Pressesprecherin der Stadt Villingen-Schwenningen auf Anfrage unserer Redaktion. Bereits 2025 habe die Stadt mit dem Aufbau eines strukturierten Krisenmanagements begonnen und dafür einen Verwaltungsstab eingerichtet. Dafür sei eine neue Stelle im Krisenmanagement geschaffen worden. Der Verwaltungsstab setzt sich aus der Verwaltungsspitze sowie den Fachämtern zusammen.
In mehreren Workshops seien unterschiedliche Szenarien durchgespielt worden, „sodass die Akteure eine Routine im Handling von außergewöhnlichen Lagen entwickeln können“, erklärt die Pressesprecherin.
Stadt sieht sich gut aufgestellt
Im Ernstfall Sollte es in Villingen-Schwenningen zu einem flächendeckenden und länger andauernden Stromausfall kommen, sieht die Stadt ihre Aufgaben neben der Bewältigung des Problems „vor allem in der Informationsweitergabe sowie der Entgegennahme von Hilfeersuchen“, erklärt Falke. Dafür halte die Stadtverwaltung die Ausstattung für Notfalltreffpunkte vor. Eine Veröffentlichung der Standorte der Notfalltreffpunkte werde derzeit vorbereitet, erklärt sie. Darüber hinaus sei es je nach Lage jederzeit möglich, weitere Anlaufstellen zu öffnen – etwa, um den Bürgern bei Kälte beheizte Räume zur Verfügung zu stellen.
Ein gesonderter Notfall-Plan werde zudem derzeit erarbeitet, so Falke, wobei die Grundlagen bereits festgelegt und auch schon geübt worden seien. Krisenähnliche Situationen in der Vergangenheit, wie beispielsweise der Ausfall der Wasserversorgung im Frühjahr 2023 in Schwenningen, hätten gezeigt, „dass die Stadt – auch gemeinsam mit externen Institutionen – in der Lage ist, auf solche außergewöhnlichen Lagen zu reagieren“.
Notstromaggregate für den Ernstfall
In Berlin war die Zerstörung einer oberirdischen Kabelbrücke Ursache für den Stromausfall. Oliver Bauer, Pressesprecher der Stadtwerke Villingen-Schwenningen, erklärt auf Anfrage unserer Redaktion, dass die SVS nur noch wenige Freileitungen in ihrem Netzgebiet habe. Denn: Unterirdische Leitungen, die in der Erde vergraben seien, seien nicht so leicht zugänglich und auch geschützter vor Wetterereignissen, erklärt er.
Auch außerhalb der regulären Geschäftszeiten stünden bei der SVS Mitarbeiter im Bereitschaftsdienst zur Verfügung. Dadurch könne im Ernstfall umgehend mit der Fehlerlokalisierung und -behebung begonnen werden, so Bauer. Zudem gebe es einen Notfallplan, der kontinuierlich aktualisiert und angepasst werde. Details dazu nennt Bauer nicht.
Darüber hinaus verfüge die SVS über mehrere Notstromaggregate, die im Falle eines Stromausfalls kurzfristig zum Einsatz kommen könnten. „Diese Aggregate sind für den punktuellen Einsatz gedacht und können einzelne Straßenzüge kurzfristig mit Strom versorgen“, so Bauer.
Klinikum ist für den Ernstfall gerüstet
Über mehrere Notstromaggregate, die im Falle eines Stromausfalls zum Einsatz kommen, verfügt im Übrigen auch das Schwarzwald-Baar-Klinikum, wie Klinik-Sprecherin Sandra Adams auf Anfrage unserer Redaktion mitteilt. Diese werden regelmäßig überprüft. „Das Schwarzwald-Baar-Klinikum ist auf etwaige Stromausfälle vorbereitet“, betont Adams.
Lautsprecher, Notfalltreffpunkte und Medien
Kommunikation Im Krisenfall sollen die Bürger vorrangig über Lautsprecherdurchsagen, über die städtischen Notfalltreffpunkte und über speziell eingerichtete Infopoints informiert werden. Wenn möglich, zieht die Stadt eine Kommunikation auch über die klassischen Medien, über Radio sowie über die Social-Media-Kanäle in Betracht, erläutert Falke.
Auch Bürger müssen vorbereitet sein
Eigenverantwortung Falke appelliert aber auch an die Eigenverantwortung der Bürger, sich auf solche Szenarien einzustellen und vorzubereiten. „Es ist keiner Gemeinde möglich, eine umfassende Versorgung für die Einwohnerinnen und Einwohner zu übernehmen oder diese gar unterzubringen. Für VS wären dies circa 90 000 Einwohner“, erklärt sie – auch wenn die Stadt je nach Ausmaß der Lage immer versuchen werde, so viele Hilfsangebote wie möglich anzubieten.
Wie auch Bauer verweist sie auf das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe, das im Falle eines Stromausfalls entsprechende Handlungsempfehlungen bereithält. „Die Erfahrungen aus Berlin haben hierbei aufgezeigt, dass man in der Lage sein sollte, einen Zeitraum von einer Woche zu überbrücken“, so Falke.
Wetterereignisse und technische Ursachen
Letzter Stromausfall Wie selten es in Villingen-Schwenningen zu größeren Stromausfällen kommt, zeigt ein Blick in die Vergangenheit: Der letzte größere Stromausfall liegt fast acht Jahre zurück, erklärt Bauer. Im Stadtbezirk Schwenningen fiel am 5. Februar 2018 für rund 30 Minuten der Strom aus. Hier kam es im Zuge von Arbeiten zur Modernisierung und Erweiterung des Umspannwerks Moos zu einem Defekt im Bereich der Steuer- und Leittechnik, erklärt Bauer. Die Folge sei ein Ausfall des Trafos gewesen, was wiederum zu dem Stromausfall, der den Schwenninger Westen betraf, führte. „Die Versorgung war aber nach gerade einmal 30 Minuten wiederhergestellt“, betont er.
Zu den häufigsten Ursachen für Stromausfälle zählen laut Bauer Wetterereignisse, zudem gebe es technische Ursachen an den Leitungen und Trafostationen, die zu Ausfällen führen können. Um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten, investieren die Stadtwerke Villingen-Schwenningen jährlich hohe Millionenbeträge in die Netzinfrastruktur, so Bauer – und das mit Erfolg. Die Durchschnittsdauer von Unterbrechungen in der Stromversorgung liege im Netzgebiet der Stadtwerke deutlich unter dem Bundesdurchschnitt von 12,2 Minuten pro Kunde und Kalenderjahr.
Verhalten bei einem Stromausfall
Im Ernstfall
„Bei einem Stromausfall sollte man zuerst Ruhe bewahren, denn beim überwiegenden Teil der Stromausfälle handelt es sich um kurzfristige Ausfälle von wenigen Minuten“, erklärt Oliver Bauer, Pressesprecher der SVS. Elektrische Geräte sollten zudem vom Netz getrennt werden, damit eine Überspannung vermieden werden kann, wenn der Strom zurückkehrt. „Im Falle eines Stromausfalls in der eigenen Wohnung erreichen unsere Kunden die Kolleginnen und Kollegen der Netzleitstelle unter 07721/40 50 44 44“, erklärt er.