Wie schätzt die ENRW die Gefahr für Rottweil ein? (Symbolfoto) Foto: Stadt Rottweil/Tobias Hermann / Montage: Ganter

Zehntausende Haushalte ohne Strom, Ausnahmezustand: Der Blackout in Berlin wirft viele Fragen auf. Wir wollen wissen: Ist man in Rottweil auf so eine Katastrophe vorbereitet?

Keine Heizung, kein Internet, kein Mobilfunk – welche Tragweite ein unkontrollierter, großflächiger Stromausfall haben kann, hat der jüngste Blackout in Berlin eindrücklich gezeigt. Das Ereignis legt auch die Verwundbarkeit der Versorgungsnetze offen. Das bereitet vielen Sorgen. Wir fragen beim Energieversorger ENRW nach: Ist man in Rottweil vor so einer Gefahr geschützt? Und wie sieht der Notfallplan aus?

 

„Grundsätzlich sind Anschläge auf die technische Infrastruktur wie Umspannwerke und -stationen oder Stromnetze immer möglich“, stellt ENRW-Sprecherin Katharina Beck klar. Durch die bestehenden Ringnetze und die n-1-Sicherheit – dieses grundlegende Prinzip bedeutet, dass das Stromnetz jederzeit den Ausfall eines Netzelementes verkraften muss – könne eine Störungs- oder Sabotagestelle im Schadensfall aber schnell freigeschaltet werden.

Überwachung rund um die Uhr

Die Netzleitstelle der ENRW sei rund um die Uhr verfügbar und überwache permanent die Funktion des Stromnetzes. „Die Schließanlage für alle Versorgungseinrichtungen der ENRW wurde 2025 komplett auf ein elektronisches System umgebaut, welches jeden Zugang nachvollziehbar macht. Auch Schlüssel können damit schnell gesperrt werden“, erklärt Beck außerdem, wie das Versorgungsnetz geschützt wird.

Die Umspannwerke und -stationen der ENRW seien gegen unbefugten Zutritt durch Türen beziehungsweise Zäune gesichert. Zudem sei das erdverlegte Kabelnetz durch die Erdüberdeckung geschützt. Freileitungen hätten vorgeschriebene Abstände zu Verkehrsflächen und Bewuchs.

„Das ENRW-Stromnetz ist ‚n-1‘-versorgungssicher aufgestellt. Dadurch kann beim Ausfall eines Betriebsmittels die Versorgung der Kunden schnell über ein redundantes Betriebsmittel wieder aufgebaut werden. Des Weiteren ist das 20-Kilovolt-Stromnetz über gegenseitige Reserveverbindungen mit den Stromnetzen der umliegenden Netzbetreiber (Netze BW) verbunden. Stromnetzbetreiber in unserer Region geben sich gegenseitig Reservesicherheiten“, erklärt Katharina Beck weiter.

Netzstörungen sind Routine

Netzstörungen, zum Beispiel durch Unfälle bei Baggerarbeiten, gehörten zur regelmäßigen Routine eines Energieversorgers. Die Mitarbeiter seien entsprechend geschult.

Bei Kabelstörungen würden defekte Kabelstränge durch neue Kabel ersetzt und mittels Verbindungs- oder Reparaturmuffen verbunden. Mit der Netzleitstelle und dem Bereitschaftsdienst könne im Störungsfall in Zusammenarbeit mit den kommunalen Krisenstäben schnell und flexibel reagiert werden, so Beck zum Vorgehen im Fall eines Blackouts.

„Zusätzlich zu den eigenen Mitarbeitenden hat die ENRW auch einen Bereitschaftsdienst mit einem leistungsfähigen Tiefbauer vereinbart, um im Notfall schnell die defekten Betriebsmittel freizulegen und zu reparieren.“

Notfallkonzept vorbereitet

Um einen stabilen Netzbetrieb zu gewährleisten seien ein solider Aufbau der Netzstruktur, die Vorhaltung von Ersatzteilen und geschultes Bereitschaftspersonal eine gute Basis.

Die Netzleitstelle der ENRW habe ein vorbereitetes Notfallkonzept, in dem alle wichtigen Partner und staatlichen Schnittstellen aufgeführt seien. „Beim Ausfall der Kommunikationsinfrastruktur kann sich die ENRW mittels Satellitentelefon mit den vorgelagerten Netzbetreibern abstimmen. Die neue Betriebsstelle in Neufra hat ausreichend Batteriespeicher und Notstromaggregate eingebunden, um einen unterbrechungsfreien Betrieb der Netzleitstelle und des Betriebes zu gewährleisten.“

ENRW beobachtet Entwicklungen in Berlin

Was nun den Fall in Berlin angehe, so beobachte die ENRW die Anschlagsserie dort schon seit Jahren und habe deshalb den Stromnetzausbau in den vergangenen Jahren deutlich verstärkt, teilt Katharina Beck mit. Größere Versorgungsunterbrechungen seien schon immer Thema beim internen Risikomanagementsystem der ENRW.

Im Fall eines Blackouts sollten sich Bürger an die Ratschläge des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe halten, rät Beck. Diese seien unter bbk.bund.de/DE/Warnung-Vorsorge/Stromausfall abrufbar.

Über Störungen im Versorgungsnetz könnten sich Bürger auf dem Störungsportal (enrw-stoerungsportal.de) und über die App „ENRW24h“ informieren. Die kostenlose Störungsnummer 0800/0 51 01 01 stehe zudem rund um die Uhr zur Meldung von Störungen zur Verfügung.

Und was ist im Fall eines Blackouts, der Internet und Mobilfunk lahmlegt? „Sollten digitale Kanäle eingeschränkt sein, kann die ENRW in Notfällen in Abstimmung mit den Kommunen die örtliche Feuerwehr bitten, die Bevölkerung mittels Lautsprecherwagen zu informieren.“