Während der Vesperkirche gibt es in der Kirchgasse in Rottenburg einen großen Bedarf an Parkplätzen. Foto: Daniel Begemann

Nach den Strafzetteln für sonntägliches Parken möchte die Stadt eine Lösung für Kirchgänger finden. Kirchenvertreter machen sich Sorgen, dass Besucher wegbleiben könnten.

Dass samstags und sonntags seit Beginn des Jahres das Parken vielerorts in Rottenburg nicht mehr kostenfrei ist, mussten Besucher der Vesperkirche im evangelischen Gemeindehaus schmerzlich erfahren: Sie erhielten sonntags Strafzettel, weil sie auf den öffentlichen Parkplätzen in der Kirchgasse geparkt hatten, wohl in dem Glauben, dass das Parken frei wäre. Die Kritik, die ein betroffener Autofahrer äußert, lautet: Ehrenamtlich Engagierte und Besucher der Vesperkirche, einer dreiwöchigen Sozialaktion, müssen jetzt für das Parken bezahlen.

 

Die Stadt Rottenburg äußert sich nach unserer Berichterstattung über die sonntäglichen Strafzettel erneut. Birgit Reinke, Leiterin des Amt für Öffentlichkeitsarbeit und Bürgerengagement, sagt unserer Redaktion: „Wie schon mitgeteilt, sind nicht wirklich viele Beschwerden bei uns eingegangen. Allerdings nehmen wir natürlich auch wahr, dass insbesondere die Parkgebühren am Sonntag auf Unmut und Unverständnis stoßen; auch wenn es mit großer Mehrheit und wissend, dass der Sonntag für Kirchgänger betroffen sein würde, vom Gemeinderat beschlossen wurde. Es wird nun noch entsprechend nach einer Lösung für die sonntäglichen Kirchgänger gesucht.“

Wie eine Sonntagslösung für das Parken aussehen könnte und ob darüber noch einmal im Gemeinderat beraten wird, sei noch nicht klar. Reinke sagt: „Dazu gibt’s noch nichts Genaues und es ist bislang eine verwaltungsinterne Überlegung; eben aufgrund der Wahrnehmungen.“

Pfarrer äußern sich

Von kirchlicher Seite sei wegen der Parkgebühren bislang niemand konkret auf die Stadt zugekommen, bestätigt Reinke. Dass die neue Parkordnung aber sowohl die katholische wie auch die evangelische Kirche in Rottenburg beschäftigt, zeigt eine Umfrage unserer Redaktion unter Kirchenvertretern. Dompfarrer Klaus Rennemann sagt: „Zum Thema der Parkgebühren am Sonntag im Stadtgebiet von Rottenburg kamen bislang keine Rückmeldungen von Kirchenbesuchern. Wir stellen aber fest, dass die freien Parkmöglichkeiten rund um die Morizkirche mehr benutzt werden. Ich selbst bedauere die Parkgebühren am Sonntag sehr. Da wir in der Domkirche sowohl im Hochamt am Vormittag, wie auch in der Abendmesse bisher viele auswärtige Gottesdienstbesucher hatten, und auch viele Gäste zu den Kirchenkonzerten in der Innenstadt gerne kommen, kann es sein, dass diese in Zukunft weniger werden. Zudem werden wohl die freien Parkmöglichkeiten mehr genutzt und damit die kleinen Straßen mehr belastet werden.“

Auch die evangelische Pfarrerin Regina Fetzer, zuständig für das Pfarramt Rottenburg-West, äußert sich: „Normalerweise reichen bei den Gottesdiensten unsere eigenen Parkplätze aus, aber bei der Vesperkirche ist es natürlich nicht schön, wenn selbst ehrenamtliche Mitarbeiter auch am Wochenende zahlen müssen.“

Kritik an der Politik

Im Zusammenhang mit der Parkraumbewirtschaftung äußert sie Kritik an der Politik über die Stadtgrenze hinaus. Sie meint: „Man kann sich insgesamt schon fragen, was die Politik will. Ist das alles so durchdacht? Zum einen setzen wir im Land absolut auf die Autoindustrie, es werden Kaufprämien für E-Autos gegeben, die nachweislich vor allem die Besserverdienenden betreffen. Dann wird ganz aktuell geschaut, wie die Kosten für den Führerschein gesenkt werden können. Und daneben eben für die Autobesitzer teure Parkraumbewirtschaftung eingeführt beziehungsweise ausgedehnt. Wie passt das alles zusammen?“

Eigene Lösung während Vesperkirche

Während der Vesperkirche, die drei Wochen im evangelischen Gemeindezentrum stattfand, hatte die Kirchengemeinde für die vielen Parker eine eigene Lösung gefunden: Auf dem Kirchengrundstück wurden die parkenden Autos, die teilweise außerhalb von gekennzeichneten Plätzen standen, nicht kontrolliert. Ehrenamtliche Mitarbeiter und Besucher hatten jeden freien Quadratmeter genutzt, um ihre Fahrzeuge abzustellen.