Nachdem zu Beginn der Woche bereits die Priorisierung gefallen war, hat die Ständige Impfkommission am Donnerstag die Corona-Impfung für Jugendliche ab zwölf Jahren mit schweren Vorerkrankungen empfohlen. Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Corona: Termine für Jugendliche mit schweren Erkrankungen können in Praxen vereinbart werden

Ortenau - Die Ständige Impfkommission hat am Donnerstag die Corona-Impfung für Jugendliche mit schweren Vorerkrankungen empfohlen. Alle anderen sollten demnach lieber noch warten. Die Ortenauer Kinder- und Jugendärzte begrüßen diesen Schritt.

"Das Warten lohnt sich", betonen etwa die Ärzte Markus Wössner und Christof Wettach stellvertretend für die Ortenauer Kinder- und Jugendmediziner. Dass die Coronaimpfung bei Erwachsenen einen sehr guten Nutzen bei wenigen schweren Nebenwirkungen hat, konnte in den letzten Monaten gezeigt werden. Daher mache es Sinn, Erwachsene großzügig und rasch zu impfen, erklären sie in einer Pressemitteilung.

Anders sehe es bei den Jugendlichen aus: Für Impflinge zwischen 12 und 17 Jahren konnte dieser Beweis aufgrund geringer Impfzahlen bislang nicht sicher erbracht werden. Daher habe die ständige Impfkommission (Stiko) empfohlen, bei gesunden Jugendlichen und auch Jugendlichen mit einfachen chronischen Erkrankungen zunächst auf eine Impfung zu verzichten, bis weitere Daten vorliegen, erklärt Wettach im Gespräch mit unserer Zeitung. Der Lahrer Arzt ist unter anderem Teil des Leitungsteams der Ortenauer Kinder- und Jugendmediziner.

Die Empfehlung umfasst explizit Jugendliche ab 12 Jahren, die an "schweren chronischen Erkrankungen" wie starkem Übergewicht, schweren Herz- und Lungenveränderungen, schlecht eingestelltem Diabetes mellitus, Tumoren und Immunschwäche, Niereninsuffizienz, neurologischen oder muskulären Erkrankungen oder Chromosomen-Erkrankungen wie Trisomie 21 leiden.

Impfung für Kinder und Jugendliche in den Praxen

Bindend ist die Empfehlung der Stiko nicht, die Ortenauer Kinder- und Jugendärzte wollen sich jedoch danach richten: "Da Empfehlungen der Stiko den aktuellen medizinischen Standard festlegen, orientieren wir als Kinder- und Jugendärzte uns daran", heißt es in der gemeinsamen Mitteilung.

Das Landesgesundheitsministerium Baden-Württemberg wollte derweil die Impfung von Kinder und Jugendlichen ebenfalls nicht uneingeschränkt empfehlen und schloss sich der Vorgabe der Stiko an. Demnach dürfen sich die 12- bis 17-Jährigen sowohl in den Arztpraxen als auch in den Impfzentren piksen lassen.

"Die Impfzentren wollen die Freigabe für Kinder bei sich aber nicht", konstatiert Wettach gegenüber unserer Redaktion. Sie seien nicht dafür eingerichtet, die Jugendlichen im Zweifelsfall zu versorgen. "Die Impfungen können für Jugendliche mit chronischen Krankheiten direkt in den betreuenden Praxen vereinbart werden. Es stehen genügend Termine für eine zeitnahe Impfung zur Verfügung", betont Wettach.

Das begrüßt auch die medizinische Leiterin der Impfzentren, Doris Reinhardt: "Wir sind sehr froh, dass die Impfungen dieser Kinder und Jugendliche in den nächsten Wochen in den vertrauten Praxen gewährleistet sind. Das ist sicher auch im Interesse der Eltern."

Jugend- und Hausärzte stehen für die Beratung zur Verfügung

Grundsätzlich bestehe – nach einer Klärung im persönlichen Gespräch – auch die Möglichkeit, gesunde Jugendliche zwischen 12 und 17 Jahren zu impfen, ergänzt Wettach und betont: "Falls es Fragen der Jugendlichen und deren Eltern zur persönlichen Risikoeinschätzung und Impfempfehlung gibt, stehen sowohl die Kinder- und Jugendärzte als auch die Hausärzte gerne für ein Gespräch zur Verfügung."

Von einem Ansturm auf die Praxen geht Wettach derweil nicht aus. "Wir hatten schon allerlei Anfragen in den letzen Wochen", berichtet er aus seiner Lahrer Praxis. Die habe er bis zu Stiko-Empfehlung vertröstet. Nun werde sein Praxisteam die schwer chronisch-kranken Patienten gezielt ansprechen.

Da monatlich neue Daten erfasst werden, sei es zudem durchaus möglich, dass die Empfehlung im Laufe der nächsten Monate angepasst werden wird, so das Fazit der Mediziner.

Rund eine halbe Million Jugendliche bundesweit sollten sich gemäß der Stiko-Empfehlung wegen besonderer Risiken gegen das Coronavirus impfen lassen, berichtet die Deutsche Presseagentur am Freitag. Das gehe aus Berechnungen des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung in der Bundesrepublik hervor. Etwa elf Prozent aller Jugendlichen in Deutschland seien in der fraglichen Altersgruppe und wiesen mindestens eines der Risikomerkmale auf. "Bei gesetzlich Versicherten ergeben sich bundesweit etwa 402 000 Impflinge", teilte das Institut am Freitag in Berlin mit. "Unter Berücksichtigung der Privatversicherten sind bundesweit etwa 452 000 potenzielle Impflinge betroffen."

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