Spektakuläre Anlieferung per Kran: Ein Geldautomat im Dosen-Design wurde bereits am Mittwoch auf sein Betonfundament in Niederschopfheim gehoben. Foto: Volksbank Lahr

Nach reihenweise Automatensprengungen nimmt das Lahrer Geldinstitut zwei weitere Standorte wieder in Betrieb – in Allmannsweier und Niederschopfheim. Für Sulz sieht es indes schlecht aus, wie Vorstandschef Peter Rottenecker erklärt.

September 2022: Mietersheim – Dezember 2022: Grafenhausen – August 2023: Allmannsweier – Oktober 2023: Sulz und Niederschopfheim – Februar 2024: Rheinhausen. Sechs Geldautomaten der Lahrer Volksbank sind in den vergangenen gut zwei Jahren in die Luft geflogen. Dazwischen und danach hat es auch bei anderen Banken in der Region geknallt. Eine Horrorserie.

 

Möglicherweise sind es die seit Juni laufenden Grenzkontrollen zu Frankreich, die die Panzerknacker-Banden fernhalten, vielleicht fürchten sich die meist aus den Benelux-Ländern stammenden Ganoven auch vor verstärkten Maßnahmen der hiesigen Polizei.

Jedenfalls ist er „froh darüber, dass es momentan bei uns ruhig ist“, sagt Voba-Chef Peter Rottenecker – um sofort gedanklich auf Holz zu klopfen, denn: „Wir haben keine Garantie, dass es so bleibt.“

Neues Design soll es Automatensprengern schwer machen

Auch nicht bei zwei Geldautomaten, die nun frisch wieder aufgebaut wurden, in Allmannsweier und Niederschopfheim, jeweils an einem Edeka-Markt der Firma Kohler. Während das Gerät in Schwanau klassisch ins Gebäude integriert wurde, gibt es in Hohberg einen echten Hingucker: Der Automat auf dem Parkplatz – bestens von der B 3 aus zu sehen – erinnert in Form und Farben an eine übergroße Cola-Dose.

Tatsächlich, erklärt Rottenecker, steckt der Rund-Pavillon, der nach einem sechsmonatigen Baugenehmigungsverfahren am Mittwoch mittels Spezialkran auf sein Betonfundament gesetzt wurde, „voll moderner Technik“. Unter anderem hochsensible Farbpatronen und Verstrebungen aus Stahl sollen es Automatensprengern so schwer wie möglich machen, Zählbares herauszuholen.

„Geld-Dose“ geht Anfang kommender Woche in Betrieb

Bankkunden müssen sich noch gedulden, ab Anfang kommender Woche geht die „Geld-Dose“ rund um die Uhr in Betrieb. In Allmannsweier kann man sich schon seit Mitte des Monats wieder mit frischen Scheinen versorgen, allerdings nur in der Zeit zwischen 6 und 23 Uhr. In der Nacht geht ein schwerer Rollladen vor dem Automaten nieder.

Edeka-Geschäftsführer Gerd Kohler (von links), Voba-Chef Peter Rottenecker und Hohbergs Bürgermeister Andreas Heck freuten sich am Donnerstag über den neuen Geldautomaten in Niederschopfheim. Foto: Bender

Gerd Kohler von der gleichnamigen Edeka-Gruppe zeigt sich erfreut über die Rückkehr der Geldautomaten an seine Märkte. Zwar können Kunden seit Längerem beim Einkauf an der Kasse Geld abheben, aber maximal bis 200 Euro. „Es gibt einige, die mehr brauchen, da passt das Angebot jetzt wieder.“ Wie Rottenecker hofft Kohler, dass es weiter ruhig bleibt. „Bislang ist zum Glück niemand verletzt worden.“

Der Schaden, der der Volksbank durch die sechsteilige Sprengserie entstanden ist, ist freilich immens. Auf rund 1,5 Millionen Euro beziffert ihn der Vorstandsvorsitzende. Wobei „ein sehr großer Teil Gebäudeschäden“ seien. Wie hoch die Beute war, will Rottenecker erwartungsgemäß nicht verraten. Nur so viel: „An Geld gelangten die Räuber wenig.“

Im Lahrer Stadtteil ist die Frequenz zu gering

Vor Allmannsweier und Niederschopfheim war die Volksbank bereits nach Grafenhausen zurückgekehrt. Im Mietersheimer Fachmarktzentrum ist die Bargeldversorgung auch ohne einen Voba-Automaten gesichert. Ganz anders in Sulz.

Nachdem es im Oktober vergangenen Jahres beim Mitbewerber geknallt hatte, baute auch die Sparkasse ihr Geldausgabegerät im größten Lahrer Stadtteil ab – aus Sicherheitsgründen, wie es damals hieß. Nun möglicherweise aufkeimende Hoffnungen der Sulzer, die Niederschopfheimer Lösung könnte auch eine Option für ihren Ort sein, erteilt Rottenecker direkt eine Absage: Zwar könnte man die „Geld-Dose“ theoretisch fernab der Wohnbebauung aufbauen und so das Risiko minimieren, dass bei einer neuerlichen Sprengstoffattacke Menschen gefährdet werden, jedoch: „Der Pavillon hat uns rund 80 000 Euro gekostet. In Sulz würde sich eine solche Investition nicht lohnen, dafür ist schlicht die Frequenz zu gering.“

Seltenes Urteil

Die hochprofessionell agierenden Geldautomatensprenger werden selten erwischt. Ausnahme: Im Sommer verurteilte das Landgericht Bamberg 15 Männer aus den Niederlanden und Belgien zu Freiheitsstrafen bis zu knapp sechs 6 Jahren. Sie sollen bundesweit Automaten in die Luft gesprengt haben – darunter den der Volksbank in Grafenhausen.