Des Rätsels Lösung? Das Gemälde des Onstmettinger Malers Hans Lang, das die Hossingerin Dorothea Wendel vor Monaten im Sperrmüll entdeckte, zeigt wahrscheinlich den Ebinger Unternehmer Carl Maag und seine Frau Myrtha. Foto: (sb)

Gemälde des Onstmettinger Malers könnte Unternehmerpaar zeigen. Leser helfen bei Lösung.  

Des Rätsels Lösung? Das Gemälde des Onstmettinger Malers Hans Lang, das die Hossingerin Dorothea Wendel vor Monaten im Sperrmüll entdeckte, zeigt wahrscheinlich den Ebinger Unternehmer Carl Maag und seine Frau Myrtha. Bei der Lösung haben Leser des Schwarzwälder Boten mitgeholfen. Wie? Das verraten wir in unserem (SB+)Artikel.

 

Albstadt-Ebingen - Vor vier Monaten war Dorothea Wendel auf einem Haufen Sperrmüll, der in der Ebinger Rossgasse auf seinen Abtransport wartete, ein Objekt aufgefallen, das da nach ihrem Dafürhalten nicht hingehörte: ein Ölgemälde mit der Signatur "H. Lang 78" am rechten unteren Bildrand.

Dorothea Wendels Mann Michael ist selbst Kunstmaler; die Wendels sind mit den künstlerischen Hervorbringungen der Region wohlvertraut.

Dieses Bild stammte ganz eindeutig aus der Produktion des nicht ganz unbedeutenden Onstmettingers Hans Lang; es zeigte ein gut situiertes älteres Paar, ganz offensichtlich Eheleute. Auf dem Sperrmüll, fand Dorothea Wendel, hatte es nichts verloren.

Wer ist das Paar?

Wo war das Bild hergekommen? Und wer ist das Paar? Mit letzterer Frage wandte sich Dorothea Wendel an den Schwarzwälder Boten, und der gab sie in seiner Ausgabe vom 6. Oktober weiter an seine Leser. In der Tat meldeten sich einige, aber die meisten hatten offenbar die Zahl 78 übersehen und nicht in Rechnung gestellt, dass das Bild über 40 Jahre alt war: Ihre Kandidaten mochten eine Generation später durchaus Ähnlichkeit mit dem porträtierten Paar haben, aber 1978 hatten sie gewiss anders ausgesehen.

Ein Hinweis freilich erschien vielversprechend, und zwar umso mehr, weil er aus berufenem Munde kam: Volker und Rüdiger Lang, die Söhne Hans Langs, glauben sich an das Bild erinnern zu können: Es zeige ein Ehepaar Maag aus Albstadt, ließen sie den Schwarzwälder Boten wissen. Erschöpfend war diese Auskunft aber noch nicht – Ehepaare mit Namen Maag gab und gibt es in Albstadt und seinem Umland einige.

Der Schwarzwälder Bote wandte sich deshalb an einen ausgewiesenen Kenner der Ebinger Stadt- und auch Firmengeschichte und erhielt von ihm einen wertvollen Hinweis: wahrscheinlich Carl Maag – "aber wenn Sie es genauer wissen wollen, fragen sie Fritz Maag, den Neffen!"

Das tat der Schwarzwälder Bote – und erhielt von Fritz Maag, dem früheren Geschäftsführer und Mitinhaber der Firma Friedrich Maag, die Bestätigung: Ja, das seien Carl Maag und seine Frau Myrtha, eine geborene Blickle aus dem Haus "Blickle’s Wwe". Carl Maag hatte die von seinem Vater Friedrich Maag gegründete gleichnamige Firma nach dem Krieg gemeinsam mit seinem Bruder, dem "älteren" Fritz Maag geführt; 1978 als Langs Gemälde entstand, war er 79 oder 80 Jahre alt, die man ihm auf dem Bild ebenso wenig ansieht wie Myrtha Maag ihre 74.

Woher stammt die Vorlage?

Ein bebilderter Bericht ist damals nicht in der Zeitung erschienen – aber wo hat Hans Lang dann die Vorlage her?

Was weitgehend im Dunkeln bleibt, ist die Entstehungsgeschichte des Bildes. Laut Volker Lang ist es wahrscheinlich nicht wie üblich im Zuge mehrerer Sitzungen entstanden, sondern von einem Zeitungsfoto abkonterfeit worden – dass die Zeitungen in Albstadt 1978 noch ausschließlich schwarz-weiß druckten, verschlug nichts; Probleme dieser Art, versichert Volker Langs Frau Gabriele, habe ihr Schwiegervater spielend gemeistert.

Es war mit Sicherheit keine Auftragsarbeit: Carl Maag zählte den Landenberger-Schüler Peter Jakob Schober zu seinen Freunden, der unter anderem Theodor Heuss und die baden-württembergischen Ministerpräsidenten Gebhard Müller und Hans Filbinger porträtiert hatte – für Porträtaufträge dürfte Schober seine erste Wahl gewesen sein.

Laut Volker Lang hat er dessen Vater dennoch das Porträt abgekauft, als es ihm angeboten wurde – wie Lang und Fritz Maag übereinstimmend annehmen deshalb, weil er vermeiden wollte, dass jemand anders es bekam. Was ein wenig irritiert: Weder anlässlich des 80. Geburtstags von Carl Maag noch der Goldenen Hochzeit der Maags waren seinerzeit bebilderte Zeitungsberichte erschienen – woher Hans Langs Foto stammte, ist ungeklärt.

Und woher das Bild im Sperrmüll, ebenso. Man kann nur spekulieren; das mag Fritz Maag nicht tun und der Schwarzwälder Bote auch nicht. Bleibt die letzte Frage: Was wird jetzt aus dem Kunstwerk? Auch sie ist offen. Fritz Maag erhebt keine Besitzansprüche, die Familie Lang – verkauft ist verkauft! – ebenso wenig. Bis auf weiteres wird es jetzt wohl bei Dorothea Wendel bleiben. Und warum nicht? Ohne sie wäre es sicher nicht mehr da.