Wissenschaftsministerin Olschowski beauftragt eine Ex-CDU-Politikerin mit der Aufarbeitung der Vorgänge um heimliche Videoaufnahmen.
Wie ist die Universität Freiburg mit dem Fall eines ehemaligen Mitarbeiters umgegangen, der hunderte von Frauen heimlich in intimen Situationen gefilmt hatte? Das lässt das Wissenschaftsministerium von Petra Olschowski (Grüne) jetzt, wie angekündigt, von einer externen Fachfrau untersuchen.
Mit der Aufgabe wurde die Ex-Richterin und frühere niedersächsische Justizministerin Barbara Havliza (CDU) betraut, die heute Opferschutzbeauftragte des Landes Nordrhein-Westfalen ist. Die 68-Jährige solle sofort die Arbeit aufnehmen und bis Ende Oktober ihren Bericht vorlegen, verlautete aus dem Ressort.
Unmut über Informationspolitik der Unispitze
Der bereits vor zwei Jahren aufgedeckte Fall war erst im März durch einen Strafprozess breit bekannt geworden, bei dem der einstige Studienberater zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden war. Der Mann hatte Studentinnen mit versteckten Kameras nicht nur in einer von ihm vermieteten Wohnung gefilmt, sondern auch in Räumen der Uni. Betroffen waren zudem drei Kolleginnen auf einer Dienstreise.
Über die Informationspolitik der Unispitze unter der kürzlich wiedergewählten Rektorin Kerstin Krieglstein hatte es erheblichen Unmut gegeben. Ihr wurde vorgeworfen, zu spät und unzureichend über die Vorgänge informiert zu haben und Betroffenen nicht genug Unterstützung geboten zu haben. Die Uni-Führung hatte zum einen auf rechtliche Gründe verwiesen. Zum anderen will sie selbst nicht ausreichend informiert worden sein. Diesen Vorwurf hatte die inzwischen gekündigte Personalchefin in einer Stellungnahme an die Uni-Gremien öffentlich gemacht – und ihm zugleich vehement widersprochen.
Ministerin Olschowski fordert Aufarbeitung
Bei einem Besuch in Freiburg hatte Ministerin Olschowski kritische Töne angeschlagen. In einem Interview mit der „Badischen Zeitung“ hatte sie gefordert, die Abläufe der vergangenen zwei Jahre an der Uni müssten „an verschiedenen Stellen kritisch hinterfragt“ werden. So sei zu klären, ob Warnzeichen früh genug wahrgenommen wurden, rechtzeitig reagiert und angemessen kommuniziert wurde. Sie selbst wäre gerne früher informiert worden, hatte die Grüne gesagt.
Mit der Bestellung von Havliza folgt das Ministerium nach eigenen Angaben einem Vorschlag aus dem Universitätsrat. Die Juristin bringe mit ihrem Erfahrungshintergrund alles mit, um die Vorgänge in Freiburg zu klären. Kritiker der Informationspolitik der Uni fragen allerdings, ob dafür wirklich ein halbes Jahr notwendig sei. Die Fakten lägen schließlich auf dem Tisch und seien gut dokumentiert.