Handball-Historie in Balingen: Im August 2023 wurde hier erstmals der Videobeweis eingesetzt. Auch in Liga zwei sollen die Schiedsrichter schon bald den Videobeweis als Hilfsmittel bekommen. Foto: Eibner-Pressefoto/Eibner Pressefoto / Oliver Schmi

Nachdem Lübeck gegen Dresden das entscheidende Tor mit acht Spielern auf dem Feld erzielt hat, sind in der zweiten Handball-Bundesliga die Diskussionen über eine Regeländerung in vollem Gange. Unsere Redaktion hat beim HBW nachgefragt, wie man zur Einführung des Videobeweises im Unterhaus steht.

Es war der 27. August 2023, als in Balingen Handball-Geschichte geschrieben wurde. Erstmals nach seiner Einführung zur Saison 2023/24 wurde im deutschen Handball der Videobeweis genutzt.

 

Erster Videobeweis der Bundesliga-Geschichte in Balingen

In der 27. Minute hatte der Kieler Magnus Landin Jacobsen den damiligen „Gallier“ Oddur Grétarsson geschubst. Nach Ansicht der Video-Bilder entschieden die Schiedsrichterinnen Tanja Kuttler und Maike Merz auf Tätlichkeit und schickten ihn mit Rot vom Feld.

In der Bundesliga funktioniert der Videobeweis ohne größere Probleme

Seit kommt der Videobeweis in der Handball-Bundesliga zum Einsatz, im Gegensatz zum Fußball ohne große Störgeräusche. In der zweiten Liga, in der der HBW Balingen-Weilstetten nach dem Abstieg spielt, sind die Unparteiischen allerdings auf sich alleine gestellt, den Videobeweis gibt es hier nicht – noch nicht.

Die Handball-Szene diskutiert über den Videobeweis

Denn genau das könnte sich schon bald ändern, seit einigen Tagen wird intensiv über die schnelle Einführung des Videobeweises in der zweiten Handball-Bundesliga diskutiert. Eigentlich erst ab 2030 geplant, wolle man ihn nun schon für die neue Saison anbieten, kündigte Frank Bohmann, Geschäftsführer der Handball-Bundesliga (HBL), an. Auslöser für die Debatte sind mehrere Vorfälle in den vergangenen Wochen, bei denen acht Spieler gleichzeitig auf dem Feld standen.

„Skandalspiel“: Lübeck gleicht in letzter Sekunde mit acht Spielern aus

Im letzten Angriff der Partie zwischen dem VfL Lübeck-Schwartau und dem HC Elbflorenz Dresden waren beim VfL acht Feldspieler auf dem Feld, der 33:33-Ausgleich für den VfL war daher eigentlich irregulär. Da der Fehler jedoch erst im Nachhinein bei der Ansicht der Fernsehbilder aufgedeckt wurde und Dresden auf einen Einspruch verzichtete, hat das Ergebnis Bestand – zahlreiche Medien sprachen hinterher von einem „Skandalspiel“.

Abstiegskampf könnte dadurch beeinflusst werden

Besonders pikant: Lübeck befindet sich – wie die halbe Liga – voll im Abstiegskampf, der Punkt könnte am Ende der Saison also den Ausschlag über Abstieg oder Klassenerhalt geben.

Die Infrastruktur für den Videobeweis ist in Balinger Halle schon seit der Einführung in der Bundesliga vorhanden. Foto: Eibner-Pressefoto/Eibner Pressefoto / Oliver Schmi

Verein weist Unterstellungen zurück

Immerhin: Der achte Spieler sei „nicht vorsätzlich“ aufs Feld geschickt worden, hieß es in einer Stellungnahme des Vereins. Vielmehr habe weiterer Spieler, der nicht für die Offensivaktion eingeplant war, nach der Auszeit nicht das Spielfeld verlassen, beschreibt der Verein die hektische Schlussphase. Und: „Der VfL Lübeck-Schwartau weist in aller Deutlichkeit jegliche Unterstellung zurück, es habe sich um eine vorsätzliche Handlung gehandelt. Diese Annahmen entbehren jeder sachlichen Grundlage“, schrieb der Zweitligist.

Auch in weiterem Spiel ein achter Mann auf dem Feld

Dass jedoch kurz darauf auch beim Duell zwischen dem TuS Ferndorf und dem ASV Hamm-Westfalen ein achter Spieler auf dem Feld war, sorgte in der Szene für weitere Diskussionen.

Meeting der Zeitnehmer und Sekretäre

Die Liga-Verantwortlichen sahen sich zum Handeln gezwungen. Die Zeitnehmer und Sekretäre wurden nochmals sensibilisiert – und die Diskussion über die schnelle Einführung des Videobeweises wurde eröffnet.

Das sagt der HBW Balingen-Weilstetten

„Was den Videobeweis angeht, stehen die HBL und die Vereine der 2. Liga bereits seit längerer Zeit in Kontakt – nicht erst jetzt und nicht nur, weil jüngst Fehler aufgedeckt wurden“, sagt Heinrich Müller, Pressesprecher beim HBW Balingen-Weilstetten, auf Anfrage unserer Redaktion dazu.

HBW: Videobeweis hilft nur, wenn Fehler direkt entdeckt wird

Er verweist außerdem darauf, dass der Videobeweis nur dann helfe, „wenn der Wechselfehler in unmittelbarem Zusammenhang festgestellt wird und die Schiedsrichter den Videobeweis zurate ziehen können“. Außerdem gibt er zu Bedenken: „Wenn aber weder die Schiedsrichter noch die Zeitnehmer/Sekretäre oder die gegnerische Mannschaft den Fehler während des Spiels entdecken (siehe Lübeck gegen Elbflorenz), hilft der Videobeweis auch nicht mehr.“

Infrastruktur in Balinger Halle ist vorhanden

Aber: „Der HBW steht dem Videobeweis in der zweiten Liga völlig offen gegenüber.“ Die Infrastruktur in der Halle ist bereits vorhanden, das weiß seit dem 27. August 2023 nicht nur Magnus Landin.