Das Ergebnis lässt die Emotionen höherkochen, denn die Sehnsucht nach einem deutschen Darts-Märchen ist groß. Der Freudenstädter Experte Robert Marijanovic schätzt den Auftaktsieg von Gabriel Clemens ein.
Mit einem klaren 3:0 hat der "German Giant", wie Gabriel Clemens in der Darts-Szene genannt wird, seinen irischen Kontrahenten William O’Connor von der Bühne im Alexandra Palace gefegt. Dabei überzeugte der 39 Jahre alte Saarländer nicht nur mit einem Average von rund 96 Punkten, sondern sorgte auch mit zwei spektakulären High-Finishes für ordentlich Aufsehen bei den Zuschauern.
Großer Auftritt gegen Peter Wright
Clemens, der aktuell auf Platz 25 der Weltrangliste geführt wird, gilt schon seit Langem als bester deutscher Darts-Spieler. Seinen ersten großen Auftritt bei der Weltmeisterschaft hatte der 39-Jährige vor zwei Jahren, als er den aktuellen schottischen Titelträger Peter Wright in Runde drei aus dem Turnier nehmen konnte. Eine Runde später im Achtelfinale war dann allerdings Schluss. Bis heute immer noch das beste Abschneiden des "German Giant" beim wichtigsten Darts-Turnier des Jahres, denn im vergangenen Jahre musste Clemens nach einem enttäuschenden 0:4 gegen Jonny Clayton schon eine Runde früher die Segel streichen.
Trotz seines Überraschungssiegs von vor zwei Jahren gegen Wright hat Clemens den durchaus hohen Erwartungen seitdem nicht wirklich gerecht werden können. Bei der Vielzahl der größeren und besser dotierten Turniere musste der 39-Jährige regelmäßig früh die Koffer packen. Auch bei kleineren Turnieren auf der PDC-Tour konnte sich Clemens bisher nicht die Krone aufsetzen. Generell ist Max Hopp, der bei dieser WM erneut nicht am Start ist, der einzige Deutsche, der bis heute ein PDC-Turnier gewinnen konnte. Landsmann Martin Schindler, der am Freitag (20.00 Uhr) gegen Martin Lukeman ins Turnier startet, glaubt, dass das auch am großen Druck von außen liegt. "Es ist von der Psyche her gar nicht so einfach, wenn man gefeiert wird, als wäre man der Größte, obwohl man im Darts noch einige Schritte nach oben braucht", erklärte der 26-Jährige
Robert Marijanovic erinnert sich an das Aufeinandertreffen
Sport1-Experte Marijanovic ist dennoch guter Dinge und fühlt sich angesichts der starken Leistung in der Zeit zurückversetzt. "Ich glaube, das war der zweitbeste Auftritt von Clemens nach seinem Sieg gegen Wright. Die Zeit erinnert auch wieder ein bisschen an so einen glorreichen Moment", sagt Marijanovic.
Durch den Sieg dürfte der eine oder andere deutsche Fan auf jeden Fall schon jetzt ins Träumen kommen, denn bisher hat es bei der WM keiner weiter als ins Achtelfinale geschafft – die Sehnsucht nach einem deutschen Darts-Märchen ist durchaus zu spüren. Auch der Freudenstädter Sport1-Experte hatte Clemens im Vorfeld der Weltmeisterschaft einiges zugetraut. Bezüglich der starken Leistung des "German Giant" sagt er unserer Redaktion: "Ich finde, Clemens hat seine Favoritenrolle gut angenommen. Das war ein sehr souveräner und überzeugender Auftritt. Er hat auch die Fehler von O’Connor gut ausgenutzt."
Nächstes Spiel ist nach Weihnachten
Der Saarländer sprach nach dem überzeugenden Auftritt selbst von einem Auftakt nach Maß und erklärte: "Das ist ein Spiel, wie ich es mir erhofft habe. Ich bin absolut glücklich und froh. Die Statistiken sind nicht so wichtig. Es zählt nur, eine Runde weiter zu sein", sagte Clemens nach dem Spiel bei Sport1. Vor der Pause rund um die Feiertage fügte er an: "Jetzt freue ich mich auf Weihnachten." Für den 39-Jährigen geht es über die Feiertage in die saarländische Heimat, ehe er am 27. Dezember wieder im "Ally Pally" zu seinem Drittrundenmatch antritt.