Hatte eine erfolgreiche Zeit beim SC Lahr: Oliver Dewes. Foto: Heck

Seit der Gründung hatte der SC Lahr nur einen Trainer: Oliver Dewes. Am Samstag steht er zum letzten Mal bei einem Heimspiel an der Seitenlinie.

Vier Spiele sind noch zu absolvieren, dann endet beim SC Lahr die Ära von Oliver Dewes. Am Samstag wird er das letzte Mal bei einer Heimpartie an der Dammenmühle an der Seitenlinie stehen, die Saison endet mit drei Auswärtsspielen. Um 15.30 Uhr ist das Schlusslicht aus Endingen zu Gast, trotz großer Personalsorgen will der SC Lahr Revanche für die Hinspielniederlage nehmen. Im Vorfeld der letzten Heimbegegnung hat sich die Lahrer Zeitung mit dem scheidenden Trainer über seine Zeit beim SC Lahr, seine Pläne für den Sommer und die persönlichen Ziele als Trainer unterhalten.

Herr Dewes, Sie stehen nun zum letzten Mal in einem Heimspiel des SC Lahr an der Seitenlinie. Wie fühlen Sie sich?

Sieben Jahre sind eine verdammt lange Zeit als Trainer bei einem Verein, natürlich ist das ein Einschnitt. Das weckt auf jeden Fall Erinnerungen an eine in Summe sehr gute Zeit. Denn ich war sieben Jahre sehr, sehr gerne Trainer des SC Lahr.

Was ist Ihre schönste Erinnerung aus dieser Zeit?

Der größte Erfolg – wenn man das so nennen darf – oder das beste Spiel war vielleicht das 4:0 im Pokal gegen den Oberligisten Villingen 2019. Das war schon ein starkes Stück. Ansonsten gibt es viele Situationen, in denen wir erfolgreich waren – dann aber auch Situationen, in denen es Rückschläge gab. Die gesamte laufende Saison war eigentlich von Rückschlägen gekennzeichnet – dennoch gibt es momentan ja sogar noch die Chance, die beste Platzierung des SC Lahr in der Verbandsliga zu erreichen. Das ist schon auch noch ein Ziel.

Und die schlechteste Erinnerung?

(Überlegt) Die schlechteste Erinnerung…

War es der Jahresauftakt gegen Kehl Ende Februar?

Nein, das würde ich nicht sagen. Vielleicht eher das Pokalhalbfinale gegen Oberachern, als wir gut gespielt haben und der Traum vom Finale knapp verfehlt wurde. Aber insgesamt würde ich das nicht an einem Spiel oder einem Moment festmachen. Ein bisschen schade war der Saisonabbruch im vergangenen Jahr, da standen wir in der Tabelle ziemlich gut und waren auch als Mannschaft ziemlich gut unterwegs.

In dieser Saison hatten Sie selbst gesagt, dass Sie so eine Verletzungsmisere noch nie erlebt haben.

Genau.

Sie sind kein Freund des Konjunktivs. Aber: Was wäre ohne die Ausfälle drin gewesen?

Ganz vorne dabei zu sein.

Sie sehen die diesjährige Mannschaft als eine der besten in der Verbandsliga?

Wären wir gewesen, ja.

Das wäre für Sie der perfekte Abschied gewesen.

Ja, aber es ist natürlich nicht nur für mich schade, sondern für den ganzen Verein, für die Spieler und alle Beteiligten. Klar denkt man da mit Wehmut daran, was gewesen wäre, wenn. Aber es ist ja nicht "Wünsch dir was".

Können Sie der Saison schon jetzt etwas Positives abgewinnen oder kommt das auf die Platzierung nach dem letzten Spieltag an?

Ich hatte das ja schon zu Beginn der Rückrunde gesagt: wenn ich an den Doppelspieltag kurz vor der Winterpause denke, als wir dann noch in Endingen verloren: Da musste ich Spieler aufs Feld schicken, wo man befürchten musste, dass sie sich noch mal verletzen werden. Da haben uns A-Jugendspieler ganz toll unterstützt. Und dafür ist die Saison voll okay.

Haben Sie denn schon geplant, was in Ihrem letzten Training passieren wird?

Nein, wir haben ja nach dem Wochenende noch drei Auswärtsspiele. Das letzte Heimspiel ist natürlich schon etwas Besonderes, aber wir wollen danach noch die bestmögliche Platzierung erreichen. Wenn das erreicht ist, dann ist irgendwann Feierabend.

Haben Sie sich als Trainer beim SC Lahr verändert?

Ich glaube, dass man sich im Idealfall immer weiterentwickelt. Mit jeder neuen Erfahrung wird man reifer und ruhiger – da hatte ich in dieser Saison auch viel Zeit, ruhiger zu werden und zu lernen, nicht die Nerven zu verlieren und besonnen zu bleiben. Aber ich bin noch genauso ehrgeizig und versuche nach wie vor, das Bestmögliche an die Mannschaft weiterzugeben. Inwieweit ich mich verändert habe, müssen andere sagen.

Wie sieht Ihr Plan für den Sommer aus, bevor es dann beim FSV Seelbach losgeht?

Na ja, zuerst Mal meine Hochzeit (lacht). Die steht natürlich im Moment im Vordergrund, danach werden wir drei, vier Tage verreisen. Anfang Juli geht’s ja auch schon in Seelbach los – der Sommer wird also kurzweilig.

Können Sie denn zwischen Saisonende und Hochzeit Fußball auch mal Fußball sein lassen?

Im Hinterkopf ist Fußball immer, es schlummert nur manchmal ein bisschen mehr oder weniger. Nach dem letzten Spieltag fahren wir eine Woche in Urlaub und werden da bestimmt nicht über Fußball reden.

Schauen Sie denn auch auf die Bezirksliga? Der Stand des SC Lahr II ist Ihnen bekannt, aber geht der Blick auch an die Spitze?

Also es wäre gelogen, wenn ich sagen würde, dass man nicht auf die Tabelle schaut. Aber es ist jetzt nicht so, dass ich mich damit intensiv beschäftige. Das hat aus meiner Sicht auch mit einer gewissen Professionalität zu tun. Der Verein, bei dem man momentan ist, hat Priorität. Daher gilt es ja auch jetzt, die U23 so stark wie möglich für den Abstiegskampf zu machen. Aber ich sage Mal: Als Fußballverrückter schaue ich mir auch die Tabellen der Landes- und Kreisliga A an.

Würde Sie sich als fußballverrückt bezeichnen?

Ja, absolut.

Wie sieht es mit Ihrer Weiterbildung aus? Sie haben die A-Lizenz und auch schon beim SC Freiburg hospitiert. Was ist in Zukunft geplant?

Das ist gar nicht so weit weg. Am 23. bis 25. Mai findet der Internationale Trainer-Kongress des Bundes Deutscher Fußball-Lehrer statt, dieses Mal in Freiburg. Der ist jedes Jahr und ich versuche, alle zwei Jahre hinzugehen. Natürlich muss man dafür ein bisschen Urlaub investieren aber der Kongress ist auch notwendig, um die Stunden zum Erhalt der A-Lizenz zu haben. Ich freue mich auf darauf, zu sehen, was es Neues gibt, das man auch ins Training integrieren kann.

Gibt es einen Profi-Trainer, der Ihr Vorbild ist?

(überlegt) Schwierig, das aus der Ferne zu sagen. Christian Streich hat mich in der Woche damals beeindruckt. Zu sehen, wie dort gearbeitet wird und was da hinten dran steht. Und gleichzeitig ist er sehr normal und angenehm im Umgang. Spontan würde ich sagen, dass auch Jürgen Klopp ein sehr, sehr guter Trainer ist, der aber sicher auch manchmal anders sein kann, als es im Fernsehen rüber kommt. Das geht ja gar nicht anders. Aber für mich kommt er authentisch rüber.

Ist Ihr Traum, mal in der Oberliga zu trainieren, denn noch aktuell?

Natürlich. Ich versuche eigentlich immer, die gesteckten Ziele zu erreichen. Als ich 2003 mit der C-Lizenz angefangen habe, hatte ich überlegt, wo kann man da so hingehen, wenn man das weiterverfolgt und es mehr recht als schlecht macht. Dann habe ich gesagt, dass Oberliga mit etwas mehr Aufwand als Verbandsliga noch machbar wäre. Warum sollte ich dieses Ziel ad acta legen?

Das ist aber schon eher Zukunftsmusik?

Ja, ich mache selten den zweiten Schritt vor dem ersten. Bis zum 4. Juni bin ich beim SC Lahr, dann ist dieses Kapitel vorbei und es geht mit dem neuen los: dieses Projekt heißt FSV Seelbach. Ich war auch noch nie ganz kurz bei einem Verein, sondern hatte immer längere Stationen. Das heißt also nicht, dass ich auf Teufel komm raus beim ersten Anruf aus der Oberliga – wenn er denn käme – dort hin gehen würde.

Hätte denn der Spieler Oliver Dewes gerne unter dem Trainer Oliver Dewes trainiert?

Nein, ganz sicher nicht. Als Stürmer hätte ich die Arbeit gegen den Ball, wie man heute so schön sagt, ungern gemacht. Aber der Fußball hat sich natürlich auch sehr verändert.

Noch eine Frage an Sie als HSV-Fan. Möchten Sie eine Prognose für den letzten Spieltag in der zweiten Bundesliga abgeben?

Ich habe ja schon vor Wochen gesagt, der HSV kommt in die Relegation (schmunzelt). Wenn es so kommt, würde mich das natürlich sehr freuen. Ob sie es dann in die Bundesliga schaffen: Ich weiß es nicht.  

Zur Person

Seit 2002 ist Oliver Dewes in der Ortenau als Trainer tätig. Bis 2007 war er beim FC Ottenheim, anschließend folgte ein halbes Jahr beim TGB Lahr, ehe er im Winter 2008 zum SC Sand wechselte. Im Jahr 2011 stieg er mit dem SCS aus der zweiten Bundesliga der Frauen in die Regionalliga ab, es folgte der direkte Wiederaufstieg. 2013 übernahm er die Spielvereinigung Lahr und stieg mit ihr 2014 in die Landesliga auf. 2015 wurde der heute 51-Jährige dann der erste Trainer des neu gegründeten Sportclubs Lahr. Dewes arbeitet bei einer Bank in Lahr, hat zwei Kinder und wohnt in Heiligenzell.

  
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