Thomas Strohäker vom Bahnhof 1872 in Nagold hat sehr schwierige Jahre hinter sich. Foto: Fritsch

Oft wurde die Mehrwertsteuersenkung für die Gastronomie als „Wahlgeschenk“ kritisiert. Eine Umfrage im Kreis Calw zeigt: Sie ist oft eine Sache des Überlebens.

Nur noch sieben statt 19 Prozent Mehrwertsteuer in der Gastronomie: Die Neuregelung ist bundesweit zum Jahresbeginn in Kraft getreten. Was aber bewirkt diese nicht ganz unumstrittene Maßnahme? Macht sie die Preise im Restaurant billiger? Rettet sie die Betriebe der Gastronomen und damit Arbeitsplätze? Wir haben mit mehreren Gastronomen aus dem Kreis Calw gesprochen.

 

Thomas Strohäker, Bahnhof 1872 in Nagold

Thomas Strohäker betreibt im ehemaligen Nagolder Bahnhofsgebäude ein Steakhaus mit dem Namen „Bahnhof 1872“. Zugleich ist er Vorsitzender des Wirtegruppe im Nagolder Gewerbeverein.

Für ihn und seinen Betrieb waren die vergangenen Jahre „sehr schwierig“, wie er im Gespräch mit der Redaktion erzählt. Er habe mit Umsatzrückgängen im zweistelligen Bereich zu kämpfen gehabt. Das sei nichts anderes als „existenzbedrohend“ gewesen, so Strohäker weiter.

Die jetzt umgesetzte Senkung der Mehrwertsteuer auf Speisen sei alles andere als ein Geschenk oder eine Möglichkeit der Bereicherung, sie sei unter den gegebenen Umständen eine „Überlebenshilfe“ für seinen Betrieb. „Dadurch werden wir nicht reich“, stellt er klar. „Die Senkung sichert Existenzen und verhindert weitere Preiserhöhungen.“ Die Entlastung komme zudem gar nicht beim Gastronomen an, sie werde durch die aktuelle Erhöhung des Mindestlohns quasi „aufgefressen“. Thomas Peter ist ein alter Hase in der Gastronomie. Seit 1989 betreibt er im Herzen Calws das Restaurant „Zum alten Calwer“.

Familienbetrieb seit über 100 Jahren aktiv

Das Lokal ist seit über 100 Jahren ein Familienbetrieb und war von 1898 bis 1976 bekannt als das „Obere Ledereck“. Die Gäste wurden schon vom Ururgroßvater, Urgroßvater, Großvater und Vater des heutigen Besitzers versorgt.

Thomas Peter führt einen Familienbetrieb. Foto: Fritsch

Auch er berichtet von Schwierigkeiten: „Wir sind schon am Strampeln“, muss er zugeben. Die Entlastung durch die Mehrwertsteuersenkung hat er zu einem gewissen Teil dazu genutzt, die Preise „geringfügig“ zu senken. Den anderen Teil steckt er in die Bezahlung seiner Mitarbeiter – ob sie nun den Mindestlohn bekommen oder besser entlohnt werden.

„Die Mitarbeiter müssen ihr Geld verdienen und einen guten Lohn bekommen“, ist er überzeugt. „Aber das geht nur, wenn wir einen guten Umsatz machen“, gibt er zu bedenken. Kritik an der Mehrwertsteuersenkung gebe es eigentlich keine. Er werde zwar darauf angesprochen, „aber es gibt da keine negativen Rückmeldungen“.

Claudia Dürr, Chefin des „Rössle“ in Altensteig-Berneck, ist überzeugt davon dass die Senkung der Mehrwertsteuer „überlebenswichtig“ für die Betriebe und somit „längst überfällig“ ist.

Claudia Dürr vom Rössle in Berneck ärgert sich über die bisherige Steuerungerechtigkeit. Foto: Fritsch

„Auch eine Sache der Steuergerechtigkeit“

Man habe in den meist kleinen oder mittleren Betrieben mit „exorbitanten Kostensteigerungen“ in vielen Bereichen zu kämpfen – auch in Bereichen, die der Kunde gar nicht sehe, sei es nun für die Entsorgung der Lebensmittelreste oder Router für WLAN in Hotel und Restaurant. Man habe lange Zeit drauflegen müssen, auch weil man die Preissteigerungen nicht in dem Maß weitergegeben habe.

Am Ende sei die Senkung der Mehrwertsteuer auch eine Sache der Steuergerechtigkeit, meint Claudia Dürr. Man habe die Lebensmittel mit einem Steuersatz von sieben Prozent gekauft und musste sie mit 19 Prozent verkaufen – ohne dass irgendetwas damit in der Küche passiert sei. „Das ist doch einfach ungerecht“, ärgert sie sich im Nachhinein.

Elisabeth Röber-Berlin, Kronelamm in Zavelstein

Elisabeth Röber-Berlin, Hoteldirektorin vom Hotel Kronelamm in Zavelstein, bezeichnet die Mehrwertsteuersenkung als „extrem wichtig“. Die Branche sei wegen den Lebensmitteln und dem Personal „sehr kostenintensiv“. Deswegen seien die Betriebe auch selten rentabel. Bei ihnen in Zavelstein entfielen 45 bis 50 Prozent auf die Personalkosten. Erst jüngst habe man nach der Tarifeinigung eine neunprozentige Lohnsteigerung aufbringen müssen.

Aus diesem Grund sei die Sache mit der Mehrwertsteuer ein „wichtiger Schritt“. In ihrem Hause habe man dadurch die Preise um fünf Prozent senken können. Der Rest gehe an die Mitarbeiter, erklärt die Hotelchefin im Gespräch mit der Redaktion.