Warum sehe ich diesen Hinweis?

Sie sehen diesen Hinweis, weil Sie einen Adblocker eingeschaltet haben oder im privaten Modus surfen. Deaktivieren Sie diesen bitte für schwarzwaelder-bote.de, um unsere Artikel ohne diesen Hinweis lesen zu können.

Mehr zum Thema Adblocker / Privater Modus und wie Sie diesen deaktivieren, finden Sie, indem Sie auf deaktivieren klicken.

Deaktivieren

Nach Schweinezucht-Skandal Familie in Zimmern o. R. bekommt Morddrohungen

Von
Ein aktueller Blick in den Flözlinger Schweinestall. Foto: Siegmeier

Zimmern-Flözlingen - Die Anzahl der Tiere ist zurückgefahren. Veterinäramt und Tierarzt geben sich im Schweinestall von Manfred Haas, der wegen gravierender tierschutzrechtlicher Mängel in die Schlagzeilen geraten war, die Klinke in die Hand.

Der Alltag läuft auf dem Hof der Familie Haas in Flözlingen. Dieser Tage steht die Kartoffelernte an. Es gibt viel zu tun. Alle packen mit an, um die Arbeit zu bewältigen. Einer fehlt: Hofchef Manfred Haas.

Morddrohungen, Drohbriefe, Beschimpfungen

Nach dem Skandal um seine Schweinezucht, die für Schlagzeilen gesorgt hat, ist er erkrankt und nicht mehr auf dem Hof, wie seine Frau Dunja informiert. Die Arbeit geht weiter. Doch nichts ist normal in diesen Tagen. "Wir bekommen Morddrohungen, Drohbriefe und werden übelst beschimpft. Das ist schlimm, vor allem auch für die Kinder", berichtet Dunja Haas. In den sozialen Netzwerken und in den Leserbriefen werden die massiven tierschutzrechtlichen Mängel noch immer scharf kommentiert und kritisiert, vor allem auch von den Tierschützern.

In der Sache sei das richtig. Sie hätten viel früher um Hilfe bitten sollen, bestätigt Dunja Haas. Im Frühjahr sei der Stall überbelegt gewesen, auch aufgrund der Coronakrise seien weniger Tiere abgenommen worden. "Aber man kann so eine Schweinezucht ja nicht einfach abschalten", erklärt Haas. Wenn ein Stall mit 250 anstatt 100 Ferkeln belegt sei, dann führe dies unweigerlich auch zu Problemen, die man versucht habe, zu beheben. Doch irgendwann sei alles zu viel geworden, beschreibt sie die damalige Situation.

Schwanzbeißerproblematik

Man hätte die Schweine in den Auslauf schicken können, wird von Tierschützern propagiert. Doch dies sei aufgrund der Afrikanischen Schweinepest nicht zulässig. Es sei auch nicht so leicht, die Schweine einfach anderen Landwirten zukommen zu lassen, so Haas. Die Tiere müssten dort – aufgrund des hohen Krankheitsdrucks bei Schweinen – zunächst in einen Quarantänestall, erklärt die Bäuerin. Doch in diesen Zeiten gäbe es kaum Landwirte, die leere Ställe hätten.

Die Familie Haas habe versucht, der Schwanzbeißerproblematik Herr zu werden, die in einer der vier Gruppen ausgebrochen war, sagt Dunja Haas. "Oft sind das nur ein oder zwei Tiere, die Schwanzbeißer sind, aber die ausfindig zu machen ist, gar nicht so einfach", gibt sie zu. Der Schaden allerdings sei enorm. Man habe noch versucht, mittels Spielzeug die Tiere zu beschäftigen, damit sie auf andere Gedanken kommen, doch das sei nicht gelungen.

Weltweit bekannte Verhaltensstörung

Manfred Haas sei übrigens vom Veterinäramt angehalten worden, statt der kupierten Schweine, Langschwanz-Schweine zu halten. Da das Kupieren in Deutschland inzwischen untersagt sei und auch EU-weit abgeschafft werden soll, werden immer wieder Versuche mit Langschwänzen durchgeführt. Immer wieder komme es dabei zu Problemen. "Schwanzbeißen bei Schweinen ist eine weltweit bekannte Verhaltensstörung, die sowohl in konventionellen als auch alternativen Haltungsverfahren auftreten kann", heißt es auf der Homepage der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung. Dies ist zwar keine Entschuldigung, aber eine Tatsache, mit der offenbar viele Landwirte zu kämpfen haben.

"Ich bin froh, wenn die letzten Schweine den Stall verlassen haben und endlich Ruhe einkehrt", sagt Dunja Haas, die sich bis dahin tagtäglich um die Tiere kümmert, den Stall saubermacht und nach dem Rechten schaut. "Weihnachten werden die letzten Muttersauen abferkeln", informiert sie. Bis März ist der Stall dann leer. Früher sei es nicht möglich, da trächtige Schweine, oder Muttersauen, die gerade Ferkel hätten, nicht transportiert werden dürften. "Im März überlegen wir dann, wie es weitergeht. In unserem Kuhstall und bei den Hühnern gibt es zum Glück keinerlei Beanstandungen", sagt Haas und hofft, dass Hetzerei und Beschimpfungen bald aufhören.

Artikel bewerten
285
loading

Top 5

20

Kommentare

Artikel kommentieren

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.