Eine Frau gibt sich am Telefon als Polizistin aus und fordert von einer Oberndorferin 53.000 Euro. (Symbolfoto) Foto: Strobel

Immer wieder fallen Menschen auf Telefonbetrüger rein. Fast wären auch Linda Göhring und ihre Mutter in die Falle getappt. Die beiden Frauen aus Oberndorf hätten nie gedacht, wie glaubhaft die Betrüger sein können. Jetzt möchten sie ihre Mitmenschen warnen.

Linda Göhring ist gerade zu Besuch bei ihrer Mutter, als dort das Telefon klingelt. „Meine Mutter telefoniert immer mit Lautsprecher. Deshalb habe ich das ganze Gespräch mitgehört“, erinnert sich die 33-jährige Oberndorferin im Gespräch mit unserer Redaktion. Sie schildert: Am Telefon meldet sich eine weinende Frau, die Göhrings Mutter direkt Mama nennt und von einem tödlichen Autounfall erzählt, den sie verursacht habe. „Man muss dazu sagen, dass meine Schwester zu diesem Zeitpunkt Urlaub in Österreich gemacht hat“, erzählt Linda Göhring. Dass es sich bei der schluchzenden Frau am Telefon jedoch nicht um ihre Schwester handelt, habe auch sie nicht herausgehört.

 

Schnell wird das Telefon am anderen Ende der Leitung weitergereicht. Dann geht eine vermeintliche Polizistin an den Hörer. Sie informiert Göhrings Mutter noch mal über den Unfall ihrer angeblichen Tochter und sagt, dass sie der Polizei als Unfallkontakt genannt wurde. Anschließend gleicht die vermeintliche Polizistin mit Göhrings Mutter verschiedene Daten ab, wie ihren Namen und den Namen ihrer Tochter. Außerdem fragt sie immer wieder, ob die Mutter alleine zu Hause ist. „Wir dachten halt, dass sie besorgt ist, weil sie ihr jetzt so schlimme Nachrichten überbringt. Außerdem hat sie meine Mutter immer auf eine Schweigepflicht hingewiesen,“ sagt Göhring. Im Nachhinein sei ihr natürlich bewusst geworden, dass das völliger Quatsch war.

Betrügerin berichtet von vermeintlichen Unfall

Zurück zu dem Telefonat: Als nächstes berichtet die angebliche Polizistin, dass Göhrings Schwester eine Frau auf einem Fahrrad angefahren und getötet habe. Die Schwester habe danach Fahrerflucht begangen. Das hätten Zeugen beobachtet.

Auf die Frage der Mutter, ob sie kurz mit ihrer Tochter reden könne, antwortet die Polizistin, dass dies nicht möglich sei. Die Tochter habe sich bei dem Unfall auf die Zunge gebissen und könne nicht sprechen. „Dann hat die Polizistin gesagt, dass meine Mutter meine Schwester abholen muss, weil sie sonst für sechs Wochen in Untersuchungshaft kommt“, erzählt die 33-Jährige. Und räumt ein: „Zu dem Zeitpunkt haben wir noch nicht mal gefragt, wo meine Schwester ist oder bei welchem Polizeirevier die Frau am Telefon arbeitet. In dem Schock-Moment haben wir da einfach nicht dran gedacht.“

Mutter soll 53.000 Euro Kaution für Tochter bezahlen

Parallel zu dem Gespräch zwischen der vermeintlichen Polizistin und ihrer Mutter ruft Linda Göhring dann ihren Onkel an, einen ehemaligen Polizisten. Sie will ihn darum bitten, sich und die Mutter zur Schwester nach Österreich zu fahren.

Derweil teilt die Anruferin ihrer Mutter mit, dass sie eine Kaution für ihre Tochter bezahlen muss. Sie fragt, wie viel Bargeld im Hause ist. Die Mutter antwortet, dass sie ungefähr 5000 Euro haben müsste. „Dann hat die Frau gesagt, dass das zu wenig ist. Wir müssten bis morgen 53.000 Euro bereithalten“, erzählt Göhring.

Währenddessen kommt dann auch der Onkel von Linda Göhring zu ihrer Mutter. „Das hat die Frau am Telefon gehört und meine Mutter gefragt, wer gekommen ist. Sie hat ihr dann gesagt, dass es ihr Bruder ist. Dann wurde sofort aufgelegt,“ erzählt die 33-Jährige.

„Die Betrüger wissen genau, was sie sagen müssen“

Ihr Onkel klärt die beiden Frauen sofort auf, dass es sich bei der Frau am Telefon um eine Betrügerin handeln muss. „Blöd war, dass wir meine Schwester nicht erreichen konnten, weil sie schwimmen war und das Handy ausgeschaltet hatte“, sagt Göhring. Sie meldet den Vorfall der Polizei in Oberndorf.

Auch Tage nach dem Schockanruf ist die 33-Jährige über die Vorgehensweise der Betrüger entsetzt: „Ganz ehrlich? Ich habe mich immer gefragt, wie blöd man sein muss, dass man auf solche Maschen reinfällt. Ich dachte immer, dass man das doch merken muss. Aber die Betrüger wissen genau, was sie sagen müssen und man ist in dem Moment einfach wie in Trance.“ Außerdem sei ein Familienmitglied bei einem Autounfall ums Leben gekommen, fügt sie hinzu. Linda Göhring vermutet, dass ihre Familie nach dieser tragischen Erfahrung bei solchen Anrufen schneller geschockt ist.

Das rät die Polizei

Doch wie sollte man sich verhalten, wenn man sich am Telefon nicht sicher ist, ob es sich bei einem Anruf um eine Betrugsmasche handelt? Nicole Minge von der Stabstelle Öffentlichkeitsarbeit des Polizeipräsidiums Konstanz gibt dazu einige Tipps:

  • Seien Sie misstrauisch, wenn sich Anrufer am Telefon nicht selbst mit Namen melden. Raten Sie nicht, wer anruft, sondern fordern Sie Anrufer grundsätzlich dazu auf, ihren Namen selbst zu nennen.
  • Seien Sie misstrauisch, wenn sich Personen am Telefon als Verwandte oder Bekannte ausgeben, die Sie als solche nicht erkennen. Erfragen Sie beim Anrufer Dinge, die nur der richtige Verwandte oder Bekannte wissen kann.
  • Geben Sie keine Details zu Ihren familiären und finanziellen Verhältnissen preis.
  • Lassen Sie sich nicht drängen und unter Druck setzen. Nehmen Sie sich Zeit, um die Angaben des Anrufers zu überprüfen. Rufen Sie die jeweilige Person unter der Ihnen bekannten Nummer an und lassen Sie sich den Sachverhalt bestätigen.
  • Wenn ein Anrufer Geld oder andere Wertsachen von Ihnen fordert: Besprechen Sie dies mit Familienangehörigen oder anderen Ihnen nahestehenden Personen.
  • Übergeben Sie niemals Geld oder Wertsachen wie Schmuck an unbekannte Personen.
  • Kommt Ihnen ein Anruf verdächtig vor, informieren Sie unverzüglich die Polizei unter der Nummer 110.