Nachdem einige Autofahrer die Straßensperrung zwischen Hochmössingen und Weiden ignoriert und mehrere Kröten überfahren haben, gibt es einige Reaktionen. Und auch die Polizei meldet sich zu Wort.
Bei den Freiwilligen, die sich jeden Abend und Morgen um den Auf- beziehungsweise Abbau der Straßensperrung zwischen Hochmössingen und Weiden kümmern, sitzt der Schreck noch tief. Zu erleben, wie mehrere Autofahrer die Sperrung einfach ignorierten oder sogar abbauten und beim Durchfahren etliche Tiere überfuhren, hat sie schockiert und wütend gemacht. In den sozialen Medien schlägt der Vorfall hohe Wellen.
Viele Bürger drücken ihre Fassungslosigkeit auf Facebook aus. „Die Menschen werden immer gleichgültiger, egoistischer und brutaler“, stellt ein Nutzer fest.
Fassungslosigkeit überwiegt
Eine andere Nutzerin schreibt: „Wegen vier Minuten Umweg – ich fasse es nicht“, und fragt: „Kann man da nichts machen? Mal einen Permanentblitzer aufstellen, der alle blitzt, die durchfahren, vielleicht?“
Eine andere pflichtet bei und regt an, der Bürgermeister solle sich Gedanken dazu machen, wie das Problem besser zu lösen wäre. „So wie es die letzten Jahre gelaufen ist, funktioniert es jedenfalls nicht. Ohne Sanktionen, dass es den Leuten an den Geldbeutel geht, passiert da wohl nie was. Verantwortung und Respekt vor anderen Lebewesen scheint man da nicht zu kennen.“
Mangelnde Einsicht
Es werden aber auch andere Stimmen auf Facebook laut. „Ja – natürlich – alle Straßen sperren von Ende März bis Ende April, damit die Kröten nicht überfahren werden. Supertoll“, heißt es da etwa. Und: „Da sterben Tausende Menschen jeden Tag, und da macht man so ein Gedöns.“
Eine andere Nutzerin schlägt in dieselbe Kerbe: „Lieber eine Vollbremsung hinlegen, eventuell Menschenleben gefährden, Hauptsache, die Kröte hat es unbeschadet über die Straße geschafft“.
Wie lange ist gesperrt?
Netze an den Seiten und Rohre unter den Straßen als Alternative schlägt ein anderer Kommentator vor. Das wäre aber dann mit Kosten verbunden, folgert er, „und Straßen zu sperren, ist ja so viel einfacher. Straßensperrung kann langfristig nicht die Lösung sein“.
Es gibt aber auch Fragen. Etwa danach, wie lange die Straße gesperrt sein wird. „Da gibt es kein spezielles Datum, das geben die Kröten und das Wetter vor“, wird darauf in den Kommentaren erklärt. Und: „Das ist Natur. Die halten sich nicht an den Verkehr. Wir haben durch den Weg der Kröten eine Straße gebaut, nicht umgekehrt.“
Ohnehin gilt die Sperrung der K 5521 zwischen Hochmössingen und Weiden nur zwischen 19 und 6 Uhr, wenn die Kröten aufgrund der höheren Luftfeuchtigkeit am aktivsten sind.
Kontrolle durch die Polizei
„Ich verstehe nicht, warum unser Polizeiposten in Oberndorf diese Sperrung nicht kontrolliert“, lautet ein weiterer Facebook-Kommentar. Wir fragen bei der Polizei nach.
Dort heißt es von Daniel Brill, einem Sprecher des Polizeipräsidiums Konstanz: „In der Theorie sollte das Aufstellen von Verkehrszeichen und Absperrmaterial reichen. Nun schätzt nicht jeder Verkehrsteilnehmer den Umweltschutz gleichermaßen und dementsprechend spiegelt sich das in der Akzeptanz des Durchfahrverbots wider.“
Der Streifendienst des zuständigen Reviers Oberndorf habe bereits – und tue dies weiterhin – Durchfahrtskontrollen durchgeführt und auch Verkehrsteilnehmer belangt. Eine 24-Stunden-Betreuung der Strecke könne aber nicht gewährleistet werden.
Wer das Durchfahrtsverbot missachtet, der begeht laut Polizei eine Verkehrsordnungswidrigkeit. Für die sehe der Bußgeldkatalog eine Strafe von 50 Euro vor, erfahren wir.
Freiwillige Helfer gefunden
Kurz darauf erreicht uns eine Rückmeldung aus dem Umfeld der Freiwilligen, die sich um den Schutz der Kröten bemühen. Es gibt gute Nachrichten.
Nach unserer Berichterstattung hätten sich drei weitere Personen gemeldet, die beim Absperren helfen wollen. Das Thema werde außerdem heiß diskutiert. Aufmerksamkeit dafür zu schaffen, sei bei diesem regnerischen Wetter, das die Tiere zur Wanderung animiert, umso wichtiger. Nun bleibe nur noch eins: die Hoffnung auf Einsicht.