Heinrich Feldmann erläutert in der Kirche die Maßnahmen zur Schimmelbeseitigung. Foto: Winkelmann-Klingsporn

Der Schock in Aufen war groß, als in der Dorfkirche vor vier Jahren Schimmel festgestellt wurde, bedingt durch eine relativ hohe Luftfeuchtigkeit.

Donaueschingen-Aufen - Um die Gesundheit von Pfarrer und Besuchern zu schützen, wurde das geschichtsträchtige Gotteshaus geschlossen. Inzwischen ist schon einiges verbessert worden, doch die noch nötigen Sanierungsmaßnahmen sind auf fast 190 000 Euro kalkuliert, wovon die Gemeinde 112 500 Euro tragen müsste. Sie hat deshalb einen Spendenaufruf gestartet.

Theologe erläutert das Kleinod

Für Kenner hat das Gotteshaus einen bedeutenden Stellenwert. "Eine echte kleine Dorfkirche", sei St. Vitus in Aufen, für die sich der langjährige Donaueschinger Religionslehrer Heinrich Feldmann richtig begeistern kann. Im Zuge der Spendenaktion zur Finanzierung der laufenden und anstehenden Sanierungsarbeiten an dem eindrücklichen Bauwerk auf dem Kirchenhügel in Aufen erzählt der Diplomtheologe ausführlich von der Geschichte und den Besonderheiten von St. Vitus und erläutert die aktuell anstehenden Baumaßnahmen.

Auslöser waren gesundheitsschädliche Schimmelsporen. Deswegen ist die Kirche in Aufen schon seit vier Jahren geschlossen. Inzwischen hat die zuständige Pfarrgemeinde, die Seelsorgeeinheit Donaueschingen, Sofortmaßnahmen eingeleitet. Regenwasser, das sich im Mauerwerk gestaut hatte, wurde durch einen Abwasserkanal abgeleitet, und die Mauern wurden innen und außen getrocknet. Mit weiteren Schönheitsreparaturen hat das allein schon 55 000 Euro gekostet.

St. Vitus bestimmt das Ortsbild und "vielen Menschen in Aufen ist ihre Kirche ein Anliegen", erklärt Pfarrer Erich Loks. Auch den Mitgliedern des Stiftungsrates sei der Erhalt der Dorfkirche wichtig. Eine Rundumsanierung werde allerdings kaum für möglich gehalten. Wichtig aber sei, dass St. Vitus weiterhin für Gottesdienste, Taufen, Trauungen und Meßfeiern zur Verfügung stehe. Um dies zu sichern, hat man sich entschieden, verschiedene Arbeiten auf den Weg zu bringen.

Inzwischen hat ein Architekt weitere Maßnahmen zur Beseitigung der Ursachen der Wasserschäden sowie weitere dringend notwendige Maßnahmen zusammengestellt, die die Kirche langfristig wieder in einen guten Zustand versetzen sollen.

Architekt beziffert die Kosten

Insgesamt werden für diese Arbeiten 188 500 Euro kalkuliert. Nach Abzug der zu erwartenden Zuschüsse muss die Kirchengemeinde davon 112 500 Euro selbst aufbringen.

Der Stiftungsrat, der für Finanzen und Bauen in der Seelsorgeeinheit zuständig ist, möchte, dass die Renovierungs- und Sanierungsarbeiten erfolgen. Das ist jedoch eine gewaltige finanzielle Herausforderung. Um diese anzugehen und so die außergewöhnliche Kirche im Ortsmittelpunkt von Aufen für die nächste Generation erhalten zu können, ist man deshalb auf Menschen angewiesen, die das Projekt mit Spenden unterstützen.

Um deutlich zu machen, für was für ein außergewöhnliches Bauwerk jetzt um Unterstützung gebeten wird, hat sich der Diplom-Theologe Heinrich Feldmann ausführlich mit der Geschichte und den Besonderheiten der Kirche St. Vitus in Aufen beschäftigt. Und dabei ist er während seiner Recherche im Archiv der Pfarrgemeinde fündig geworden.

Johann Merz hat 2003 die Geschichte von Aufen, der St. Vitusgemeinde und der Dorfkirche St. Vitus nach Aufzeichnungen aus den Fondsakten St. Vitus und von Pfarrer Heinrich Feurstein mit interessanten Beiträgen und zahlreichen Bildern zusammengestellt.

Auf dem Hinteren Berg, dem Aufener Kirchberg, standen nach einer Kirchenrechnung von 1650 vier Bauernhöfe, die dem Donaueschinger Heiligenfonds St. Joh. Baptista zinspflichtig waren, und eine Kapelle. Bauern- und Schwedenkrieg, Scharmützel zwischen Bauern und Bürgern von Villingen, der Dreißigjährige Krieg verwüsteten bekanntermaßen die Region.

Nachdem die Pfarrkirche St. Johann in Donaueschingen von 1724 bis 1745 neu erbaut worden war, wurde von 1754 bis 1756 auch die jetzige Filialkirche St. Vitus in Aufen in einfachem Barockstil für 1434 Gulden erbaut und der noch vorhandene Turm repariert.

Nach dem Brand von 1886 wurde St. Vitus bis 1888 zügig wieder aufgebaut. Ein weiterer Brand zerstörte 1939 einen großen Teil der Kirche. Handwerkerfirmen aus der Region sorgten dafür, das schon 1941 wieder notdürftig Messen und Andachten gefeiert werden konnten: eine gemeinsame Aktion, wie man sie sich auch heute wünschen würde. Und nach der Währungsreform von 1948 wurden Kirchenschiff und Chorraum weitergehend saniert.

Zwei Brände überstanden

In der Dokumentation von Johann Merz wird deutlich, dass der Bau und Wiederaufbau von St. Vitus nach zwei Bränden vor allem durch Spenden der Gemeindeglieder, von Firmen und vom Fürstenhaus ermöglicht wurden.

Um die geschichtsträchtige Dorfkirche für die nächste Generation zu erhalten, ist auch jetzt wie in früheren Zeiten eine Spendenaktion angesagt. Damit soll sichergestellt werden, dass die Pfarrgemeinde ihren Anteil an den Sanierungskosten von 112 500 Euro aufbringen kann. Einen ungefähren Zeitplan für das Vorhaben gibt es bereits. Nach derzeitigem Planungstand soll die Sanierungsmaßnahme gegebenenfalls im Jahr 2023 umgesetzt werden, sagt Pfarrer Erich Loks.

"St. Vitus in Aufen braucht Hilfe" steht über einem aktuellen Spendenaufruf. 7200 Euro sind nach aktuellem Stand zur Finanzierung der Sanierungskosten der Aufener Dorfkirche eingegangen. Um den "Generationenauftrag erfüllen zu können" wird um Spenden auf das zentrale Konto der Seelsorgeeinheit Donaueschingen gebeten unter dem Verwendungszweck: "Spende Sanierung St. Vitus". Zuwendungsbescheinigungen werden auf Wunsch ausgefüllt – auch die exakten Daten des Spendenkontos sind bei der Seelsorgeeinheit Donaueschingen in Erfahrung zu bringen.