Die „Pferdefreunde Münchweier“ veranstalten im Herbst wieder einen Geländeritt – natürlich ganz ohne tierische Opfer. Rund 20 Jahre hatte die Veranstaltung pausiert. Im Zentrum soll der Spaß am Reiten stehen, auch Zeitsieger wird es keine geben.
Seit 1934 ist die Fuchsjagd zu Pferde in Deutschland verboten. Seitdem behelfen sich sportliche Reiter anders. So etwa die „Pferdefreunde Münchweier“ mit ihrem Geländeritt.
1983 war die ursprünglich mittelalterliche Tradition der Fuchsjagd mit Hundemeuten in dem noch bis in die 1960er- Jahre von Landwirtschaft geprägten Münchweier wieder aufgelebt – allerdings ohne Hundehatz und Parforcejagd auf flüchtende Füchse. Es ging um die pure Lust am Reiten durch das Gelände. Vor mehr als 40 Jahren hatten Karl Tränkle, Leo Enderle und Andreas Lemke ihre Idee realisiert, den zahlreichen Pferden samt Besitzern eine besonderen Veranstaltung zu bieten. Die Teilnehmerzahl der beutefreien Fuchsjagden lag jährlich bald zwischen 50 bis sogar 80 Pferden und ihren Reitern. Darunter waren auch Teilnehmer aus der südbadischen Umgebung weit über Münchweier hinaus.
Ab 2003 schliefen die Fuchsjagden allerdings für zwei Jahrzehnte ein, es mangelte zunehmend an genügend neuen Mit-Organisatoren für die aufwändigen Vorbereitungsarbeiten.
Doch die Helfernot hat sich jetzt wieder gegeben. Lemke steht mittlerweile wieder ein junges, siebenköpfiges Organisationsteam zur Seite, das längst eine neue Fuchsjagd-Route abgeritten hat, bevor es Ende Oktober mit verhaltenem Tempo und „Horrido“ ins herbstliche Gelände geht.
Keine waghalsigen Stunts in Hollywood-Manier
Und so wird das tierische Großereignis am 27. Oktober ablaufen: Start ist um 13 Uhr ohne Schuss bei der Winzergenossenschaft Münchweier/Wallburg/Schmieheim. Davor gibt es ein „Stelldichein“ zur Stärkung für den Geländeritt. Dazu wird erstmals eine Bläsergruppe der Jägervereinigung Lahr auf ihren Waldhörnern zur Eröffnung ein zünftiges „Horrido“ blasen, bevor sich zwei Gruppen in Bewegung setzen. Diese haben jeweils einen „Master“ an der Spitze, der nicht überholt werden darf, und seinen begleitenden „Pikeur“ als früheren Meutenführer-Aufpasser der nicht vorhandenen Hunde.
Wer kennt nicht das alte Kinderlied „Hopp hopp hopp, Pferdchen lauf Galopp“, auf wippendem Vaterknie sitzend gesungen? Nämlich „über Stock und Steine, aber brich’ dir nicht die Beine!“ mit abschließendem Plumps-„Abwurf“ vom väterlichen Sitz. Um genau das bestmöglich zu verhüten, gibt es in Münchweier keine waghalsigen Hecken- und Bachschikanen, wie man sie von einschlägigen Hollywood-Filmen über englische Fuchsjagden kennt. Stattdessen wird eine Gruppe schon mal im gemütlicheren Tempo auf die zwölf Kilometer lange Strecke gehen. Die zweite ist eher für sportlich ambitioniertere Reiter gedacht, die in flotterer Gangart einige harmlose Geländehindernisse überwinden wollen– natürlich ohne genickbrechende Mauern oder Felsbrocken, sondern mit einigen ausgelegte Strohballen und Wagenleitern mit einer Gesamthöhe von nicht mehr als 60 Zentimetern. Gesundheit von Pferd und Reiter sollen bei der Veranstaltung absoluten Vorrang haben.
Keine Zeitsieger, dabei zu sein ist alles
Zur Halbzeit wird bei „Hummels Straußi“ hinter Ettenheimweiler am Kahlenberg Station gemacht. Die heißt nicht umsonst auch „Viehweid“, denn eine solche gibt es hier noch immer zum Grasen für Vierbeiner. Währenddessen können sich die Reiter mit einem „Bügeltrunk“ stärken – natürlich nur in geringen Maßen, denn zu viel „Alkohol am Pferd“ ist verpönt. Weiter geht es dann für beide Gruppen auf anderer Route zurück an den Münchweierer Dorfrand zur Winzergenossenschaft. Ehrengäste und Sponsoren müssen derweil nicht noch reiten lernen, sondern werden mit dem Auto von Ort zu Ort gefahren.
Nach rund zweieinhalb Stunden Bewegung wird es dann bei der Winzergenossenschaft schließlich nach zünftigem Hörner-Halali der Jägervereinigung Kaffee, Kuchen und Gegrilltes geben sowie abschließend – wie sollte es anders sein – noch eine Jägersuppe.
Zeitsieger mit Stoppuhren wird es keine geben. Stattdessen sollen unter den Teilnehmern lukrative Preise verlost werden – allen voran ein nicht selbst erlegter Fuchsschwanz.
Die „Pferdefreunde“
Die „Pferdefreunde Münchweier“ sind eine Untergruppe des Kenzinger Reitvereins. Sie bringen selbst bereits 25 eigene Pferde auf die Beine. Und für ihre kommende Fuchsjagd erwarten sie noch wesentlich mehr Vierbeiner von Auswärts.