Ein gefälschter Spielerpass, fadenscheinige Ausreden bei Spielabsagen – und das offenbar alles gedeckt vom Vorstand des neuen Fußballbezirks Nordschwarzwald. „Diesen Betrug konnte ich nicht mehr mittragen“, sagt Siegfried Schall nach seinem Rücktritt als Staffelleiter.
Auch 48 Stunden nach seinem Rücktritt als Staffelleiter der Kreisliga A Ost und im Jugendausschuss des Fußballbezirks Nordschwarzwald bereut Siegfried Schall seinen Schritt nicht. „Mein Entschluss steht fest. Diesen Betrug konnte ich nicht mehr mittragen. Ich bin nicht dabei, wenn manipuliert wird“, sagt der Warter, der auch als Schiedsrichter beim VfB Stuttgart aktiv ist.
Auch Ungericht meldet sich
Die Reaktionen auf seinen Rücktritt fielen bislang sehr unterschiedlich aus. „Vom Bezirk selber habe ich gar nichts gehört“, sagt Schall, „aber ich bekam viele positive Rückmeldungen von den Vereinen, die sich für die Zusammenarbeit bedankt haben.“ Auch Roland Ungericht, der frühere Vorsitzende des im vergangenen Jahr aufgelösten Bezirks Böblingen/Calw, in dem Schall jahrelang aktiv war, meldete sich. „Er schrieb mir, dass er sich sehr gewundert hat, weil ich immer so aktiv war“, sagt Schall.
Die Reißleine gezogen
Doch warum genau ist der Warter von all seinen Ämtern zurückgetreten? Er hat seine Gründe nun in einer Stellungnahme vorgelegt, die unserer Redaktion exklusiv vorliegt. Darin geht es vor allem um zwei Punkte: ein gefälschter Spielerpass und fadenscheinige Ausreden bei Spielabsagen. Und vor allem darum, dass der Bezirksvorstand davon wusste und die betroffenen Vereine gedeckt habe. Von ihm habe Schall dann auch die Ansage bekommen, dass der Bezirk seine Vereine nicht anschwärze – und da habe der Warter die Reißleine gezogen.
Konkret geht es um einen Verein aus dem Kreis Calw, der eine digitale Spielbereichtigung gefälscht habe. Ein Spieler habe damit unter falscher Identität gespielt. Schall bekam Wind von der Sache. In seiner Stellungnahme schreibt er: „Da waren mir noch die Hände gebunden, weil kein Vergleichsbild vorlag. Als dann am folgenden Spieltag dieser Spieler erneut auf dem Spielbericht auftauchte, informierte ich den Schiedsrichter, er möchte bitte diesen Spieler genauer anschauen. Und wundersamerweise verschwand der Spieler mit falschem Bild aus dem Spielbericht.“
Was sagt man Versicherung?
Im Gespräch mit unserer Redaktion schimpft Schall: „Wenn dem Spieler etwas passiert, er sich verletzt und vielleicht ins Krankenhaus muss, dann kommt irgendwann die Versicherung. Wie soll man das erklären?“ Vor allem ärgert sich der Warter aber über die Reaktion des Bezirks. „Dieser Betrug muss öffentlich gemacht werden, vor allem wenn man sagt, dass man die nicht anschwärzen dürfe“, unterstreicht Schall, der nicht ausschließen will, dass der Austausch von Fotos auf den Spielberechtigungen Methode haben könnte: „Wir schauen die Spielerpässe ja eigentlich nur an, wenn etwas auffällt.“
Absagen per Whatsapp
Zweiter Punkt ist die Absage von Spielen. Vorgeschoben werden laut Schall schlechte Platzverhältnisse, tatsächlicher Grund sei aber, dass der Verein zu wenige Spieler hat. „Da wurde unter anderem per E-Mail geschrieben, sie könnten nicht spielen, weil kein Flutlicht vorhanden wäre. Da es sich aber um eine große Spielgemeinschaft handelt und so mindestens fünf Plätze vorhanden sind, wäre eine Lösung schnell gefunden. Nachdem ich diese Verlegung abgelehnt hatte, wurde ich zwar hart kritisiert, aber komischerweise konnte das Spiel dann doch noch stattfinden“, schreibt Schall in seiner Stellungnahme. Und weiter: „Ein Verein meinte gar, er könne trotz einer Woche trockenen Wetters das Spiel der Reserve wegen der Platzverhältnisse verlegen –mit der Begründung ,der Sportplatz würde das Spiel der Reserve und anschließend der ersten Mannschaft nicht vertragen. Nach zahlreichen Telefonaten meinerseits und mit dem Platzbeauftragten des Bezirks, Stefan Beckmann, waren wir uns einig, dass es gehen wird. Der Verein ist bekannt dafür, schon zahlreiche Spiele der Reserve abgesagt zu haben.“
Auch ärgert sich Schall darüber, dass diese Absagen nicht ordnungsgemäß über das DFB-Net, sondern nur lapidar per Whatsapp dem Bezirk mitgeteilt würden – obwohl man die Vereine bei jedem Staffeltag darauf hinweise, dass das nicht möglich sei. „Damit kein Schabernack getrieben wird“, betont Schall.
Trotzdem Lob für den Bezirk
Grundsätzlich sei Schall ein Befürworter des neuen Bezirks Nordschwarzwald. So beginnt seine Stellungnahme auch mit den Worten: „Die bisher geleistete Arbeit und den Umgang untereinander habe ich nie in Frage gestellt. Das Gegenteil ist der Fall . So ist von Stefan Beckmann mit Unterstützung von Frank Hinderlang eine hervorragenden Jugend-Koordination geleistet worden. Vor der Riesen-Herausforderung der Inklusionsliga kann ich nur den Hut ziehen. Auch die Kommunikation unter den Bezirkmitarbeitern war zu jeder Zeit gut.“ Aufgrund der genannten Vorfälle und der fehlenden Aufarbeitung durch den Bezirksvorstand, der sich mehrheitlich aus Personen des alten Bezirk Nördlicher Schwarzwald zusammensetzt, habe Schall aber die Reißleine ziehen müssen. Seine Stellungnahme endet mit den Worten: „Weil bei Betrug hört es bei mir auf. Vielleicht war das ja die Methode des Vorgänger-Bezirks, um bei seinen Vereinen beliebt zu sein. Außerdem gibt man allen Vereinen dadurch die Richtlinie, Betrug zu begehen ohne abgestraft zu werden.“