Werden Rotorblätter von Windkraftanlagen transportiert, ist das ziemlich aufwendig. Bei einem Unfall wie jenem auf der B 294 ist zudem die Bergung schwierig. Foto: Bernd Mutschler

Windräder im Nordschwarzwald haben viele Gegner. Doch wer gegen die Anlagen wettert, muss sich ehrlich machen, meint unser Autor. Denn: Woher soll der Strom am Ende kommen?

Tauchen irgendwo Pläne auf, ein Windrad zu errichten, ist der Widerstand meist nicht weit. Etliche Argumente kommen dann auf den Tisch, warum das gerade an dieser Stelle gar nicht geht. Gefährlich, gesundheitsschädlich, schlecht für Wasser, Tiere, Pflanzen, Umwelt. 

 

Aktuell gesellt sich nun der mutmaßlich gefährliche Transport hinzu. Darauf weist die AfD im Kreis Calw in einer Mitteilung hin.

Risiken für Anwohner, Einsatzkräfte und Verkehrsteilnehmer?

Hintergrund ist der Unfall auf der B 294 nahe Bad Wildbad-Calmbach am Donnerstag in dieser Woche, bei dem der Nachläufer eines Schwertransports mit dem 70 Meter langen Rotorblatt eines Windrads durch einen technischen Defekt von der Fahrbahn abgekommen war und eine längere Sperrung verursacht hatte. 

„Enge, steile und kurvenreiche Straßen in einer sensiblen Höhenlandschaft“ seien für solche Transporte nicht geeignet, meint die AfD. Diese brächten Risiken für Anwohner, Einsatzkräfte und Verkehrsteilnehmer.

Ob sich das so verhält, gilt es nun wohl zu prüfen – wie alle Argumente gegen Windkraft, von denen viele übrigens schon jetzt als umstritten, nicht wissenschaftlich nachgewiesen oder sogar widerlegt gelten

Wenngleich auf der anderen Seite feststeht: Auch Windkraftanlagen haben ihre Tücken. Sie machen Geräusche, sie werfen Schatten. Teilweise sollen sie in Bereichen aufgestellt werden, die vielen Menschen als Naherholungsgebiet gelten. Und sicher lässt sich nicht jede langfristige Auswirkung auf Mensch, Natur oder Immobilienpreise letztgültig prophezeien. 

Jede Entscheidung hat Folgen – und nicht nur positive.

Der Unfall auf der B 294 bei Bad Wildbad-Calmbach hat unter anderem eine verbogene Leitplanke hinterlassen. Foto: Silas Stein/dpa

Letztlich geht es jedoch um mehr als ein Für und Wider der Windkraft. Es geht um etwas Grundsätzlicheres: Wir alle brauchen Strom. Und der Bedarf wächst. Etwa für Rechenzentren für KI-Anwendungen sowie andere Digitalisierungsprojekte, die landauf, landab, gefordert, benötigt und genutzt werden.

Wer gegen Windkraft wettert, muss sich daher ehrlich machen. Und müsste im Extremfall Alternativen akzeptieren. Woher soll der Strom kommen? 

Windräder im Nordschwarzwald mögen ihre Nachteile haben. Doch wäre etwa ein Kohlekraftwerk in Nagold oder ein Atomkraftwerk in Calw besser? 

Wenn beispielsweise die AfD im Kreis Calw nun vor dem Gefahrenpotenzial beim Transport riesiger Rotorblätter in der Region warnt, muss sie sich die Frage gefallen lassen, ob der Transport radioaktiver Abfälle durch Calw, Nagold oder Wildbad besser wäre. Zumal Teile des Landkreises Calw bei der Suche nach einem Endlager für Atommüll derzeit durchaus noch im Rennen sind.

Und wer eher auf Windkraft im Norden setzt, deren Energie per Stromtrasse Hunderte Kilometer zu uns in den Süden transportiert wird, sollte wissen: Auch bei diesem Vorhaben gibt es bereits Gegner. Die etwa ein dezentrales Energiesystem mit regionalen Speichern fordern. Und ebenfalls zahlreiche Befürchtungen wie Grundwasserbelastung, Zerstörung von Lebensräumen verschiedener Tierarten und allgemein langfristige, nicht absehbare Schäden für Natur und Landwirtschaft hegen. 

Als Ergebnis sollte nicht nur Verhinderung stehen. Sondern eine Lösung

Also quo vadis, Stromversorgung im Nordschwarzwald? Die Frage ist komplex. Die Antwort wird es letztlich ebenso sein. Wer stets nur Nachteile auflistet, ohne Plan B in der Hinterhand zu haben oder einen solchen im Zweifelsfall zumindest zu akzeptieren, macht es sich dagegen zu einfach. 

Diskussionen und verschiedene Haltungen zu einem Thema sind essenziell in einer Demokratie. Was dabei aber nicht aus dem Blick geraten darf: Als Ergebnis einer solchen Debatte sollte nicht nur eine Verhinderung stehen. Sondern auch eine Lösung. 

Wer das leugnet, muss am Ende zugeben, dass es ihm vielleicht gar nicht um eine Lösung geht – sondern nur darum, die weniger schönen Folgen der eigenen Bedürfnisbefriedigung jemand anderem zuzuschieben.