Mindestens die kommenden 50 Jahre soll der offene Schlosspavillon nach seiner Restaurierung wieder stabil stehen. Jetzt fehlt nur noch frische Farbe – aber welche?
Geislingen - Im März haben Fachleute der Firma Dieringer Holzbau aus Rangendingen den hölzernen Pavillon am Rand des Geislinger Schlossgartens restauriert. Nachdem dieser seit dem Sommer 2019 aus Sicherheitsgründen provisorisch abgestützt gewesen war, steht er nun wieder stabil in der Ausbuchtung der Mauer.
Nur eines trübt den Gesamteindruck des historischen Holzbauwerks: Die erneuerten Stellen an Balken und Pfosten sind nach wie vor "Holz natur" und stehen damit im hellen Kontrast zum alten, dunklen Anstrich der erhaltenen Konstruktion.
Herzchen, Namen, Daten und Beschimpfungen
Geht der Schlossgartenbesucher ganz nah heran, sieht er noch etwas mehr: Auf dem neuen, geschliffenen Holz haben sich in den vergangenen vier Monaten etliche junge Menschen mit Kugelschreibern oder Farbstiften verewigt. Herzchen, Namen, Daten, Beschimpfungen oder die Zahl einer Gangster-Rap-Kapelle stehen jetzt darauf zu lesen. Schön sieht das nicht aus, noch dazu auf einem denkmalgeschützten Zimmererwerk, das bereits rund drei Jahrhunderte überdauert hat.
Beide optischen Makel – den uneinheitlichen Anstrich und die Kritzeleien auf blankem Holz – ließen sich beheben, wenn der Holzpavillon endlich mit einer einheitlichen, am besten wasserabweisenden Farbe gestrichen würde. Doch bevor die Stadt Geislingen das in Auftrag geben kann, muss nicht zuletzt noch die Finanzierung geklärt werden.
Die Stadt Geislingen will die ersetzten Holzteile mittels einer offenporigen Lasur dem vorhandenen Braun anpassen. Doch das Landesdenkmalamt hat unter anderem zu der Frage, welcher Farbton tatsächlich aufgetragen werden soll, ein gewichtiges Wort mitzureden.
Ursprünglich grüne Farbfassung
"Unter den dunkelbraunen Anstrichen aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts konnte die Restauratorin bei Voruntersuchungen eine frühere Farbfassung des Holztragwerks in Grüntönen nachweisen, bei der es sich um die ursprüngliche Fassung handeln dürfte", berichtet eine Pressesprecherin des Regierungspräsidiums Stuttgart auf Frage des Schwarzwälder Boten. Aus denkmalfachlicher Sicht strebe man an, wieder die Farbigkeit der Erbauungszeit herzustellen – also das ursprüngliche Grün.
Die derzeitige braune Farbe besteht aus kunststoffgebundem Anstrich, der die Oberfläche abdichtet. Für die dauerhafte Erhaltung des Pavillons wäre es aus Sicht des Denkmalschutzes vorteilhaft, diese sehr dichte Farbe zu entfernen und das Holztragwerk mit wasserabweisenden, aber dampfdiffusionsoffenen Farben neu zu streichen.
Für den Neuanstrich eignet sich laut Denkmalamt grundsätzlich die trockene und warme Jahreszeit am besten. Die handwerkliche Ausführung sollte grundsätzlich von einem Meisterbetrieb des Malerhandwerks ausgeführt werden, der Erfahrung im Umgang mit denkmalgeschützter oder historischer Bausubstanz besitzt.
Wann dies aber geschehen wird, steht noch nicht fest. Zuvor ist noch einiges an Abstimmung zwischen den Behörden in Geislingen und Tübingen notwendig. Und Schlossgartenbesucher müssen wohl oder übel über die Kritzeleien auf blankem Holz hinwegsehen.