Blick in die Gaststätte in einem Horber Ortsteil. Sie wurde durchsucht. Verdacht: Hier sollen Rüdiger von P. und Ralf S. Mitglieder für die Heimatschutzkompanie rekrutiert haben. Foto: Lück

Jetzt ist es amtlich: Der Horber Unternehmer Ralf S. sitzt wegen der mutmaßlichen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung im Gefängnis! Das gibt der Generalbundesanwalt in einer Pressemitteilung bekannt.

Horb - Ralf S. sitzt in U-Haft. Die Anklage: Mutmaßliche Mitgliedschaft in einer inländischen terroristischen Vereinigung. Insgesamt wurden bei der Reichsbürger-Razzia mit mehr als 3000 Beamten 25 Verdächtige festgenommen. Gegen 23 wurde der Haftbefehl vollstreckt. Auch gegen den Horber Ralf S.

 

Hat Ralf S. den bewaffneten Umsturz in Horb mit geplant? Gab es ein Treffen der Umstürzler in Horb? War auch der ebenfalls jetzt in U-Haft Sitzende Rüdiger von P. als Chef der "Heimatschutzkompanien" in Horb?

Der Generalbundesanwalt: "Zur Umsetzung dieses Ziels kam es im Sommer 2022 zumindest in Baden-Württemberg jedenfalls zu vier Treffen, anlässlich derer unter anderem der Beschuldigte Rüdiger v. P. für die Gruppierung und ihre Ziele geworben hat."

Und die Ermittler vermuten: Eins dieser Treffen, bei dem der "Oberkommandierende" des militärischen Arms Rüdiger von P. (Ex-Fallschirmjäger) für neue Soldaten der "Heimatschutzkompanien" geworben hat, war in Horb. Deshalb wurde eine Gaststätte in einem Ortsteil in Horb durchsucht.

Hat Ralf S. das Lokal für die Heimatschutzkompanie gemietet?

Ein Zeuge: "Ich habe selbst gesehen, wie drei SEK-Beamte vor dem Gebäude standen." Deutlich durchs Fenster zu sehen: Die Tische sind fein säuberlich gemacht – aber nicht eingedeckt. Angebrannte Kerzen auf dem Tisch, Deko, in einer Vitrine sind Gläser aufgestellt.

Der Inhaber dieses Gebäudes – er ist bisher nicht als "Reichsbürger" aufgefallen, so heißt es im Ortsteil. Gut möglich. Denn: Die Gaststätte wird nur bei Bedarf geöffnet. Denkbar, dass Ralf S. diese Gaststätte für den Treff der Umstürzler angemietet hatte. Weiterhin auch nicht auszuschließen: Der Umsturz-Treff war im Gartenhaus von Ralf S. am Rande der Stadt.

Ralf S. – kündigte er Putsch im Sommer an?

Der Sommer dieses Jahres. Hier hatten sich "Querdenker" immer wieder zu den Montagsspaziergängen getroffen. In lockerer Form. Um zu reden. Ein Teilnehmer: "Ich erinnere mich noch ganz genau. Wir saßen draußen und haben was gegessen! Da hat Ralf S. ein Datum im November genannt. An dem Tag wird was passieren, da werden wir alle staunen!"

Der Staatsstreich. Offenbar waren die Pläne so weit gediehen, dass Ralf S. – laut Generalbundesanwalt mutmaßlich zuständig für die Rekrutierung neuer Mitglieder, Schaffung einer Infrastruktur – diese Putsch-Pläne in Horb verkündet hat. Der Teilnehmer: "November passt ja. Jetzt ist Dezember geworden. Der Generalbundesanwalt hat ja gesagt, dass man die Razzia jetzt gemacht habe, weil es höchste Zeit war."

Querdenker-Szene: Ralf ist offenbar extremen Weg gegangen

Insider schließen auch aus, dass Ralf S. damit auf "Erlöserdaten" angespielt haben könnte. In Kreisen der Verschwörungstheoretiker werden immer wieder Daten genannt, an denen "etwas passieren" soll. Als "Erlöser" gilt beispielsweise Donald Trump in QAnon-Kreisen.

Die Bundesanwaltschaft schreibt: "Die Mitglieder der Gruppierung folgen einem Konglomerat aus Verschwörungsmythen, bestehend aus Narrativen der sogenannten Reichsbürger- sowie QAnon-Ideologie. Sie sind der festen Überzeugung, dass Deutschland derzeit von Angehörigen eines sogenannten ›Deep State‹ regiert wird. Befreiung verspricht nach Einschätzung der Mitglieder der Vereinigung das unmittelbar bevorstehende Einschreiten der ›Allianz‹."

Ein Insider: "In einschlägigen Kreisen gab es kein solches Datum im November. Weder in der QAnon-Szene noch in den einschlägigen Telegram-Gruppen der Reichsbürger."

In Kreisen der sogenannten "Querdenker" in der Region gilt Ralf S. als teilweise aggressiv, leicht aufbrausend. Man habe zwar mit ihm geredet, sich aber von seinen Reichsbürger- und Umsturzfantasien distanziert. Es heißt: "Mindestens 90 Prozent von uns sind alle friedlich. Wir tauschen uns aus, reden über unsere Sorgen, zeigen Flagge. Jeder findet seinen eigenen Weg, mit der Situation umzugehen. Ralf ist den extremen Weg gegangen."