Nach dem Überfall setzte die Polizei auch einen Hubschrauber ein. (Archiv-Foto) Foto: R. Heidepriem

Ein Ehepaar wird in seinem Haus in Holzhausen überfallen und verletzt – die Täter flüchten. Ein Polizeihubschrauber zieht Kreise. Dieser Fall hat Anfang Dezember hohe Wellen geschlagen. Einen Monat später fragen wir nach: Wurden die Täter gefunden?

Es klingt beinahe wie in einem Film: Unbekannte dringen in den Abendstunden in ein Haus ein, fordern Wertgegenstände vom dort wohnhaften Ehepaar und drohen mit Gewalt, sollten diese nicht ausgehändigt werden. Für die Opfer, ein Holzhauser Ehepaar, war das grausame Realität.

 

Im Zuge der Ermittlungsarbeit setzte die Polizei auch einen Hubschrauber zur Unterstützung ein – ob zur Täter- oder Beweissuche oder zum Anfertigen von Aufnahmen aus der Luft, wurde nicht mitgeteilt. Außerdem wurde ein Zeugenaufruf gestartet.

Das hat sich seitdem getan

Was hat sich seitdem getan? Konnte die Polizei die Täter ausfindig machen? Der Erste Staatsanwalt Frank Grundke aus Rottweil teilt auf Nachfrage mit, dass in dieser Sache noch kein Täter ermittelt werden konnte.

Zum Vorgehen bei den Ermittlungen wird uns auf Nachfrage beim Polizeipräsidium Konstanz, in dessen Zuständigkeitsbereich der Kreis Rottweil fällt, berichtet: „Es wurde zeitnah nach der Tat eine mehrköpfige Ermittlungsgruppe bei der Kriminalpolizei Rottweil gebildet. Die Ermittlungen laufen immer noch.“

Deshalb hält sich die Polizei mit Details zur Tat noch bedeckt. Auf Nachfrage wird lediglich mitgeteilt, dass es sich beim Diebesgut um Schmuck und Bargeld im fünfstelligen Bereich handle.

Gab es eine Verbindung zwischen Tätern und Opfern?

Währenddessen kursieren im Sulzer Stadtteil Holzhausen allerlei Gerüchte zur Tat, so etwa, dass das Ehepaar tags darauf gefesselt gefunden worden sei. Die Polizei möchte das weder bestätigen noch widerlegen.

Das Gleiche gilt für die Frage, ob es eine mögliche Verbindung zwischen den Opfern und den Tätern gab und das Ehepaar gezielt überfallen wurde, oder ob es Zufall war, dass das Ehepaar zum Zeitpunkt des Überfalls zu Hause war.

Man gehe mehreren Hinweisen nach, heißt es nur. Und: „Zum genauen Tatablauf werden aus ermittlungstaktischen Gründen keine weiteren Angaben gemacht.“

Was droht den Tätern?

Wie wahrscheinlich es ist, dass die Täter nach der vergangenen Zeit noch gefasst werden können, vermögen Polizei und Staatsanwaltschaft nicht einzuschätzen, wie wir erfahren. Aber: Je häufiger die Täter auf diese Weise vorgingen, desto wahrscheinlicher sei es, sie aufzuspüren, erklärt Frank Grundke.

Sollten sie  gefasst werden, droht ihnen, abhängig von Vorstrafenregister, Tatbeteiligung und weiteren Faktoren eine Freiheitsstrafe.    Der Strafrahmen beginnt bei einem   einem Jahr. Abhängig von  der Schwere der Tat, den Folgen und weiteren Aspekten kann die ausgesprochene Strafe auch weit höher liegen.

Psychische Belastung

Tiefer als die körperlichen Wunden bei den Opfern – das Ehepaar wurde im Zuge des Raubüberfalls verletzt – dürften die seelischen gehen. „Die Opfer leiden erheblich unter den Folgen der Tat“, heißt es dazu von der Polizei.

Ein Einbruch oder Raub  hinterlässt  nicht nur sichtbare Spuren. Menschen, bei denen eingebrochen wurde, litten häufig unter dem verloren gegangenen Sicherheitsgefühl, erklärt Maren Hagel, Opferschutzkoordinatorin des Polizeipräsidiums Konstanz.

Das könne massive psychische Auswirkungen haben, erst recht, wenn man bei dieser Tat auch noch verletzt werde, wie es bei dem überfallenen älteren Ehepaar  in Holzhausen der Fall war.

Seelischer Übergriff

„Der seelische Übergriff ist enorm, wenn jemand in meinen geschützten Bereich eindringt, in mein Zuhause, in dem ich mich eigentlich sicher fühlen sollte und normalerweise fallen lassen kann“, erklärt Hagel, wie sich Opfer einer solchen Tat fühlen.
Gefühle der Verunsicherung („Ich habe Angst, allein in der Wohnung zu bleiben“) oder gar Selbstvorwürfe („Wie konnte ausgerechnet mir so etwas passieren?“) könnten die Lebensqualität der Betroffenen nachhaltig einschränken, heißt es außerdem in einer Informationsbroschüre der Polizei.

Mechanische Sicherung

Ein wichtiges Mittel, um sich wieder in den eigenen vier Wänden sicher zu fühlen, sei eine sicherheitstechnische Beratung in Sachen Einbruchschutz durch die Polizei, sagt Maren Hagel. „Das ist quasi angewandter Opferschutz vor Ort.“

Dabei werde von  speziell dafür ausgebildeten Beamten der Polizei auf Basis des Wissens, das die Polizei über das Vorgehen bei Einbrüchen habe,  die ganze Außenhülle, jede Tür und jedes Fenster einer Schwachstellenanalyse unterzogen, um Tipps für bauliche Verbesserungen geben zu können.

Denn je länger es dauere, um in ein Gebäude zu kommen, desto größer sei die Wahrscheinlichkeit, dass der Täter  unverrichteter Dinge verschwinde.

Seriöse Anbieter

Für die Umsetzung eines Umbaus gebe es dann auch Einrichterfirmen, die vom Landeskriminalamt regelmäßig geprüft würden, also seriös sind, erklärt Maren Hagel. Ein wichtiger Aspekt, denn nicht selten wolle manch anderer Anbieter aus der Angst der Menschen Profit schlagen, warnt die Opferschutzkoordinatorin.

Neben Merkblättern und Broschüren, in denen Wissenswertes, auch finanzieller Natur, und Rechte der Opfer aufgeführt werden,  bietet die Polizei Betroffenen auch   eine Vermittlung an Hilfeeinrichtungen und Fachstellen an, etwa an den Weißen Ring. Und zudem, nach der„psychologischen ersten Hilfe“, den Kontakt zu Psychotherapeuten, die üblicherweise eine lange Wartezeit haben,  für einen frühen Termin.

Auch mit der Familie der Opfer, die oftmals in solchen Fällen nicht wisse, wie man mit der Situation umgehen muss,  werde Kontakt aufgenommen. Abgesehen davon gilt aber laut Polizeibroschüre: „Scheuen Sie sich nicht, Personen zu Rate zu ziehen, denen Sie sich anvertrauen können und die Ihre Ängste verstehen.“

Kostenlose Sicherheitsberatung

Zur Info: Das Polizeipräsidium Konstanz bietet im Kreis Rottweil kostenlos nach Terminvereinbarung Sicherheitsberatungen für jedermann an. Bei Interesse kann man sich unter Telefon 0741/477 19 01 oder per E-Mail an konstanz.pp.praevention.rw@polizei.bwl.de wenden oder unter www.polizei-beratung.de informieren